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Aus: Ausgabe vom 22.04.2021, Seite 2 / Inland
Neue SDAJ-Bundesvorsitzende

»Die Krise wird auf Werktätige abgewälzt«

SDAJ trotz erschwerter Bedingungen durch Pandemie aktiv. Wahlkampfunterstützung für DKP. Ein Gespräch mit Andrea Hornung
Interview: David Maiwald
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Jugend in Aktion: Demonstration für Bildungsgerechtigkeit auch unter Pandemiebedingungen (München, 26.2.2021)

Sie sind seit knapp zwei Monaten Bundesvorsitzende der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend, kurz SDAJ. Wie ist die derzeitige ­Lage im Verband?

An vielen Orten ist die SDAJ die Kraft, die trotz der Pandemieeinschränkungen Aktivitäten organisiert. Gerade beteiligen wir uns beispielsweise federführend an Protesten des Bündnisses »Gerechte Bildung«, initiieren in allen größeren Städten Antikrisenbündnisse und gehen stark nach außen, obwohl es diese Einschränkungen gerade enorm schwer machen.

Wie hat sich die Arbeit in der Pandemiesituation verändert?

Wir haben gezeigt: Wir sind in der Lage, mit der aktuellen Situation umzugehen und trotz Pandemie politische Arbeit zu leisten. Leider sehen wir unsere Mitschülerinnen und Mitschüler, Kolleginnen und Kollegen kaum noch persönlich. Viele Bündnispartner sind inaktiver geworden. Aber wir registrieren auch ein wachsendes Interesse Jugendlicher an der SDAJ.

Gleichzeitig erfordert eine sich zuspitzende politische Lage erhöhte politische Aktivität. Die Industrieproduktion ist schon vor Corona zurückgegangen, die Krise durch Corona verstärkt worden. Die Bundesregierung handelt im Interesse der Konzerne, schränkt die Wirtschaft nicht ein, privat gibt es aber viele Einschränkungen. Ihr Krisenmanagement: Krise und Pandemie werden auf die Werktätigen abgewälzt. Gerade für Jugendliche wird die Situation immer unerträglicher, das Protestpotential wächst.

Wie möchten Sie Jugendliche erreichen?

Wir mussten unser Festival der Jugend leider dieses Jahr absagen, planen an Pfingsten regional unterschiedlich auf die Straße zu gehen. Wir bieten Wanderungen, lokale Camps und Freizeitangebote für Jugendliche an, um wieder in inhaltliche Diskussionen zu gehen. Wir tragen Protest gegen diese Regierung, gegen ihren Umgang mit Pandemie und Krise über einzelne Schulen und Betriebe hinaus auf die Straße. Das tun wir nicht allein, sondern zusammen mit anderen politischen Jugendorganisationen und Gewerkschaftsjugenden.

Was macht die SDAJ im Wahljahr?

Unsere Losung: »Wähl den Weg des Widerstands!« Um an dieser Gesellschaft etwas zu ändern, müssen wir selbst handeln – es reicht nicht, nur ein Kreuz bei einer anderen Partei zu machen. Wir unterstützen die DKP bei den Bundestagswahlen, da wir eine Opposition brauchen, die sich gegen Abwälzung der Krisenlasten auf die Werktätigen stellt, die gegen Krieg und Hochrüstung – also für Frieden mit China und Russland steht. Wir müssen jetzt gegen den Abbau sozialer und demokratischer Rechte kämpfen. Die Linke knickt an vielen dieser Punkte immer weiter ein.

Wie unterscheidet sich die Position der Linkspartei, beispielsweise zu Bundeswehreinsätzen, von Positionen der DKP?

Die Linke zeigt an vielen Punkten kein klares Nein zur Hetze gegen Russland und China. Große Teile ihrer Parteiführung opfern eine klare antimilitaristische Haltung zugunsten von »Regierungsfähigkeit«. Doch die Aggressionen gehen von NATO und USA, von der EU und damit auch von Deutschland aus. Wir müssen uns gegen diese Hetze stellen.

Bündnis 90/Die Grünen legen bei Wahlen zu, welche Antworten gibt die SDAJ?

Die Grünen treten für CO2-Bepreisung ein, die nicht gegen den Klimawandel hilft. Wer hat den Jugoslawienkrieg durchgesetzt, wer hat die Agenda 2010 durchgesetzt? Das war eine »rot-grüne«-Regierung. SDAJ und DKP stehen für einen konsequenten Antimilitarismus und eine planmäßige Verhinderung der Klimakatastrophe statt Verschlimmbesserungen wie die CO2-Steuer.

In welche Richtung müssen diese Debatten geführt werden?

Beim Klimawandel ist das Hauptproblem der CO2-Ausstoß großer Monopole, individuelle Konsumentscheidungen werden auf den Klimawandel daher geringen Einfluss haben. Die Werktätigen sollen den Schaden zahlen, den Großunternehmen anrichten. Wir erleben derzeit eine Verschärfung des Versammlungsgesetzes sowie Angriffe des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall. Diese Angriffe werden sich nach der Bundestagswahl noch weiter zuspitzen. Wir zeigen auf: Die Probleme haben mit dem kapitalistischen System zu tun. Wir müssen selbst aktiv werden und gemeinsam für eine Alternative – für den Sozialismus – kämpfen.

Andrea Hornung ist Physikerin und neue Bundesvorsitzende der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ)

Wer hat Angst vor wem?

Diejenigen, die sich nicht scheuen, gegen Faschismus, Rassismus, Krieg und Ausbeutung einzutreten? Die dafür mit Verfolgung und Repression rechnen müssen? Oder diejenigen, die Verfassung und die herrschenden Verhältnisse »schützen«?

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