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Aus: Ausgabe vom 03.05.2021, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Respektlos

Zu jW vom 10./11.4.: »Marx an die Uni«

Der Artikel über den Marxistischen Studentenbund (MSB) Spartakus hat mich geärgert und traurig gemacht. Ich empfinde ihn als negativ tendenziös, unfair und unqualifiziert. Eines ist klar: Mitglied des MSB Spartakus war der Verfasser nicht. Das wird schon im ersten Satz deutlich, in dem er die Position des MSB zusammenfasst. Zugleich zeigt dieser Satz, der 14 Zeilen lang ist, etwas, das ein Aktionsbündnis mit der Arbeiterklasse schwierig macht. Er strotzt vor linkem Politkauderwelsch. Ich weiß zum Beispiel auch nicht, was die »Theorie eines integralen Etatismus« ist … Der Verfasser geht von Anfang an lieblos und respektlos mit dem MSB um, in dem doch Tausende Studenten sich – »fleißig«, wie er bescheinigt – um die Reform der Hochschulen und die politische marxistische Bildung gekümmert haben. Statt die Leistungen des MSB sachlich darzustellen, nennt er ihn »bieder« (eine auch damals von Außenstehenden vielverwendete Vokabel). Im folgenden ist von »liberaler Diskussionskultur«, vom Feiern und von Spaß die Rede, davon, dass führende Schriftsteller zur Lesung und Diskussion eingeladen wurden. Was ist daran bieder? Dass keine inhaltliche Position zur bürgerlichen Wissenschaft bezogen wurde, wie das Zitat der KPD/AO beweisen soll, stimmt einfach nicht. Im Gegenteil, die Studenten arbeiteten heftig daran, diese Positionen in Vorlesungen und Seminaren darzulegen, weswegen sie auch durchweg in geisteswissenschaftlichen Fächern die besten Examina machten. Warum kommt in dem Artikel kein qualifizierter Vertreter des MSB zu Wort? Statt dessen Ulla Hahn, die in ihrem Buch beweist, dass sie von den Inhalten der Studentenbewegung nichts begriffen hat. Sie erzählt aus der sicheren Position der Partnerin eines reichen Mannes heraus und beschreibt Äußerlichkeiten und Innerlichkeiten. Ich bin von der jW Besseres gewohnt!

Rita A. Suermondt, Krefeld

Uninteressante Schnipsel

Zu jW vom 26.4.: »Spezialist des Tages: Jan Josef Liefers«

Meine Mutter nannte vor einigen Jahren Herrn Jan Josef Liefers, nachdem sie ihn in einigen Talkshows erlebt hatte, einen »Nestbeschmutzer«. Es ging um sein Leben in der DDR, und ich kann meiner Mutter nur recht geben. Unabhängig davon ist Herr Liefers ein hervorragender Schauspieler. Kunst und Künstler muss man also trennen. Was Herr Liefers und Kollegen an Videoschnipseln produziert haben, habe ich mir nicht angeschaut. Videoschnipsel jedweder Art interessieren mich einfach nicht. (…)

Patrick Büttner, per E-Mail

Doppelmoral

Zu jW vom 24./25.4.: »Russland: Nawalny beendet Hungerstreik«

Wenn Politiker und Medien hierzulande unentwegt tränenreich die ärztliche Versorgung von Herrn Alexej Nawalny beklagen, sollten sie daran erinnert werden, dass Erich Honecker monatelang mit einem akuten Krebsleiden, welches wenig später im Exil seinen Tod verursachte, im Moabiter Gefängnis festgehalten wurde. Ärzte, die seine Haft- und Verhandlungsfähigkeit bescheinigten, waren keineswegs die seiner Wahl. So ist das eben mit der doppelten Moral.

Erich Postler, Münchenbernsdorf

Antifaschist vergessen

Zu jW vom 26.4.: »›Es liebt sich ganz gut‹«

Mit Interesse habe ich den Artikel zum 100. Geburtstag des Alfred-Kunze-Sportparks in Leipzig-Leutzsch und über die damit zusammenhängenden Bemühungen zur Ausstellung »Im Flutlicht« gelesen. Warum aber vergisst man im Interview darauf hinzuweisen, dass der Sportpark von 1949 bis 1989 den Namen von Georg Schwarz trug? Schwarz war ­Widerstandskämpfer gegen den Faschismus und wurde im Januar 1945 in Dresden hingerichtet. (…)

Peter Herrmann, freier Sportjournalist, Berlin

Leben schützen

Zu jW vom 26.4.: »Spezialist des Tages: Jan Josef Liefers«

Statt einer Strategie gibt es in der Linken bestenfalls ein Wirrwarr von Ideen, wie man die Pandemie wirksam bekämpfen könnte. Manche meinen, Luftfilter und Massentests seien ausreichend. Ob eine Infektionswelle damit unter Kontrolle gebracht werden kann, bleibt fraglich. Oder man leugnet wie die Linke-Politikerin Sahra Wagenknecht die Gefahren für »jüngere« Menschen. Wagenknecht dramatisiert auf Youtube die psychischen Schäden, die durch den Ausfall des Präsenzunterrichts bei Kindern aus ärmeren Familien entstehen. Das Trauma, mit dem Kinder leben müssen, die ihre Eltern anstecken und im schlimmsten Fall an Covid-19 verlieren, blendet sie aus. Dass dieses Szenario bei den beengteren Wohnverhältnissen von ärmeren Familien eher gegeben ist als bei wohlhabenderen, bedenkt sie nicht. Völlig desorientiert in der Frage, beklatscht sie auf Twitter die nur wenig verhüllte »Querdenker«-Aktion der Schauspieler. Wir stellen fest, dass gerade die Ärmsten der Armen in der Pandemie sterben. Wir können in der gegenwärtigen Situation nicht starr an untergeordneten Prinzipien (wie der »persönlichen Freiheit«) festhalten. Unser oberstes Ziel ist, das Leben der Menschen, die zur Arbeiterklasse gehören, zu verbessern und zu schützen. Da die bürgerliche Politik es unterlassen hat, mit einem rechtzeitigen, konsequenten Lockdown und der Freigabe der Patente das Infektionsgeschehen zügig unter Kontrolle zu bringen, taumelt Europa von einem Halblockdown in den nächsten. Das bringt uns Linke in eine Art Zwangslage: Wir müssen derzeit einen weiteren Lockdown kritisch unterstützen, der nicht notwendig wäre, wenn die Politik von vornherein anders agiert hätte. Wir müssen dabei stets darauf hinweisen, dass die Schlagkraft des Lockdowns erheblich geschwächt wird, wenn einseitig immer neue Opfer von der Bevölkerung verlangt werden, aber die Wirtschaft freies Spiel behält. Das Aufkommen der Mutanten belegt, dass jede Infektion eine Infektion zuviel ist. Nur eine Strategie, die auf die komplette Beseitigung des Virus zielt, ist im Sinne der Mehrheit der Menschen.

Christina Schmitz, per E-Mail

Das Aufkommen der Mutanten belegt, dass jede Infektion eine Infektion zuviel ist. Nur eine Strategie, die auf die komplette Beseitigung des Virus zielt, ist im Sinne der Mehrheit der Menschen.

Wer hat Angst vor wem?

Diejenigen, die sich nicht scheuen, gegen Faschismus, Rassismus, Krieg und Ausbeutung einzutreten? Die dafür mit Verfolgung und Repression rechnen müssen? Oder diejenigen, die Verfassung und die herrschenden Verhältnisse »schützen«?

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