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Aus: Ausgabe vom 03.05.2021, Seite 15 / Politisches Buch
Forschungen zur Arbeiterbewegung

Kritische Bilanz

Neues Heft der Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung
Von Heinz Sommer
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Abgesang auf die DDR: Übertragungstechnik von Fernsehstationen vor dem Palast der Republik (Berlin, 18.3.1990)

Im Jahr 1968 erschien in der DDR erstmals die geschichtswissenschaftliche Zeitschrift Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung (BzG). Seit 1998 ist sie beim Trafo-Wissenschaftsverlag in Berlin angesiedelt, wo sie von Wolfgang Weist, Matthias John und Rainer Holze herausgegeben wird. Immer wieder präsentiert die BzG neue Forschungsergebnisse zur Arbeiterbewegungsgeschichte. Das zeigt auch die jüngste Ausgabe, die Texte enthält, die den Zeitraum vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart abdecken.

Zunächst sei auf die beiden den 150. Geburtstagen von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg gewidmeten Beiträge von Matthias John und Eckhard Müller eingegangen. John dokumentiert in seinem mit zahlreichen Illustrationen angereicherten Text erstmals umfassend die wohl bedeutendste Verhandlung des Rechtsanwalts Liebknecht, den Königsberger Prozess von 1904. Dort hatte Liebknecht neun deutsche Sozialdemokraten, die ihre russischen Genossen solidarisch unterstützt hatten, gegen eine Klage des Zaren verteidigt. In Müllers Beitrag »›Krieg dem Kriege!‹ Der antimilitaristische Kampf Rosa Luxemburgs und Clara Zetkins und die sozialistischen Frauenkonferenzen 1907 bis 1915« finden die Leser zahlreiche interessante Details über das Ringen der beiden Sozialistinnen um eine internationale sozialistische Frauenorganisation und über ihren gegen Widerstände in den eigenen Reihen geführten unablässigen Kampf gegen den imperialistischen Krieg. Leider konnten beide Texte in der hier zu besprechenden Ausgabe nicht vollständig veröffentlicht werden. Sie werden in der nächsten Ausgabe, die im Juni erscheint, fortgesetzt.

Jörg Wollenberg erinnert mit seinem Beitrag zum 8. Mai 1945 als Tag der Befreiung vom Faschismus an ein verdrängtes Kapitel gesamtdeutscher Geschichte. Jörg Roesler setzt sich in seinem Aufsatz vor allem mit der weit verbreiteten These von der »in vier Jahrzehnten entstandenen Leistungskluft zwischen dem planwirtschaftlich organisierten System der DDR« und dem marktwirtschaftlichen der Bundesrepublik auseinander. Er belegt, dass die unterschiedliche Wirtschaftsleistung der beiden deutschen Staaten im hohen Maße auf das unterschiedliche Ausgangsniveau zurückzuführen ist, das 1950 in der DDR aufgrund der ungleich höheren Belastung durch Reparationsleistungen beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf deutlich unter dem der Bundesrepublik lag.

Siegfried Prokop legt in seinem Beitrag »Die Volkskammerwahlen am 18. März 1990 – Ursachen und Folgen« aufschlussreiche neue Erkenntnisse über die damaligen Geschehnisse vor. Peter Brandt zieht in einem Interview mit Holger Czitrich-Stahl und Rainer Holze eine kritische Bilanz aus 30 Jahren deutscher Einheit. Linda Lilith Obermayr thematisiert in ihrem Beitrag die Entpolitisierung der Linken am Beispiel des Genderns. In der das Heft abschließenden Rubrik »Diskussion« steuert Czitrich-Stahl seine Überlegungen vom bildenden Wert und der Aktualität von Arbeiterkultur sowie zur Notwendigkeit eines eigenständigen kulturellen Angebots als Gegenkonzept zur rechten Offensive bei. Der Rezensent vermisst den Rezensionsteil, auf den die Redaktion hoffentlich nur in dieser Ausgabe verzichten musste.

Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Jg. 63, Nr. 1/2021, 173 Seiten, Einzelheft 16 Euro, Bestellungen über den Buchhandel oder direkt beim Trafo-Wissenschaftsverlag Dr. Wolfgang Weist, Finkenstr. 8, 12261 Berlin, E-Mail: info@trafoberlin.de

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