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Einsatz für Mumia

Freedom Weekend: Kundgebungen an Abu-Jamals Geburtstag zur Freilassung des Gefangenen
Von Jürgen Heiser
»Free Mumia« Demonstration in Philadelphia (24. April 2021)
»Free Mumia« Demonstration in Philadelphia (24. April 2021)

Die US-Solidaritätsbewegung für den politischen Gefangenen Mumia Abu-Jamal hat am Sonnabend, dem 67. Geburtstag des Bürgerrechtlers, ihren angekündigten »Shutdown« der Innenstadt von Philadelphia in die Tat umgesetzt. Im Mittelpunkt der Hauptaktion des von Freitag bis Sonntag geplanten Freedom Weekend stand die Forderung nach der Freilassung Abu-Jamals. Der aus Philadelphia stammende Journalist sitzt eine lebenslange Haftstrafe für den ihm untergeschobenen Mord an einem Polizeibeamten im Jahr 1981 ab. Nicht nur der Vorwurf, Abu-Jamal werde seit fast 40 Jahren unrechtmäßig in Haft gehalten, sondern seine angeschlagene Gesundheit infolge der langen Haft und nach einer kürzlich erfolgten Herzoperation lassen international wieder den Ruf nach seiner sofortiger Freilassung lauter werden.

Eine Menge von anfangs mehreren hundert Menschen versammelte sich am Sonnabend gegen 14 Uhr vor dem Rathaus. Viele der Aktivisten trugen Schilder mit der Aufschrift »Unschuldig« um den Hals. Die Front des Rathauses war mit Plakaten und Transparenten wie »Free Mumia«, »Black Lives Matter« und »Abschaffung der Polizei« versehen.

Auf der Kundgebung vor dem Hauptportal rief Keith Cook der Menge zu, dass es seinem Bruder Mumia heute gutgehe, läge »an eurem Einsatz für ihn«. Cook richtete als Gruß seines Bruders aus: »Ich werde immer bei euch sein.« Es gehe »noch sehr langsam«, aber »ihr alle sorgt dafür, dass ich stark bleibe«.

Johanna Fernandez vom Movement for Mumia ergänzte, Abu-Jamal habe seit seiner Operation jeden Tag mit seiner Frau Wadiya telefonieren können und knapp zwei Stunden vor der Kundgebung angerufen. Er habe »stark geklungen« und Fernandez in dem nur 30 Sekunden dauernden Gespräch gebeten, »den Dank an alle« zu übermitteln.

Fernandez forderte, Abu-Jamals Verurteilung müsse »angesichts des erheblichen Ausmaßes neuer Unschuldsbeweise sofort überprüft werden«. In vergleichbaren Fällen seien »Angeklagte entweder freigelassen worden« oder sie hätten »sofort einen neuen Prozess bekommen«. Doch Lawrence Krasner, der Bezirksstaatsanwalt von Philadelphia, hatte einem schon gerichtlich gewährten neuen Berufungsverfahren für Abu-Jamal Anfang des Jahres widersprochen (jW berichtete).

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Pam Africa, Sprecherin des Komitees der Familie und Freunde Mumia Abu-Jamals, berichtete, bei einem Telefonat habe ihr »Mumia gesagt, dass er gut behandelt« werde. »Aber er ist immer noch mit Handschellen an sein Krankenbett gefesselt!« Deshalb griff Africa die Verantwortlichen für die »Fortsetzung von Mumias Inhaftierung unter diesen Bedingungen« scharf an und sagte mit Blick auf »die Machtstrukturen und Politiker, einschließlich Krasner«, man könne »nicht in dieser Jauchegrube sitzen und wirklich für das Volk sein«.

Abu-Jamals Vertrauensarzt Ricardo Alvarez ließ mitteilen, er habe weiter »Schwierigkeiten, klare Informationen vom Krankenhaus zu bekommen«, aber er glaube, »dass sein Patient eine Koronararterien-Bypass-Operation an zwei Gefäßen hatte«. Als Arzt fordere er weiter, Abu-Jamal dürfe »nicht gefesselt werden«, und seine Freilassung sei »die einzig richtige Behandlung«.

Zum Ende der Kundgebung war die Menge stark angewachsen. Zum Song »Happy Birthday« von Stevie Wonder – urspünglich für Martin Luther Kings Gedenktag geschrieben – skandierten Tausende lautstark Geburtstagsglückwünsche an Abu-Jamal. Danach zog die mächtige Marschsäule hinter dem Transparent »Freiheit für Mumia Abu-Jamal und alle politischen Gefangenen« mehrere Stunden durch das Stadtzentrum. Darleen Troutman von der People’s Organization for Progress aus New Jersey, die wie viele andere nach Philadelphia angereist war, sagte dem Reporter von WHYY, sie habe Abu-Jamals Fall »vom ersten Tag an verfolgt« und sei froh, jetzt wieder »eine sehr breite Unterstützung für Mumia« zu sehen. »Alle Macht dem Volk. Macht weiter so!«

Über weitere nationale und internationale Aktivitäten des bis Sonntag dauernden Freedom Weekend lagen bei jW-Redaktionsschluss noch keine Informationen vor. Bericht folgt.

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