1.000 Abos für die Pressefreiheit!
Gegründet 1947 Freitag, 18. Juni 2021, Nr. 139
Die junge Welt wird von 2552 GenossInnen herausgegeben
1.000 Abos für die Pressefreiheit! 1.000 Abos für die Pressefreiheit!
1.000 Abos für die Pressefreiheit!
Aus: Ausgabe vom 13.04.2021, Seite 11 / Feuilleton
Corona

Also, ihr Beutelratten

Ein Vorschlag zur Rettung der Nation vor dem Urnengang
Von Pierre Deason-Tomory
possum-1802326_1920.jpg
Frau Beutelratte hat die Lage erkannt: Erst mal ein Bier aufmachen

In der Planlosenrepublik Deutschland unterstürzten sich die Ereignisse. Die Infektionszahlen stiegen schneller, als man Astra-Zeneca zulassen und wieder verbieten konnte. Wissenschaft und meinungsbefragte Bundesbürger forderten einen sofortigen, harten Lockdown. CDU-Chef Armin Laschet preschte vor und kündigte an, an den Osterfeiertagen sofort darüber nachzudenken.

Am Freitag wird der Heiland ans Holz gehängt – Laschet denkt nach und verrenkt sich dabei das Kreuz. Am Samstag steigt der Heiland in das Reich des Todes hinab und Laschet nachdenklich in den Weinkeller. Am Sonntag steht der Heiland von den Toten auf und erscheint seinen Jüngern. Laschet steht vom Kellerboden auf und erscheint verkatert in der Küche. Am Montag hat der Heiland frei und Laschet weiß nicht, was er machen soll. Er rauft sich die Haare, bohrt in der Nase, schlägt sich auf die Stirn – da fällt ihm eine Brücke aus dem Mund. »Das isses!« Ruft er und erklärt am Dienstag, was zu tun ist: Einen lockeren Brückenlockdown beschließen, so einen wie bisher.

Die Reaktionen: Desinteresse bis helle Empörung, vor allem über den einzigen vernünftigen Vorschlag des Halbjahresparteichefs. Das Zwergengipfeltreffen mit der Kanzlerin soll nicht erst am 12. April stattfinden, sondern sofort. Es folgen sofort tagelange Debatten, Ergebnis: Die Ministerpräsidentenkonferenz wird nicht vorgezogen, sondern abgesagt. Statt dessen sollen Kabinett, Länder, Bundestag, Bundesrat, Lanz, Will und Maischberger ein neues Seuchengesetz entwerfen, diskutieren, abstimmen und beschließen.

»Dit jeht nich sso weita,« sagt der ältere, aber leicht besoffene Herr. »Wir brauchen eine Zoffjettrepublik mit ein unumschränkten Offsier an die Spitze!« Joseph von Westfalen widerspricht: »Wir brauchen eine Monarchie mit einem nicht beschränkten Arschloch auf dem Thron.« Jemanden wie Seine Königliche Hoheit Prinz Philip, Duke of Edinburgh? Aber der steht gerade nicht zur Verfügung.

Mein Vorschlag: Man könnte das Interregnum ausnutzen, putschen und einen Volkskaiser ausrufen. Als Legitimation sollte ein einstelliges Votum der Weimarer Sektion der »Glücklichen Arbeitslosen« reichen. Der trommelt dann die Abgeordneten im Reichstag zusammen, fährt das Rednerpult herunter, setzt sich drauf und öffnet eine Flasche Bier.

»Also, ihr Beutelratten. Ich gebe euch jetzt unsere weisen Ratschlüsse bekannt. Wir machen den ganzen Laden dicht, vier Wochen lang, und zwar alles. Wer arbeiten geht, wird erschossen.«

»Das dürft Ihr nicht, Hoheit!«

»Nicht? Gut. Wer arbeiten geht, muss einen Aufsatz über Sahra Wagenknechts neues Buch schreiben. Und jetzt rein mit den Pressefritzen, aber subito, ich muss heute auch noch Österreich und Bolivien-Herzegowina retten.«

»Wird es einen Lockdown geben, Hoheit?«

»Ja. Vier Wochen. Alles dicht. Der nächste!«

»Gilt das auch für Friseure, Hoheit?«

»Was? Wer sind Sie denn?«

»Markwort. Vom Focus

»Bild-Zeitung auch da?«

»Ja! Hier!«

»Super. Beide verhaften!«

Der Kaiser erlässt noch, bevor er sich auf Händen aus dem Plenarsaal tragen lässt, eine Reihe von Dekreten: über die Sozialisation der Produktionsmittel und Zigarettenautomaten, die Erhöhung des Mindestlohns und der kaiserlichen Apanage, die Abschaffung von Verfassungsschutz und ZDF und das Verbot von Autos mit Verbrennungsmotoren und Laubbläsern.

Ich würde mir den Job übrigens zutrauen, aber daraus wird vermutlich wieder nichts. Ich bleibe ein Narr ohne Hof. Und Berlin ein Hof voller Narren.

1.000 Abos jetzt

Die Bundesregierung sagt: der Tageszeitung junge Welt sei mit geheimdienstlichen Mitteln der »Nährboden zu entziehen«. Wirtschaftlich und wettbewerbsrechtlich negative Folgen durch die Nennung der Zeitung im Verfassungsschutzbericht seien sogar beabsichtigt.

Unsere Antwort darauf kann nur sein, dass sie mit diesem grundgesetzwidrigen Eingriff in die Presse- und Meinungsfreiheit genau das Gegenteil erreichen! Deshalb fordern wir alle Freunde, Leserinnen und Leser, Unterstützer, Autoren und Genossenschaftsmitglieder auf: Tun wir alles, um den »Nährboden« der jungen Welt zu stärken – jetzt erst recht!

Mehr aus: Feuilleton