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Aus: Ausgabe vom 08.04.2021, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Weltwirtschaft

Nutznießer auf Kurs

IWF mit guten Wirtschaftsprognosen für Westen. Keine Erleichterungen für globalen Süden
Von Steffen Stierle
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Die Länder des globalen Südens sind sich selbst überlassen: Mund-Nasen-Schutz-Verkäufer in Harare (24.6.2020)

Die Ökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zeigen sich bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung in den westlichen Industriestaaten zuversichtlich. Insbesondere den USA sagt die in Washington ansässige Institution mit einer Wachstumsrate von 6,4 Prozent im laufenden Jahr eine rasante Erholung voraus, wie der am Dienstag veröffentlichten Frühjahrsprognose zu entnehmen ist. Im Januar hatte der IWF noch einen Zuwachs der US-Ökonomie um fünf Prozent prognostiziert. Die deutliche Anhebung des Ausblicks wird mit den Konjunkturpaketen sowie Fortschritten bei der Impfkampagne erklärt.

Dem im Rahmen der weitestgehend digital stattfindenden Frühjahrstagung von IWF und Weltbank vorgelegten Report zufolge wird die Erholung der US-Wirtschaft auch in anderen Regionen positive Effekte auslösen. Länderübergreifend wird ein Zuwachs um sechs Prozent erwartet: 0,5 Prozentpunkte mehr als noch im Januar vorhergesagt. Die Euro-Zone darf immerhin mit einem Plus von 4,4 Prozent rechnen.

Vor allem aber machen die IWF-Zahlen deutlich, dass von einer höchst ungleichen Entwicklung auszugehen ist. Im globalen Süden sind die Perspektiven längst nicht so rosig: Die Prognose für diese Länder wurde gegenüber den Zahlen vom Januar sogar um 0,8 Prozentpunkte abgesenkt – auf nunmehr 4,3 Prozent Wachstum im laufenden Jahr. Im südlichen Afrika, der ärmsten Region der Welt, beträgt der erwartete Zuwachs nur 3,4 Prozent.

Dass der Weg aus der Krise im Süden schwerer ist, überrascht nicht. Schließlich haben sich die Staaten des wohlhabenden Nordens längst das Gros der verfügbaren Impfstoffe unter den Nagel gerissen. Der IWF erwartet daher, dass in den führenden Volkswirtschaften bereits im Juni dieses Jahres die Mehrheit der Bevölkerung geimpft sein wird. Im globalen Süden hingegen dürfte dies frühestens im Laufe des kommenden Jahres der Fall sein. Auch die Möglichkeit, die Wirtschaft mit üppigen Konjunkturpaketen anzukurbeln, bleibt dem Süden angesichts der erdrückenden Schuldenlast weitgehend verwehrt.

Den »Entwicklungs- und Schwellenländern« – mit Ausnahme der Volksrepublik China, die die Pandemie frühzeitig erfolgreich bekämpft hat und in diesem Jahr einen Wirtschaftszuwachs von 8,4 Prozent erwartet – wird daher ein Rückgang der Pro-Kopf-Einkommen gegenüber der Zeit vor der Pandemie um rund 20 Prozent vorhergesagt. Die Pandemie habe »Erfolge bei der Reduzierung der Armut rückgängig gemacht«, so IWF-Chefvolkswirtin Gita Gopinath. Allein im vergangenen Jahr sei die Zahl der in extremer Armut lebenden Menschen um 95 Millionen gestiegen.

In Washington fordert man daher »zusätzliche Anstrengungen, allen Menschen eine faire Chance zu geben«. Über wohlklingende Appelle kommen IWF und Weltbank jedoch nicht hinaus. Weder eine Vereinbarung, ärmere Länder durch eine Freigabe der Impfstofflizenzen zu unterstützen, noch ein nennenswerter Schuldenerlass liegen bei den Tagungen der westlich dominierten Weltinstitutionen im Bereich des Möglichen.

Lediglich ein Schuldenmoratorium wurde den ärmsten Ländern der Welt bislang gewährt. In diesem Rahmen konnte ein Teil der Zins- und Tilgungszahlungen zeitlich gestreckt werden. Am Dienstag hatte sich Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) im Rahmen einer virtuellen Sitzung der G-20-Finanzminister dafür ausgesprochen, das Moratorium bis zum Jahresende zu verlängern. Bewegung gibt es zudem bei der geplanten Kapitalspritze für den IWF im Umfang von 650 Milliarden US-Dollar, durch die den schwächeren Ländern weitere Kredite gewährt werden könnten, um über die Pandemie zu kommen. Die USA hatten die Maßnahme lange Zeit blockiert. Zuletzt hatte Präsident Joseph Biden Unterstützung signalisiert.

Im Vorfeld der Tagungen hatte unter anderem die Entwicklungsorganisation One entschiedene Maßnahmen zur Unterstützung ärmerer Länder gefordert. »Während Länder wie Deutschland sich vergleichsweise gut gegen die Folgen der Pandemie stemmen können, stehen andere Staaten wie die Republik Kongo oder Mosambik vor dem Bankrott«, erläuterte Karoline Lerche, Direktorin der deutschen One-Sektion. Niemand könne »ein Interesse an einem Kollaps dieser Staaten haben«.

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