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Aus: Ausgabe vom 13.04.2021, Seite 5 / Inland
Arbeitskampf

Nur Geld für Banker

Deutsche Bank: Angebot der Konzernspitze unzureichend –Callcenterbelegschaft setzt unbefristeten Streik fort. Lohnplus für Vorstand
Von Bernd Müller
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Auch für die Postbank hat DB Direkt riesige Streichprogramme in der Schublade

Seit Ende Januar sind sie im unbefristeten Streik: Die Callcenterbeschäftigten der Deutschen Bank Direkt (DB Direkt). In den vergangenen Wochen hatten sie unter anderem mit einem Autokorso durch Berlin protestiert – am Montag trugen sie ihren Protest wieder vor die Bankfilialen. An zehn Standorten sprachen sie mit Passanten und Kunden der Bank, verteilten Flugblätter oder informierten als »lebende Litfaßsäulen«. Das erklärte Marcus Borck, Landesbezirksfachbereichsleiter der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, am Montag gegenüber jW. Das Anliegen der Streikenden stieß dabei auf reges Interesse.

Verdi fordert für die Beschäftigten rückwirkend zum 1. April 2020 unter anderem sechs Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 150 Euro, außerdem ein 13. Monatsgehalt. Bei der Einkommenserhöhung wollen die Beschäftigten das Recht erhalten, zu wählen, ob das Lohnplus in Geldform oder in Form von mehr Freizeit gewährt wird. Auch nach vier erfolglosen Verhandlungsrunden, legte die Bank nur ein Angebot vor, dass die Streikenden nicht zufriedenstellt. Die Bank möchte lediglich 1,5 Prozent mehr Lohn ab dem 1. November 2020 zahlen, und zum 1. Januar 2022 soll es weitere 1,5 Prozent mehr Entgelt geben. Als Einmalzahlung sind 200 Euro vorgesehen.

Ein 13. Monatsgehalt will der Konzern stufenweise einführen: Bis 2025 soll es jeweils 100 Euro jährlich geben. Danach sollen die Beschäftigten selbst dafür aufkommen. In der Erklärung der Gewerkschaft vom Sonntag heißt es: »Ein weiterer Aufbau danach soll durch Beiträge der Beschäftigten kompensiert werden.« Borck erklärte gegenüber jW, das Unternehmen wolle das 13. Monatsgehalt für sich kostenneutral halten. Deshalb sollen die Beschäftigten auf der einen Seite Verzicht üben, um auf der anderen das zusätzliche Monatsgehalt zu erhalten.

Mitte März hatte die Deutsche Bank ihren Geschäftsbericht für das Jahr 2020 vorgestellt – bei den Callcenterbeschäftigten löste der einige Verwunderung aus: Die Erträge des Konzerns stiegen um vier Prozent auf 24 Milliarden Euro, und der Vorsteuergewinn belief sich auf eine Milliarde Euro. Das Ergebnis sei »auf das starke operative Geschäft der Kernbank zurückzuführen«, heißt es in dem Bericht.

Für die Gewerkschafter komme in dem Text »das krasse Missverhältnis« zum Ausdruck, »das bei der Bezahlung verschiedener Beschäftigtengruppen besteht«. So sei die variable Vergütung für die Beschäftigten in der Investmentbank im vergangenen Jahr um 37 Prozent gestiegen. Für die Deutsche Bank arbeiteten 2020 684 Personen, die ein Jahreseinkommen von einer Million Euro oder mehr hätten. Ihre Zahl sei im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent gestiegen. Auch die Bezüge von Vorstandschef Christian Sewing seien um 47 Prozent gewachsen.

Dass vor diesem Hintergrund kein Geld für die schlecht bezahlten Beschäftigten der DB Direkt da sein soll, ist für Roman Eberle, Verhandlungsführer von Verdi, unverständlich. Ähnlich wird es auch in anderen Teilen des Konzerns gesehen. Der Arbeitskampf führe vor Augen, »dass es für hohe Einkommen keine Grenzen gibt und bei den kleinen Tarifgruppen gespart werden soll«, erklärte am Donnerstag Eric Stadler, Vorsitzender des Betriebsrats der Postbank.

Damit aber nicht genug: Das Geldhaus zeigt sich nicht nur bei den Löhnen knauserig – es streicht auch Stellen zusammen. So zum Beispiel bei den Mitarbeitern am Schalter: Jede fünfte Filiale der Deutschen Bank als auch 50 von 800 Filialen der Konzerntochter Postbank sollen geschlossen werden, wodurch 1.190 Vollzeitstellen vernichtet werden. Das bestätigte die Bank am Montag gegenüber dpa.

Ein Vertrag mit der Post verhindert zumindest bei der Postbank Schlimmeres: Dieser sieht vor, dass höchstens 50 Filialen im Jahr dichtgemacht werden dürfen. Aber weitere Stellenstreichungen werden dennoch nicht verhindert werden können, denn die Deutsche Bank hat hier »Großes« vor: Konzernweit sollen bis 2022 18.000 Stellen gestrichen werden – immerhin jede fünfte.

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