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Aus: Ausgabe vom 24.04.2021, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Platz vergeudet

Zu jW vom 21.4.: »›Drogenpolitik befindet sich in einer Sackgasse‹«

Ach, was muss man gefühlt jedes Quartal in der jungen Welt lesen: ein Interview über die verfehlte Drogenpolitik in unserem Land. Dabei weiß jedes Schulkind und jeder Jugendliche, wenn er im Biologieunterricht halbwegs aufgepasst hat, wie gefährlich der Drogenkonsum für den menschlichen Körper werden kann. Genauso bekannt ist diesen Personen aus dem Schulunterricht die Gefahr des Nikotin- und Alkoholkonsums, wenn der Bogen des Konsums überspannt wird. Solle doch keiner sagen, er habe von nichts gewusst. Naiv mutet in diesem Interview der Fragenkomplex an: Was kann wirksam sein, um den Schwarzmarkt und die kriminellen Strukturen zurückzudrängen sowie Konsumenten zu schützen …? Der Schwarzmarkt und die kriminellen Strukturen haben bereits eine Dimension erreicht, die der Staat kaum noch beherrschen kann, und wo Profit den alleinigen Dreh- und Angelpunkt des gesamten Wirtschaftssystems darstellt, wirken diese Maßnahmen einzig als Flickschusterei am System. Besser wäre, den Platz lieber dazu zu nutzen, mit der Führungsriege von Die Linke Interviews darüber zu führen, warum sie beim gegenwärtigen Abschmieren der CDU/CSU im Lande die einzige Partei ist, die seit Monaten von diesem Prozess nicht profitiert (die AfD hier nicht beachtend). Auf die Erklärungsversuche wären die Leser der jW sicherlich gespannter. (…)

Knut-M. Haase, per E-Mail

Keine faulen Kompromisse

Zu jW vom 10./11.4.: »Die Selbstgerechte«

Als regelmäßiger und sehr interessierter Leser der jW bin ich über Ulla Jelpkes kritische Einschätzung des Buches »Die Selbstgerechten« von Sahra Wagenknecht einigermaßen irritiert. Der Artikel macht leider sichtbar, was sich eine glaubwürdige Linke für eine Verständigung nicht leisten sollte. Beide der namentlich Genannten schätze ich sehr. Ulla Jelpke wegen ihrer klaren und mutigen Haltung im Bundestag und ihrer erhellenden Beiträge in Ihrer Zeitung, Sahra Wagenknecht deshalb, weil sie es immer wieder schafft, linkes Selbstverständnis in der breiten Bevölkerung eindrucksvoll zu vermitteln. Natürlich kann man unterschiedlicher Auffassung sein, welchen Stellenwert Identitätspolitik hat. Darüber, wie die sogenannten »Identitären« der Rechten diesen Begriff missbrauchen, muss man nicht diskutieren. Dass es innerhalb der Linken und mit Sahra Wagenknecht unüberbrückbare unterschiedliche Auffassungen wie über die AfD, über Antifaschismus, Antikapitalismus oder die soziale Frage, über Bewegungen wie »Me too« oder »Black Lives Matter« oder »Fridays for Future« geben soll, wie es Ulla Jelpke darstellt, ist für mich so nicht nachvollziehbar. Allerdings sind identitäre Verengungen auch in der Linken für ein breiteres Verständnis nicht gerade förderlich, wie ich dies als Stadtrat in Nürnberg selbst erlebte. Natürlich darf es, um glaubwürdig zu sein, bei grundsätzlichen Fragen wie unter anderem dem Friedensanliegen keine faulen Kompromisse geben. Ist das »Gegenprogramm für Gemeinsinn und Zusammenhalt« von Sahra Wagenknecht wirklich nur ein linkskonservatives, wie sie es selbst bezeichnet? Dies sollte solidarisch diskutiert werden.

Hans-Joachim Patzelt, Nürnberg

Herzenssache

Zu jW vom 19.4.: »In der Sache ziemlich einig«

Einig darin, dass Emmanuel Macron weg muss, sind sich viele. Nur kocht so mancher sein ganz eigenes Süppchen, was aber wahrlich nicht auf Jean-Luc Mélenchon von La France insoumise zutrifft, der mit den Freunden und Genossen einen progressiven Weg sucht. Der Artikel folgt im wesentlichen der Teilungsstrategie der Leitmedien. (…) Die alte Mär vom »Ego« Mélenchons wird aufgewärmt, obwohl er sich auf Betreiben von mehr als 150.000 Unterstützern 2022 als Präsidentschaftskandidat zur Wahl stellt (…). Klarheit demonstriert er auch mit seiner Haltung als Internationalist, indem er einer Einladung der Gouverneurin der Hauptstadtprovinz Pichincha nach Ecuador folgte. Nach der knappen Wahlniederlage von Andrés Arauz mit 48 Prozent (veranlasst auch durch einen Grünen) haben in diesem dollarregierten Land die repressiven Maßnahmen der Reaktion und die Verhaftungen Linker zugenommen. (…) Zum »Tag der Erde« am 22. April reiste Mélenchon nach Bolivien (…). Solidarität ist ihm eine Herzenssache. Im dortigen Parlament soll er reden, auch für die Lizenzfreigabe von Impfstoffen.

Alexandra Liebig, per E-Mail

Falsche Hoffnungen

Zu jW vom 21.4.: »Die Abdankung«

(…) Im Gegensatz zu den 1980er Jahren grinst uns die transatlantische Front heute ganz breit entgegen. Es reicht vom populären, handlungsfähigen Antlitz eines Markus Söder (CSU) bis zum sympathischen, modernen, lockeren, selbstbewussten und jungen Auftreten Annalena Baer­bocks und Robert Habecks (Grüne). Statt dass Die Linke spätestens auf ihrem letzten Parteitag die Grünen als politischen Hauptfeind im Bundestagswahlkampf 2021 charakterisierte und darstellte, wie mit dieser sympathischen Fassade die engagierte Jugend (»Fridays for Future«) und das ganze Land belogen und betrogen werden, weil dahinter der US-Kriegskurs gegen Russland und China bemäntelt und unterstützt wird und eine solche Politik weder mit langfristigem Klimaschutz vereinbar ist noch mit sozialen und gesellschaftlichen Reformen, wie historisch nur zu genau bekannt ist, weckt man Hoffnungen auf »rot-rot-grüne« Koalitionen. Letztlich erinnert das an die transatlantische Eroberung der Jugend in Westdeutschland in den 1950er Jahren, gerade weil da ja manches so schön war und nicht ohne kulturellen Fortschritt. Es ist wirklich verzwickt, dass die Opposition gegen »links-grün-alternativen Lifestyle« braun-reaktionär-konservativ-nationalistische Kräfte (jetzt mit der AfD) stärkt, aber der Tatsache geschuldet, dass »links-grüne« Illusionen und ideologische Verblendungen sehr weitgehend eine linke Opposition neutralisieren und lähmen.

Bernd Jacoby, Wiesbaden

Warum ist Die Linke die einzige Partei, die seit Monaten nicht vom gegenwärtigen Abschmieren der CDU/CSU profitiert? Auf Erklärungen wären die Leser sicherlich gespannt.

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