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Aus: Ausgabe vom 20.04.2021, Seite 16 / Sport
Kampfsport

»Die Rechten haben nie mit dem Training aufgehört«

Über die Herausforderungen für linken Kampfsport in den USA. Ein Gespräch mit dem Podcaster Sam Yang
Von Gabriel Kuhn
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In fast jedem Trainingsraum dabei: Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Heteronormativität

Wann hast du deinen Podcast »Southpaw« gegründet und warum?

Ich bin immer versucht zu sagen 2020. Das stimmt aber nicht. Es war im Oktober 2018. Aber richtig populär wurde der Podcast nach den George-Floyd-Protesten vergangenes Jahr. Ich startete das Projekt, weil ich eine Alternative zu den rechten Strömungen im Kampfsport anbieten wollte. Ich glaube, dass Linke heute mehr Wissen darüber haben, was sich in dem Milieu abspielt.

Wie hat sich das Projekt entwickelt?

Veränderung ist wichtig, genau wie im Kampfsport. Sobald ich eine bestimmte Idee des Projekts im Kopf habe, ist es selbst schon wieder woanders. Das Ziel ist, progressive Werte im Kampfsport zur Normalität zu machen. Es geht nicht nur darum, die Rechten im Kampfsport zu bekämpfen, sondern zudem eine toxische Männlichkeit, die wir auch in linken Gruppen sehen können.

Was hast du für Reaktionen bekommen?

Vorwiegend positive. Aber der Podcast wird hauptsächlich von Linken gehört. Die Konflikte, die auftauchen, haben weniger mit meiner Perspektive auf den Kampfsport zu tun als mit meiner Perspektive als Person of Color. Ich glaube, jede Person of Color, die in sozialen Medien aktiv ist oder einen Podcast betreibt, stößt auf Probleme im eigenen politischen Milieu. Das ist Teil unseres Alltags, vor allem hier in den USA.

Wie stark ist der Einfluss der organisierten Rechten auf den Kampfsport in den USA?

Es gibt natürlich organisierte rechte Gruppen, die Kampfsport betreiben. Aber das größere Problem ist, dass Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Heteronormativität die gesamte Fitnesskultur prägen. Du begegnest diesen Haltungen in jedem Studio. Aussagen von erfolgreichen und angesehenen Kämpfern richten manchmal mehr Schaden an als das, was irgendwelche Neonazis von sich geben. Solange sich der Umgangston nicht ändert, bedarf es keiner formellen Organisationen, um den Kulturkampf von rechts zu gewinnen. Schau dir Brasilianisches Jiu-Jitsu an: Kaum jemand dort trägt eine Maske. Während der Lockdowns wurde einfach weitertrainiert. Covidleugner sind dort keine Randgruppe, sondern die Norm.

Gibt es organisierte linke Gruppen, die sich dem entgegenstellen?

Nicht viele. Möglicherweise eine Handvoll im ganzen Land. Die Schwierigkeiten beginnen mit der Finanzierung. Es gibt sehr wenige öffentlich zugängliche Räume in den USA. Einen Trainingsraum zu finden und Ausrüstung anzuschaffen, das ist eine große Hürde. Das zweite Problem ist die autoritäre Pädagogik, die Brasilianisches Jiu-Jitsu hier in der gesamten Kampfsportszene zum Standard gemacht hat. Das beeinflusst sogar linke Kampfsportler. Manche trainieren seit vielen Jahren und tragen T-Shirts mit Aufschriften wie »No Gods, No Masters«, aber sie wagen es nicht, eigene Gruppen zu starten oder Anfänger zu unterrichten, weil sie nicht den entsprechenden Rang haben oder nie als Profis kämpften. Man unterwirft sich Hierarchien und meint, seine »Härte« beweisen zu müssen, bevor man auch nur erwägen kann, anderen einige grundlegende Prinzipien der Selbstverteidigung beizubringen. Ich denke, Brasilianisches Jiu-Jitsu hatte hier einen sehr negativen Einfluss. Es ist wahrscheinlich kein Wunder, dass Paulo Freire seine »Pädagogik der Unterdrückten« in Brasilien entwickelte.

Hast du in den letzten Jahren Veränderungen feststellen können?

Es gibt heute ein größeres Interesse am Aufbau alternativer Kampfsportstudios und Trainingsgruppen. Ich habe genug Anfragen bekommen, um ein kleines Handbuch zusammenzustellen, das dabei helfen kann. Das Resultat werden wir jedoch erst nach Ende der Pandemie sehen. Für die Rechten spielt diese keine Rolle. Sie haben nie mit dem Training aufgehört und kümmern sich nicht um Ansteckungen. Aber wenn wir von einem progressiven Kampfsport sprechen, geht es ausschließlich darum, Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung zu unterstützen. Manchmal kann das bedeuten, warten zu müssen. So wie jetzt.

Sam Yang ist Kampfsportler und Autor. Er lebt in den USA und betreibt den linken Kampfsport-Podcast »Southpaw«.

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