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Aus: Ausgabe vom 08.04.2021, Seite 5 / Inland
Automobilklub

Vollgas für die gute Tat

ADAC-Regionalchef Meyer gründet Stiftung und baut damit eigene Machtbasis aus
Von Ralf Wurzbacher
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Graue Eminenz des Spritfresserklubs: Ex-ADAC-Chef Peter Meyer, der seit 2014 Regionalleiter Nordrhein ist (Freiburg, 10.5.2007)

Unternehmer, die etwas auf sich halten, gründen eine Stiftung. Unter dem Banner, Gutes zu tun und dem Gemeinwohl zu dienen, sparen sie nebenbei reichlich Steuern, die dem Gemeinwohl dann wieder fehlen. Wobei die Macher letzteres für gewöhnlich nicht so herausstellen wie ihre Gönnerpose. Peter Meyer macht da keine Ausnahme. Der 71jährige ist Chef des ADAC Nordrhein, des größten der 18 regionalen Ableger des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs. Der ehemalige Spediteur und Unternehmensberater muss seinen Posten im Mai altersbedingt räumen, denkt aber gar nicht daran, damit auch seinen Einfluss in Europas größtem Spritfresserverein aufzugeben. Also rief er Ende 2020 die »ADAC Nordrhein Stiftung« ins Leben, als deren Vorstand er gemeinsam mit seinem langjährigen Mitstreiter Bernd Fronhoffs fungiert.

Zu den »gemeinnützigen und mildtätigen Zwecken«, die sich der Laden auf die Fahnen schreibt, zählen die Förderung von Motorsport, von Jugendhilfe, Erziehung und Bildung, Wissenschaft und Forschung sowie von Behinderten oder Unfallopfern. Das ist ein, wie auch der Süddeutschen Zeitung (SZ) in einem Bericht vom Dienstag auffiel, Blumenstrauß an Allgemeinplätzen, die allerhand verheißen, aber nichts bedeuten müssen. Man erinnere sich: Meyer war 2014 als ADAC-Präsident zurückgetreten, nachdem herauskam, dass bei der Vergabe des renommierten Autopreises »Gelber Engel« über Jahre manipuliert worden war. Nicht nur hatte man die Teilnehmerzahlen bei der Wahl zum »Lieblingsauto der Deutschen« kräftig aufgeblasen, überdies schafften es Modelle in die Bestenlisten, die dort gar nicht hingehörten.

Offenbar kennt sich Meyer mit Etikettenschwindel aus, weshalb auch sein neuestes Werk für Argwohn sorgt. So leuchte laut SZ nicht jedem im ADAC ein, worin der Sinn der Stiftung bestehe. Nach Auskunft eines Insiders fänden sich die fraglichen Vorsätze schon unter den Zielen und Aufgaben der bereits bestehenden Fachbereiche und Abteilungen des ADAC Nordrhein e. V. »Ein Großteil der sogenannten Stiftungszwecke wird also schon bedient.« Gut zu wissen ist in dem Zusammenhang außerdem, dass der ADAC auf Bundesebene ebenfalls eine Stiftung unterhält, die sich mit ähnlichen Lorbeeren schmückt. In der Zweigstelle Nordrhein wischt man solche Einwände derweil souverän weg: Die Organisation werde sich »überwiegend regionaler Fördermaßnahmen annehmen«, verlautete aus der Kölner Zentrale. Ein Gewinnbringer – von den fiskalischen Vorzügen abgesehen – scheint die Konstruktion allerdings nicht zu sein. Derzeit häuft die Stiftung nach internen Unterlagen pro Tag 55 Euro Negativzinsen an.

Was bezweckt Meyer dann? Seine Gegner, zu denen der ebenso vor dem Absprung stehende ADAC-Deutschlandchef August Markl zählen soll, mutmaßen, dessen Amtsvorgänger wolle mit dem Coup seine Machtbasis an den gewählten Gremien vorbei hegen und ausbauen. Dazu passend bewegt sich das vom Regionalclub Nordrhein gestellte Stiftungskapital knapp unterhalb der Grenze, ab der der Bundes-ADAC in die Sache hätte eingebunden werden müssen. Die SZ zitierte aus einer Mail von Regionalgeschäftsführer Wolfgang Jakobs: »Ursprünglich waren fünf Millionen geplant. Da wir aber bei einer Ausgabe von mehr als zehn Prozent der Mitgliedsbeiträge das ADAC-Präsidium informieren müssten, haben wir auf 4,5 Millionen Euro gekürzt.« Zudem seien das Kuratorium und die Geschäftsführung ausschließlich mit Mitgliedern der aktuellen Kölner Führungsriege besetzt, die bislang schon eng mit Meyer zusammenarbeiten würden, schrieb die Zeitung. So bleibe man am Rhein unter sich und handele »unbedrängt von lästigen Fragen aus der Münchner ADAC-Zentrale«.

In der bayerischen Metropole gibt man sich gelassen. Eine Stiftungsgründung auf Regionalebene sei »kein unüblicher Vorgang«, äußerte eine Sprecherin. Selbstverständlich begrüße man das »gemeinnützige Engagement« und wünsche »viel Erfolg«. So geht wohl gute Miene zum bösen Spiel.

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