1000 Abos für die Pressefreiheit!
Gegründet 1947 Mittwoch, 12. Mai 2021, Nr. 109
Die junge Welt wird von 2512 GenossInnen herausgegeben
1000 Abos für die Pressefreiheit! 1000 Abos für die Pressefreiheit!
1000 Abos für die Pressefreiheit!

Ende der Todesstrafe in Virginia

Von Mumia Abu-Jamal
Mumia_Logo.png

Virginia war lange Zeit das Zentrum des US-amerikanischen Todesstrafensystems. In dem Bundesstaat, aus dem die meisten Präsidenten hervorgegangen sind, wurden staatliche Hinrichtungen über 400 Jahre lang praktiziert. Am 24. März 2021 unterzeichnete Gouverneur Ralph S. Northam von der Demokratischen Partei ein Gesetz zu ihrer Abschaffung in seinem Bundesstaat. Es tritt offiziell am 1. Juli 2021 in Kraft. Virginia ist damit der 23. der 50 US-Bundesstaaten, jedoch der erste der elf früheren Konföderierten Staaten von Amerika, der diese Praxis beendet. Die Konföderation der Sklavenhalterstaaten im Süden der USA entstand 1861 durch Abspaltung von der Union der Vereinigten Staaten. Nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs im Jahr 1865 wurden die Staaten der Konföderation wieder eingegliedert.

Die erste Hinrichtung in den später gegründeten Vereinigten Staaten von Amerika wurde 1608 in Jamestown vollstreckt. Seitdem hat Virginia mehr als 1.300 Menschen hingerichtet, mehr als alle anderen US-Bundesstaaten. Vor 1909 war das Erhängen die vorherrschende Methode. Im Jahr 1737 wurde eine Sklavin verbrannt. Von 1910 bis 1994 wurde ausschließlich der elektrische Stuhl verwendet. Später war es die Giftspritze.

Seit der Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA im Jahr 1976 – sie war 1967 durch ein Moratorium zeitweise ausgesetzt worden – fanden in Virginia 113 Hinrichtungen statt, im nationalen Vergleich ist das die zweithöchste Zahl nach Texas. Die letzte Hinrichtung in Virginia wurde im Juli 2017 mit der Spritze vollstreckt.

Laut einem Bericht der New York Times vom 25. März wurden im 20. Jahrhundert in Virginia 377 Gefangene hingerichtet. Von ihnen waren 79 Prozent Schwarze. Diese ins Auge springende Tatsache könnte einer der Gründe für das formale Ende der Todesstrafe in Virginia sein. Gegenüber Reportern der New York Times sagte der Gouverneur, die fundamentale Frage im Zusammenhang mit der Beendigung der Todesstrafe laute: Ist sie fair?

Ihre Abschaffung selbst scheint diese Frage zu beantworten – aber es ist auch möglich, dass Bundesstaaten wie Virginia angesichts der wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie vor sehr ernsthaften fiskalischen Problemen stehen. Denn mit der Schließung von Geschäften und Betrieben gingen die Steuereinnahmen erheblich zurück. Virginia zeigt uns, dass sogar die Todesstrafe sterben kann.

Übersetzung: Jürgen Heiser

Wie das Jamal Journal mitteilte, ist die wegen seiner Covid-19-Erkrankung verhängte 14tägige Quarantäne des politischen Gefangenen Mumia Abu-Jamal beendet. Er sei dabei, die Infektion langsam zu überwinden. Sein allgemeiner Zustand ist aufgrund der in fast 40jähriger Haft und medizinischer Nichtversorgung erlittenen und zum Teil irreparablen Schädigungen seiner Gesundheit jedoch weiter ernst. Aus diesem Grund verabschiedete der Vorstand des nichtkommerziellen US-Hörfunknetzwerks Pacifica am 1. April 2021 im kalifornischen Berkeley eine Resolution, in der hervorgehoben wird, es gehöre »seit der Gründung des Netzwerks zu den Prinzipien von Pacifica, für Gerechtigkeit und Menschenrechte einzutreten«. Deshalb verpflichteten sich die fünf angeschlossenen Radiosender, kontinuierlich »über den Fall von Mumia Abu-Jamal und die Notwendigkeit seiner sofortigen Freilassung« zu berichten und »die Hörerinnen und Hörer mit Informationen zu versorgen, wie sie sein Leben retten können«.

Am 24. April 2021, dem 67. Geburtstag von Abu-Jamal, wird die Solidaritätsbewegung für Mumia in Philadelphia und weiteren US-Städten sowie in Ländern auf verschiedenen Kontinenten auf die Straße gehen und seine sofortige Freilassung aus dem Gefängnis fordern, um ihm den Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung zu ermöglichen. (jh)

1000 Abos jetzt

Die Bundesregierung sagt: der Tageszeitung junge Welt sei mit geheimdienstlichen Mitteln der »Nährboden zu entziehen«. Wirtschaftlich und wettbewerbsrechtlich negative Folgen durch die Nennung der Zeitung im Verfassungsschutzbericht seien sogar beabsichtigt.

Unsere Antwort darauf kann nur sein, dass sie mit diesem grundgesetzwidrigen Eingriff in die Presse- und Meinungsfreiheit genau das Gegenteil erreichen! Deshalb fordern wir alle Freunde, Leserinnen und Leser, Unterstützer, Autoren und Genossenschaftsmitglieder auf: Tun wir alles, um den »Nährboden« der jungen Welt zu stärken – jetzt erst recht!

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

Ähnliche:

Regio:

Mehr aus: Ausland