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Auf dem rechten Weg

Von Rafik Will
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G-20-Gipfel in Hamburg: Polizisten sichern eine Zufahrtsstraße zum Schanzenviertel (8.7.2017)

Ende Januar 2020 veranstaltete die Partei Die Linke in Hamburg eine interessante Podiumsdiskussion. Sie trug den Titel »Connewitz, G 20, Gefahrengebiete … die Polizei als politischer Akteur« und findet sich als Mitschnitt des FSK auf der Seite freie-radios.net. Das hierin angegangene Thema eines zunehmend eigenständig handelnden Sicherheitsapparates ist nach wie vor aktuell. Einen neuen Beitrag zur Frage der ideologischen Motive für dieses Handeln gibt es mit »Recycling: ›Police brutality is not a crime‹. Über Faschismus in der deutschen Polizei.« (Di., 7 Uhr, FSK). Aiko Kempen spricht in der Sendung über sein am 9. April erscheinendes Buch »Auf dem rechten Weg? Rassisten und Neonazis in der deutschen Polizei«.

Ein Hörspiel, in dem sich der Autor Rainer Römer unter Verwendung von E. A. Poes Erzählung »The Man in the Crowd« und Charles Baudelaires Gedicht »A une Passante« der belebten Großstadt als Erscheinung der Moderne widmet, läuft mit »Der Mann in der Menge« (SWR 2016; Di., 20 Uhr, DLF).

Autorinnen sind im Literaturkanon eher schwach repräsentiert. Die US-Schriftstellerin Sylvia Plath bildet eine Ausnahme. Der 1963, kurz vor ihrem Suizid, erschienene einzige Roman der Lyrikerin »The Bell Jar« (»Die Glasglocke«) erlangte weltweite Berühmtheit. Ihr britischer Gatte Ted Hughes ist heute weniger als Schriftsteller bekannt denn als gewalttätiger Ehemann. Nicht nur Plath nahm sich das Leben, auch Hughes’ nächste Partnerin beging Suizid. Ulf Stolterfoht und Thomas Weber wollen sich in »Rückkehr von Krähe« (SWR 2021; Ursendung Di., 23 Uhr, SWR 2) aber wohl lieber ungestört der Suche nach dem männlichen Genie hingeben. Plath wird im Infotext zur Sendung mit keiner Silbe erwähnt. Die Auseinandersetzung mit misogynen und sexistischen Strukturen sucht hingegen »Hopo-Express #120 – How to make a radio: Hack­sexism – Digitale Denkwerkstatt gegen Sexismus und sexualisierte Gewalt auf Festivals« (Mi., 20 Uhr, FSK).

Immer eine gute Idee: John Steinbeck lesen oder die Filmadaptionen seiner Romane anschauen. Wer seinen Augen ein wenig Ruhe gönnen will, ohne auf Steinbeck zu verzichten, hat jetzt die Gelegenheit. »Jenseits von Eden« (NDR 2021; Ursendung Teile 1 und 2/8 Mi., 20 Uhr, NDR Kultur) kommt in einer vierstündigen Neubearbeitung ins Radio.

Zum Thema assistierter Suizid greift das Theaterkollektiv Markus & Markus den Ibsen-Stoff »Gespenster« (DLF Kultur 2021; Ursendung Do., 22 Uhr, DLF Kultur) auf. Die nächste Ursendung steht mit dem Dokumentarstück »Adolf Eichmann: Ein Hörprozess« (RBB/DLF 2021; Fr., 19 Uhr, RBB Kultur, Wdh. Sa., 20 Uhr, DLF und So., 14 Uhr, RBB Kultur) von ­Noam Brusilovsky und Ofer Waldman an.

Der von Marit Hofmann als »Deutschlandfunk-Tonlieferando« bezeichnete Fritz Tietz zeigt mit »Alte Lieben – Liebesgeschichten aus Zeiten des Festnetztelefons« (DLF 2021; Fr., 20 Uhr, DLF), dass er nicht müde wird, das um die deutsche Nationalhymne drapierte Programm des DLF zu bereichern. Martin Heindel belegt mit dem Science-Fiction-Hörspiel »Cassandra Rising« (Eigenproduktion 2020; Fr., 22 Uhr, SWR 2) über sogenannte vorhersagende Polizeiarbeit, dass er nichts gegen Hilfestellungen der Industrie im Kulturbereich hat. Das Stück wurde gefördert von der Volkswagen-Stiftung.

An Hörspielursendungen gibt es am Wochenende Dana von Suffrins  »­Otto« (BR 2021; Sa., 15 Uhr, Bayern 2), Inez Bjørg Davids »Wie im Märchen« (WDR 2021; Sa., 19 Uhr, WDR 5, Wdh., So., 17 Uhr, WDR 5) und David Paquets »Feuersturm« (SR/DLF Kultur 2020; So., 17 Uhr, SR2 Kulturradio).

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