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Aus: Ausgabe vom 03.05.2021, Seite 2 / Sport
Olympische Spiele 2021 in Japan

»Werden diesen Spirit nicht fühlen können«

Olympische Spiele in Tokio werden unter Pandemiebedingungen stattfinden. Das verändert Stimmung der Athleten. Ein Gespräch mit Timo Boll
Interview: Andreas Müller
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Mittendrin und live dabei: Timo Boll (2. v. l.) während der Eröffnungszeremonie in Rio de Janeiro (5.8.2016)

Fast täglich gibt es neue Nachrichten aus Tokio. Zittern Sie um die Olympischen Spiele, die vom 23. Juli bis 8. August stattfinden sollen? Wie ist die Gefühlslage?

Ich bin vielleicht nicht mehr ganz so aufgeregt wie vor meinen ersten Olympischen Spielen, eigentlich sogar recht entspannt. Meine Konzentration liegt seit Wochen, ja Monaten auf meinen Einsätzen für Borussia Düsseldorf. Wenn es bald in die heiße Vorbereitungsphase für Tokio geht, wird es auch klare Aussagen vom Veranstalter geben, auf die wir Sportler uns dann einstellen müssen.

Ihre Premiere hatten Sie 2000 in Sydney. Die Sommerspiele in diesem Jahr wären die sechsten für Sie. Werden es angesichts der Umstände die aufregendsten sein?

Nein, am aufregendsten sind immer die ersten. Auch auf die Sommerspiele 2008 in Peking, im Land des Tischtennissports, hatte ich mich enorm gefreut. Rio 2016, als ich Fahnenträger der deutschen Mannschaft war, ist mir auch als etwas ganz Besonderes in Erinnerung. Tokio wäre mit Sicherheit unter normalen Umständen ein weiteres Highlight. Aber die Faszination, die Olympische Spiele für uns Sportler ausmachen, wird diese Mal schwerlich aufkommen können bei all den Beschränkungen, die es mit Sicherheit geben wird, – falls die Spiele stattfinden.

Als das Internationale Olympische Komitee, IOC, sich wegen der Pandemie zur Verlegung entschloss, hatten Sie geäußert, die Spiele hätten besser gleich um zwei Jahre auf 2022 verschoben werden sollen. Fühlen Sie sich mit dieser Einschätzung jetzt bestätigt?

Gefühlt wäre eine Verschiebung um 24 Monate und dann die Chance auf eine Austragung unter normalen Umständen natürlich schöner. Aber der Veranstalter hatte ja erklärt, dass eine Verschiebung auf 2022 organisatorisch keine Option war. Das muss man natürlich akzeptieren.

Bei den Sommerspielen 2016 in Rio durften Sie beim traditionellen Einmarsch ins Stadion vorangehen. Ihre Nachfolgerin bzw. Ihr Nachfolger in Tokio wird bei der Eröffnungsfeier vor leeren Rängen eher nicht zu beneiden sein.

Wie gesagt, es werden mit Sicherheit keine normalen Olympischen Spiele, und es ist bestimmt nicht das Gefühl, das ich vor fünf Jahren erleben durfte. Das ist natürlich insgesamt ein wenig traurig für all diejenigen, die sich vielleicht nur einmal in ihrem Leben für Olympia qualifizieren und nun in Tokio diesen besonderen Olympiaspirit höchstwahrscheinlich nicht fühlen können. Dennoch habe ich schon viele Szenen aus Olympiaqualifikationen gesehen, die sehr emotional waren. Die Sportler sind einfach happy, wenn sie ihr Olympiaticket lösen und dabeisein können. Egal, in welcher Form diese Spiele stattfinden, sie werden immer noch der sportliche Höhepunkt für jeden Teilnehmer sein.

Wie steht es sportlich, sind die Tickets fürs Team und für den Einzelwettbewerb eingetütet?

Ja, mein Ticket fürs Einzel und mit dem Team habe ich schon durch die Siege bei den European Games im Sommer 2019 klargemacht.

Wie wird Ihre Olympiavorbereitung in den verbleibenden drei Monaten aussehen? Stehen noch Wettkämpfe auf dem Programm?

Am 6. Juni steht in Dortmund das Bundesligafinale gegen Saarbrücken auf dem Plan, und ebenfalls im Juni stehen nach heutigem Stand die Europameisterschaften in Warschau im Kalender. Zudem versucht der Deutsche Tischtennisbund, kleine Turniere in Deutschland zu organisieren, um etwas Wettkampfpraxis zu ermöglichen. Das kommt mir sehr entgegen. Ich bin grundsätzlich jemand, der viele Wettkämpfe braucht, um sich in Topform zu spielen.

Es ist kein Geheimnis, was auch Bundestrainer Jörg Roßkopf schon äußerte: Die in Tokio werden voraussichtlich Ihre letzten Olympischen Spiele als Sportler sein. Überkommt Sie jetzt schon die Wehmut?

Ich bin happy, dass ich nun schon so lange Zeit auf diesem hohen Level spielen kann. Darum überwiegt die Dankbarkeit immer die Wehmut!

Tischtennisprofi Timo Boll spielt seit 15 Jahren für Borussia Düsseldorf. Der 40jährige Hesse hat bislang drei olympische Medaillen mit dem Team gewonnen, 2008 in Peking Silber sowie 2012 in London und 2016 in Rio Bronze

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