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Aus: Ausgabe vom 17.04.2021, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Spargelminestrone

Von Maxi Wunder

Kalter, sonniger Nachmittag. Wir sitzen auf Klappstühlen im spärlich begrünten Hof unserer Mietskaserne. »Söder gegen Laschet – so ein Quatsch. Ich glaub’, die Baerbock wird’s.« Udo sinniert über seiner Zeitung, ihn beschäftigt die K-Frage. »In Annalena Baerbocks Vita steht, sie hätte in ihrer Jugend dreimal Bronze im Trampolinspringen gewonnen.« – »Ich hatte mal ’ne Schulfreundin, die Trampolinmeisterin war«, erinnert sich Roswitha. »Sandra. Sie ist heute Direktorin in der Europäischen Kommission, Abteilung Binnenmarkt. Ich glaub’, für 260.000 Euro Jahresgehalt.«

Das sind ja ganz neue Einsichten. »Meint ihr, Trampolinspringen hilft auch im fortgeschrittenen Alter? Wir könnten doch noch eine Politkarriere anstreben. Als erstes bräuchten wir ein Trampolin. Wo gibt es das?« will ich wissen. – »Maxi, wenn du auf dem Ding rumspringst, landest du bestenfalls in Nachbars Kirschlorbeer und nicht in Brüssel. Du vergisst die Klassenfrage!« – »Die EU-Direktorin war doch in Roswithas Klasse!« protestiere ich auf dem Niveau, das Udo mir zutraut.

»Ihr dürft Ursache und Wirkung nicht verwechseln«, schaltet sich Roswitha ein. »Man macht nicht Karriere, weil man Trampolin springt, sondern man entscheidet sich für die Sportart, weil sie zum Charakter passt: Hoch hinaus wollen und dafür auf jemandem rumtrampeln.«

Das finde ich ungerecht. Vielleicht hat die Baerbock die Parteispitze ja verdient, weil sie so intelligent ist. »Die Macht der Märkte muss man so einsetzen, dass sie sozial gerecht sind«, erklärte sie 2019 in einem Interview. Na bitte! Und Hepatitis muss man so bekommen, dass es die Leber entgiftet. Aber was soll das Lästern. Hier meine Suppe der Saison, alles bio, den Grünen sei Dank:

Spargelminestrone:

500 g Spargel schälen, Enden abschneiden. Stangen in 3 cm lange Stücke schneiden. 250 g Möhren putzen, schälen, Stangen in 0,5 cm dicke Räder schneiden. 150 g Zucchini putzen, längs vierteln und in 1 cm dicke Stücke schneiden. ½ Bund Frühlingszwiebeln putzen und schräg in 1 cm dicke Stücke schneiden. Drei Knoblauchzehen fein würfeln. Öl in einem großen Topf erhitzen, Frühlingszwiebeln und Knoblauch darin bei mittlerer Hitze unter Rühren zwei Minuten andünsten. Möhren zugeben und weitere zwei Minuten mitdünsten. 1,25 l Gemüsebrühe zugeben, zugedeckt aufkochen und fünf Minuten kochen lassen. Zucchini, Spargel und 100 g Nudeln zugeben, aufkochen und nach Packungsanweisung der Nudeln zu Ende garen. Inzwischen ein halbes Bund Kerbel waschen und trocken schleudern. Blättchen mit den zarten Stielen in eine Rührschüssel zupfen. Ein TL Zitronenschale und etwas Olivenöl zugeben und fein pürieren. Suppe mit Salz und Pfeffer abschmecken und mit dem Kerbel-Zitronen-Öl anrichten.

»Fehlt Tomate.« Rossi schmeckt’s nicht. »Büchsentomaten waren ausverkauft«, verteidige ich mich. »Na bitte!« Udo salzt nach. »Die Ökos preppen auch schon! Als Vorsorge für die kommenden ›humanitären Kriege‹ unserer Young global leaders. Mit lautlosen Elektropanzern und atomaren Sprengköpfen aus fair gehandeltem Uran gegen Russland, nach dem Motto: ›achtsam morden‹.«

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