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Aus: Ausgabe vom 24.04.2021, Seite 15 / Geschichte
Welteroberung und Weltumseglung

Erdrund als Schauplatz

Die Weltumsegelung war nicht sein Ziel, doch ging seine Expedition dadurch in die Geschichte ein: Vor 500 Jahren wurde Magellan getötet
Von Gerd Bedszent
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Nicht willkommen. Die Tötung Magellans in einer Radierung aus dem 19. Jahrhundert

Am 27. April 1521 wurde der Seefahrer Ferdinand Magellan (portugiesisch: Fernão de Magalhães) bei einem Gefecht mit den Einwohnern der Insel Mactan von deren Stammeshäuptling Lapu-Lapu getötet. Magellan gilt als Organisator der ersten historisch belegten Weltumseglung. Lapu-Lapu wird auf den Philippinen als Vorkämpfer für die Unabhängigkeit der Inselgruppe angesehen.

Das bis dahin im europäischen Machtgefüge unbedeutende Königreich Portugal hatte im Jahre 1498 einen neuen Seeweg um die Südspitze Afrikas herum nach Indien erschlossen. Portugiesische Kriegsschiffe konnten daraufhin dank ihrer militärtechnischen Überlegenheit den bisher muslimisch dominierten Handel auf dem Indischen Ozean unter ihre Kontrolle bringen und dem iberischen Königshaus das Monopol auf den Handel mit in Europa begehrten Gewürzen sichern. Unvorstellbare Gewinne aus Handel und kaum verbrämtem Raub flossen daraufhin an den portugiesischen Hof. König Manuel I. galt plötzlich als reichster Monarch Europas. Dies weckte die Begehrlichkeit anderer europäischer Mächte, die sich ihren Anteil sichern wollten. Karl Marx charakterisierte im »Kapital« die dem sogenannten Zeitalter der Entdeckungen folgende frühe Phase des Kapitalismus als »Handelskrieg der europäischen Nationen, mit dem Erdrund als Schauplatz«.

Das spanische und das portugiesische Königshaus hatten zu Beginn ihrer weltweiten Expansion die Erde vertraglich aufgeteilt. Da der Erdumfang zu dieser Zeit noch nicht bekannt war, konnte nach der Erkundung der im heutigen Indonesien gelegenen und als »Gewürzinseln« bezeichneten Inselgruppe der Molukken niemand mit Gewissheit sagen, ob diese tatsächlich im »portugiesischen« Teil der Erde lag.

Mit der Waffe bekehrt

Nachdem beutehungrige spanische Konquistadoren zunächst die karibische Inselwelt weitgehend entvölkert und dann die Hochkulturen Mittel- und Südamerikas nachhaltig zerstört hatten, entsandte der spanische König Karl I. im Jahre 1519 fünf Schiffe in den noch gänzlich unbekannten Pazifischen Ozean. Die Flotte hatte den Auftrag, die begehrten Gewürzinseln zu erreichen und gegebenenfalls für Spanien in Besitz zu nehmen. An Bord der Schiffe befanden sich ursprünglich 242 Seeleute. Der Führer der Seeexpedition, Ferdinand Magellan, war ein im spanischen Dienst stehender Portugiese. Eine Weltumrundung war nicht Ziel der Expedition; im Gegenteil – Magellan hatte vom König strikte Order, die »portugiesische« Hälfte der Erde zu meiden.

Magellan entdeckte 1520 die heute nach ihm benannte Meerenge im äußersten Süden Amerikas. Den Stillen Ozean erreichten dann allerdings nur drei Schiffe, eines ging durch Schiffbruch verloren; bei einem anderen meuterte die Besatzung und erzwang die Rückfahrt nach Spanien. Der Pazifik erwies sich als wesentlich größer als zunächst vermutet. Die Besatzung der Schiffe litt schreckliche Hungerqualen, ehe die Expedition am 6. März 1521 nach monatelanger Fahrt zuerst die Inselgruppe der Marianen und kurz darauf die Philippinen erreichte.

Die nördlich Sumatras und der Molukken gelegene Inselgruppe war in dieser Zeit schon seit Jahrhunderten Bestandteil eines von China über Indien bis Ägypten und Ostafrika reichenden Handelsnetzes. Eine Zentralgewalt gab es nicht – der Archipel wurde von mehreren formell unabhängigen Fürsten beherrscht, die sich an jenen Großmächten orientierten, die das Handelsgeflecht dominierten. Arabische und malaiische Händler hatten Ende des 14. Jahrhunderts begonnen, den Islam auf der Inselgruppe zu verbreiten. Die islamische Missionierung war jedoch noch keineswegs abgeschlossen, als Magellans Flotte die Region erreichte.

In der üblichen Manier euro­päischer Eroberer demonstrierten die ankommenden Spanier umgehend ihre militärtechnische Überlegenheit und erreichten so, dass der örtliche Fürst (Sanskrit: Raja) der Insel Cebu sich zum Abschluss eines Bündnisvertrags und zur Annahme des Christentums bereit erklärte. Als die Spanier danach versuchten, auch die Nachbarinsel Mactan zu unterwerfen, und dabei ein Dorf niederbrannten, leisteten die Einheimischen erbitterten Widerstand. Die Spanier mussten sich unter Verlusten zurückziehen; Magellan selbst starb im Kampf – wahrscheinlich wurde er von Lapu-Lapu, dem Oberhaupt der umkämpften Insel, persönlich getötet.

