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Aus: Ausgabe vom 21.04.2021, Seite 16 / Sport

Unterwegs mit Xuxa

Von André Dahlmeyer
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Für Menschenversuche, gegen Tierversuche: Die brasilianische Entertainerin Xuxa (2015)

Einen wunderschönen guten Morgen! Erinnern Sie sich noch an Maria da Graça Meneghel, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen »Xuxa«? In Lateinamerika kennt die Nachfahrin italienischer Einwanderer in den reichen Süden Brasiliens jeder. Ihre TV-Shows in Brasilien, Argentinien, Spanien und den USA sowie ihre über dreißig Millionen verkauften Schallplatten und ihre über zwanzig »Spielfilme« sind vor allem für Kinder gemacht. 2013, Xuxa feierte gerade ihren Fünfzigsten, gaben brasilianische Medien ihr bis dahin angehäuftes Vermögen mit einer halben Milliarde US-Dollar (415 Millionen Euro) an. In Deutschland (oder Mallorca) mag bei manchem ihr größter Hit »Ilariê« (das Original des Kinderlieds erschien erstmals 1988) irreparable Hörschäden hinterlassen haben, zudem diesen 2005 mit Las Chicas, Hot Banditoz sowie Buttons gleich drei Formationen neu interpretierten und so das Schmuckstück aus der Asservatenkammer des Vorhofs der Hölle zum Sommerhit machten.

Alleine 1980, das Jahr in dem Xuxa 17 wurde, war das Model Covergirl von über 80 brasilianischen Illustrierten. 1981 ging die knapp 18jährige eine sechs Jahre währende Liaison mit Edson Arantes do Nascimento, besser bekannt unter seinem Künstlernamen ­Pelé, ein (dem ewigen Widersacher Uwe Seelers darin, wer der beste Kopfballspezialist der Welt sei). Endgültig zum Medienphänomen wurde Xuxa Ende 1982. Im Dezember war sie Titelbild des brasilianischen Playboy. Bereits im November desselben Jahres war der von Walter Hugo Khouri dirigierte Softporno »Amor estranho amor« (Liebe, seltsame Liebe) uraufgeführt worden, in dem es Sex­szenen zwischen Xuxa, der späteren »Königin aller Kinder« Brasiliens, und einem 12jährigen gibt, der auch an inzestuösen Handlungen (mit der Filmmutter) beteiligt ist. Drei Dekaden lang blechte Xuxa jährlich ein Vermögen, damit der Film nicht gezeigt werden darf. Herausgeschmissenes Geld, denn die damals noch vor dem Gerichtsbeschluss in Umlauf geratenen 4.000 Kopien haben sich Jahr für Jahr vermehrt, und in den USA ist der Film ohnehin legal. 2017 hat Xuxa auch endgültig einen Prozess gegen Google verloren, mit dem sie erreichen wollte, das Verlinkungen der Begriffe »Xuxa« und »Pädophilie« entfernt würden.

Seitdem versucht die wasserstoffblonde Dame vor allem ihr eigenes Volk zurechtzuweisen. Ende März publizierte die Unterhaltungsikone auf Instagram ein fiktives Video mit dem Titel »Ich habe meine Mutter getötet«. Pandemieerziehung kommt gerade ganz schlecht an bei den Zuckerhütlern, ihre über elf Millionen Follower machten keine Ausnahme. Eine reiche Mutti sei sie, die nicht raus und arbeiten müsse, um sich Brot kaufen zu können, hieß es.

Doch Volkserziehung ist nun mal ihr Ding. Jetzt tritt sie auch noch für Menschenversuche in den brasilianischen Knästen ein. »Es gibt viele Menschen, die viel Schlechtes getan haben und die ihre Fehler lebenslang mit Knast bezahlen. Sie könnten bei Arznei- und Impfstoffexperimenten helfen. So wären sie wenigstens zu irgend etwas nützlich. Wenn Personen 60 oder 50 Jahre im Knast leben, sterben sie dort ja sowieso«, gab die »Kinderkönigin« während eines Onlinegesprächs mit der Gesetzgebenden Versammlung des Bundesstaats Río de Janeiro kund. Ob das ihrer Meinung nach auch für Edinho gilt, Pelés Sohn, der 2017 seine von 33 auf 12 Jahre und zehn Monate reduzierte Haftstrafe (Geldwäsche und Drogenhandel) antrat und seit September 2019 Freigänger ist, ist unbekannt. Kritik von Menschenrechtlern wies sie barsch zurück und darauf hin, dass sie gegen Tierversuche sei.

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