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Aus: Ausgabe vom 17.04.2021, Seite 11 / Feuilleton
Ballett

Verklärte Nächte, schwarzer Kuchen

Bayerisches Staatsballett: Die erste Digitale Festwoche bietet kostenfreie Streams
Von Gisela Sonnenburg
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Tangoballett »Black Cake«: Anna Villadolid und Patrick Teschner

Wer hätte gedacht, dass man der Pandemie für etwas dankbar sein wird? Am Sonnabend beginnt die Digitale Ballettfestwoche des Bayerischen Staatsballetts mit täglich neuen, kostenfreien Streams. Auch andere Compagnien verwöhnen uns: Das Wochenende strotzt nur so vor Onlinepremieren. Das Bayerische Staatsballett beginnt mit der Uraufführung von »Der Schneesturm« des jungen Choreografen Andrey Kaydanovskiy nach Alexander Puschkin. Puschkins Erzählung erschien 1831 in Russland. Aber am 17. April wird ab 19.30 Uhr auf www.staatsoper.tv erstmals das neue Tanzstück aus München mit der ebenfalls nagelneuen Musik von Lorenz Dangel zu erleben sein.

Am selben Abend – ebenfalls ab 19.30 Uhr – wird ein vielversprechender Tanzfilm des Balletts Dortmund (www.theaterdo.de) online uraufgeführt: »Verklärte Nacht« von Starballerino Marijn Rademaker zur Musik von Arnold Schönberg. Geht es im »Schneesturm« um eine verloren geglaubte Liebe, handelt die »Verklärte Nacht« von einer belastbaren Beziehung, die das Kind eines Dritten umfasst. Tip: Das Dortmunder Stück steht 24 Stunden online.

Am Sonntag zeigt das Stuttgarter Ballett ab 18 Uhr (www.stuttgarter-ballett.de) kleinere Onlineuraufführungen. Etwas später gibt es bei den Bayern wie stets um 19.30 Uhr das zeitgenössische »Paradigma«. Auch am Montag geben sie sich modern, mit dem »Portrait Wayne McGregor«. Der Brite ist bekannt für schnittige, akrobatische Stücke.

Ein Highlight der Neoklassik wird am Dienstag mit »Jewels« von George Balanchine erreicht: Stargast Ashley Bouder tanzt mit dem sprungmächtigen Osiel Gouneo, und Alina Somowa, eine der besten russischen Ballerinen, reüssiert mit Vladimir Shklyarov, ebenfalls ein Weltstar. Weil Robert Reimer dirigiert, dürften die Klänge von Fauré, Strawinsky und Tschaikowski ein wahrer Ohrenschmaus sein.

Am Mittwoch stellt sich das Bayerische Juniorballett vor, mit der »Unsterblichen Geliebten« von Jörg Mannes, also Beethovens großer Liebe. Donnerstag beglückt der traditionelle »Schwanensee« in der Version von Ray Barra, mit Ksenia Ryzhkova in der Megadoppelrolle der Odette/Odile. Freitag wirbelt noch mal der »Schneesturm« über den Monitor.

Dann endlich tanzt das schönste klassische Ballett seit langem auf uns zu: »Le Corsaire« (»Der Korsar«) in der Version von Ivan Liska und Doug Fullington. Wer dieses Vergnügen am Sonnabend, 24. April, verpasst, ist zu bedauern. Denn die expressive Daria Sukhorukova, die zarte Mai Kono, der hinreißend männliche Tigran Mikayelyan, der bezaubernde Maxim Chashchegorov und der stürmische Matej Urban tanzen die Geschichte über die Befreiung einer Sklavin. Die Aufzeichnung stammt aus einer früheren Ära: Den Stars wurde vom aktuellen Münchner Ballettdirektor Igor Selenski gekündigt. Fast ist es ein Zeichen der Versöhnung, dass ihre Superleistungen jetzt gezeigt werden.

Zum Abgesang gibt es am Sonntag, 25. April, die Doku »30 Jahre Bayerisches Staatsballett« sowie ein hintergründiges Tangoballett von Hans van Manen namens »Black Cake« (»Schwarzer Kuchen«). Guten Appetit!

Wer hat Angst vor wem?

Diejenigen, die sich nicht scheuen, gegen Faschismus, Rassismus, Krieg und Ausbeutung einzutreten? Die dafür mit Verfolgung und Repression rechnen müssen? Oder diejenigen, die Verfassung und die herrschenden Verhältnisse »schützen«?

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