Der Raja von Cebu betrachtete nach der Niederlage der Zwangsverbündeten die getroffenen Vereinbarungen offenbar als nichtig und lockte eine weitere Gruppe von Spaniern in einen Hinterhalt. Die Überlebenden der Expedition verließen daraufhin den Archipel. Nach den nicht unbeträchtlichen Verlusten, die sie erlitten hatten, konnte sie aber nur noch zwei Schiffe bemannen – das dritte wurde verbrannt, die Besatzung auf die verbliebenen Schiffe verteilt. Nach längerer Irrfahrt erreichte die Expedition die Inselgruppe der Molukken, wo sie tatsächlich Gewürze erhandeln konnten.

Rückfahrt gen Westen

Der »Trinidad« misslang anschließend die Rückfahrt über den Stillen Ozean nach Südamerika. Das Schiff geriet in die Gewalt der Portugiesen, die die Besatzung als Eindringlinge und unerwünschte Konkurrenten festsetzten. Nur vier Mann der Besatzung kehrten Jahre später auf abenteuerlichen Wegen nach Europa zurück. Die »Victoria«, die unter dem Kommando des baskischen Schiffsoffiziers Juan Sebastián Elcano stand, hatte hingegen unter Missachtung der königlichen Weisung die Rückfahrt in Richtung Westen gewählt, um die Südspitze Afrikas herum. Da sie die bekannten portugiesischen Stützpunkte mieden, gelang die Fahrt. Die »Victoria« hatte somit erstmals die Erde umrundet. Es erreichten allerdings nur 18 Männer der Schiffsbesatzung am 6. September 1522 Spanien. Die übrigen waren unterwegs gestorben oder aber in portugiesische Gefangenschaft geraten. Die Gewürzladung, die das Schiff mit sich führte, konnte dann am Ende die Gesamtkosten der Expedition nicht decken.

Da sich im heutigen Indonesien und Malaysia schon die Portugiesen (später dann Briten und Niederländer) festgesetzt hatten, unternahm das spanische Königshaus in den Jahren 1525 bis 1542 noch mehrere Versuche – diesmal von Mittelamerika aus –, sich der Inselgruppe zu bemächtigen. Die Unterwerfung gelang, nachdem die Spanier mehrere örtliche Fürstenhäuser auf ihre Seite gezogen hatten. 1569 wurde die Inselgruppe offiziell vom spanischen Königshaus annektiert. Die Kämpfe mit einheimischen Stämmen dauerten darauf jedoch Jahrzehnte. Immer wieder rebellierten Stammesgruppen gegen die Eroberer. Im Jahre 1898 wurde erstmals die Unabhängigkeit der Inselgruppe proklamiert. Auf die spanische Kolonialzeit folgte dann jedoch zunächst eine erneute Phase kolonialer Fremdbestimmung – diesmal durch die USA. Erst im Jahre 1946 wurden die Philippinen formell unabhängig.

Aus dem Bericht des Überlebenden Antonio Pigafetta, April 1521:

»22.–25. April: In der Nähe dieser Insel liegt eine andere, Mactan; auf dieser lag das Dorf Bulaja, das wir verbrannten. Magellan machte dem König von Manta, der die Oberherrschaft des Königs von Zubu nicht anerkennen wollte, Anzeige, dass er seine Niederlassungen in Brand stecken werde, falls er nicht sofort dem König von Zubu huldige, ihm selbst aber einen Tribut sende. (…)

27. April: Uns gegenüber standen mehr als 15.000 Insulaner, in drei Scharen geteilt. Sie warfen sich gleichzeitig mit schrecklichem Geschrei auf uns. Unser Oberbefehlshaber teilte seine Haufen in zwei Abteilungen; so begannen wir den Kampf. Die Musketen- und Armbrustschützen schossen etwa eine halbe Stunde von weitem auf den Feind. (…) Um sie zu zerstreuen und in Furcht zu setzen, befahl Magellan einigen von uns, Feuer in ihre Hütten zu legen. Der Anblick der Flammen aber machte sie noch wilder und blutgieriger. Ihre Zahl und ihr Ungestüm, mit dem sie angriffen, schienen sich zu vermehren. Ein vergifteter Pfeil durchbohrte den rechten Schenkel des Generalkapitäns, der sogleich befahl, uns langsam und in guter Ordnung zurückzuziehen, aber der größte Teil unserer Leute ergriff in voller Übereilung die Flucht. (…) Die Insulaner, die uns auf dem Fuße folgten, richteten ihre Würfe hauptsächlich gegen den Oberbefehlshaber, so dass sie ihm zweimal den Helm vom Kopf rissen. (…) Die Insulaner drangen nun alle auf ihn ein; er erhielt einen so heftigen Säbelhieb in das linke Bein, dass er auf sein Gesicht fiel. Im gleichen Augenblick warfen sich die Feinde mit ihren Lanzen und Säbeln auf ihn. (…)«

Quelle: Erich Rackwitz: »Fremde Pfade, unbekannte Meere«, Urania-Verlag, Leipzig 1959

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