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Aus: Ausgabe vom 28.04.2021, Seite 7 / Ausland
FREE MUMIA!

Revolutionäre Geburtstagsgrüße

Weltweit Solidarität rund um Ehrentag des politischen US-Gefangenen Mumia Abu-Jamal
Von Jürgen Heiser
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Proteste für die Freilassung von Mumia Abu-Jamal in der US-Stadt Pennsylvania im Dezember 2018

In den USA konnten Aktivitäten rund um den Geburtstag des politischen Gefangenen Mumia Abu-Jamal am 24. April vor einem Jahr wegen der Coronapandemie nur im Internet stattfinden. Wegen der forcierten Impfkampagne der neuen US-Regierung fand das »Freedom Weekend« rund um Abu-Jamals 67. Geburtstag am vergangenen Wochenende unter günstigeren Bedingungen statt. Wie jW am 26. April anlässlich der zentralen Demonstration in Philadelphia bereits berichtete, fühlt sich der Bürgerrechtler, der sich gerade von einer Herzoperation erholt, durch die mannigfaltige Solidarität »gestärkt«.

Zu denen, die laut dem vom Radiosender WHYY zitierten Lee Patterson aus Baltimore »das Blatt in Amerika wieder wenden« wollten, gehörten Demonstrierende in Chicago, Washington D. C. und New York, die unter dem Slogan »Bringen wir Mumia nach Hause« landesweit auf die Straße gingen. Das New Yorker »Malcolm X Grassroots Movement« (MXGM) begrüßte die Verurteilung des Mörders von George Floyd, warnte jedoch vor Trugschlüssen angesichts der »Geißel der Polizeigewalt«: »Die Bestrafung eines Polizisten verändert nicht das System.« Für das MXGM ist Abu-Jamal auch ein Opfer rassistischer Polizeigewalt, weil er 1981 seinen Bruder vor den Misshandlungen eines Polizisten schützen wollte, dabei selbst fast getötet und zum Täter abgestempelt wurde.

In Kalifornien sandten Free-Mumia-Kundgebungen von San Diego bis San Francisco »revolutionäre Geburtstagsgrüße an Mumia«. Dem Blog Oakland News Now gegenüber erklärte eine Aktivistin, Abu-Jamal sei »in einer Zeit als Polizistenmörder verleumdet worden, als Polizei und Stadtregierung von Philadelphia von Rassisten des Ku-Klux-Klan durchsetzt waren«. Das am Marsch beteiligte Labor Action Committee hatte bereits vier Tage zuvor bei einer Protestaktion den Sender KQED in San Francisco aufgefordert, »Mumia Gelegenheit zu geben, zu beweisen, dass er unschuldig ist«. Daraufhin hatte der Fernsehsender den Kurzfilm »Manufacturing Guilt« (deutsch: Fabrikation von Schuld) von Stephen Vittoria und das Video des Footballstars Colin Kaepernick ausgestrahlt, in dem dieser Abu-Jamal verteidigt.

In Mexikos Hauptstadt hielten die »Amigxs de Mumia« eine Pressekonferenz vor der US-Botschaft ab und zogen von dort zum Café Zapata, wo sie über Abu-Jamals aktuelle Lage informierten. Weitere Aktionen fanden in Oaxaca und Nayarit statt. In Cayenne in Französisch-Guayana organisierte die »Internationale Bewegung für Reparationen« einen »Freiheitsmarsch für Mumia«.

In Europa fand der Wiener Aktionstag »Freiheit für Ali Osman Köse, Mumia Abu-Jamal und alle kranken und politischen Gefangenen« sowie eine Kundgebung in London statt. Dort skandierten Aktivisten »Britische Polizei – rassistische Polizei!« und »Free Mumia!« Eine Rednerin forderte: »Zerbrecht die Ketten!« – und kündigte hoffnungsvoll an, im nächsten Jahr »mit Mumia in Freiheit und mit seiner Familie und seinen Genossen zu feiern«. In Berlin-Neukölln beteiligten sich rund 200 Menschen an einer »Kiezkundgebung für Mumias sofortige Freilassung«, und die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) erklärte, warum sie Abu-Jamal schon vor Jahren zu ihrem Ehrenmitglied ernannt hatte. Am Sonntag nahmen zudem in den französischen Städten Lyon und Paris Hunderte Menschen in dem Bewusstsein an Kundgebungen teil, dass »Mumias Leben von der internationalen Mobilisierung abhängt«. Den Versuch, der US-Botschaft in Paris eine Petition zu überreichen, vereitelte der Sicherheitsdienst. Anders in Amsterdam Tage zuvor, als es einer Aktivistin der dortigen Solidaritätsveranstaltung gelang, dem Vertreter des US-Konsuls einen Protestbrief zu übergeben.

In Philadelphia beschlossen am Sonntag zwei Initiativen das »Freedom Weekend«. Mit einer Feier im Maroon Garden wurde der Ex-Black-Panther und politische Langzeitgefangene Russell »Maroon« Shoatz geehrt und seine Freilassung gefordert. Die Aktivisten schlossen sich danach im Malcolm-X-Park einer Gedenkveranstaltung mit hundert Unterstützern und der Familie des 27jährigen Walter Wallace Jr. an, der im Oktober 2020 in Philadelphia Opfer rassistischer Polizeigewalt geworden war. Damit schloss sich der Kreis zu Abu-Jamal. Dieser sei seit 40 Jahren eingesperrt, »weil er als Black Panther und Journalist konsequent gegen Polizeigewalt aufgetreten ist«.

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