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Aus: Ausgabe vom 06.04.2021, Seite 11 / Feuilleton
Rock

Auf der Zielgeraden

Doom-Pionier Bobby Liebling geht mit The Limit zurück in die Garage
Von Frank Schäfer
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Wird schon wissen, dass ihm nicht so viele Menschen eine Träne nachweinen werden: Bobby Liebling

Blue-Öyster-Cult-Manager Mur­ray Krugman wollte die »Street Black Sabbath« aus Pentagram machen, damals Anfang der Siebziger. Aber Bobby Liebling, Sänger und Kopf der Band, lässt nichts unversucht, schon gar keinen chemischen Dummacher, um eine richtige Karriere zu verhindern. Pentagram nehmen ein paar Singles auf, diverse Demos, über zehn Jahre später im goldenen Metal-Jahrzehnt doch noch das Debüt. Langsam, aber sicher avancierte die Band zum Kultact aus der Genregründerzeit, aber Lieblings selbstzerstörerischer Elan ist weiterhin ungebrochen, mehrfach vergrault er Bandmitglieder oder schmeißt selbst die Brocken hin.

Ende der nuller Jahre lebt er als Crack­ruine im Keller seiner Eltern, und sein Manager respektive größter Fan Sean Pelletier versucht ihn wieder auf die Bühne zu holen. So porträtiert ihn der großartige Dokumentarfilm »Last Days Here«. Die Retrohysterie hat den Namen Pentagram nach oben gespült. In Interviews mit den geprellten Kombattanten werden noch einmal die alten Geschichten des Scheiterns erzählt, während Liebling in der Jetztzeit wieder alles zu versemmeln droht. Da tritt eine junge Frau in sein Leben, Hallie Miller, die sich von diesem Drogenwrack tatsächlich angezogen fühlt, und Pelletier bucht auch wieder Konzerte.

In den folgenden Jahren nehmen Pentagram mit »Last Rites« und »Cu­rious Volume« zwei vielbeachtete Alben auf und touren halbwegs erfolgreich durch die Welt. Aber dass Bobby Liebling in diesem Leben noch mal die Kurve kriegt, daran glaubt wohl trotzdem keiner. Weitere Totalabstürze folgen. Endgültig jeden Kredit verspielt er, als er vor ein paar Jahren seine alte, kranke Mutter verprügelte, die ihm all die Jahre Obdach gewährt hatte. Man sperrt ihn weg für achtzehn Monate. Ich hätte ihm mehr gegeben.

Nach seiner Entlassung aus dem Knast, halbwegs ausgenüchtert, geht er wieder mit Pentagram auf Tour und kündigt auch ein neues Album an. Aber anschließend haben ihn erst mal die beiden Garagenpunks Sonny Vincent (Testors) und Jimmy Recca (Stooges) unter ihre Fittiche genommen und als The Limit mit »Caveman Logic« ein Album eingespielt, wie es Iggy Pop zuletzt kaum mehr hinbekam.

Man will diesen Drecksack eigentlich nicht gut finden, aber Lieblings morbides Crooning irgendwo zwischen dem ganz späten Johnny Cash und Iggy himself ist die vom steten Gebrauch abblätternde Lackierung auf dem Baseballknüppel, den die Band aus dem Sack holt. Seine kaputte Gesangsperformance bekommt tatsächlich eine gewisse Fallhöhe, gerade wenn sie im Kontrast steht zu hundertprozentigen Radiohits wie »Black Sea« oder »­These Days« – weil man ihm anhört, dass es auf die Zielgerade geht und das alles auch bald vorbei sein könnte. Er wird schon wissen, dass ihm nicht so viele Menschen eine Träne nachweinen.

Neben den beiden etatmäßigen Gitarristen hat man noch Fabian Dee Damners (UDO), Nils Finkeisen (Die Krupps) und Paul Simmons (Bevis Frond) mitspielen lassen, und die fiedeln in jede Lücke hinein, um dem existenzmüden, an der Moderne verzweifelnden Höhlenmenschen etwas Vitales entgegenzusetzen. Einige hätten vielleicht mehr Schneckentempo erwartet, nur ein Song spielt mit seinem Pentagram-Erbe. Bei »Over Rover« alternieren sich langsam vortastende Doom-Parts und aufgedreht nach vorn preschende Punk-Metal-Riffs. Der Rest ist guter alter dreiminütiger High-Octane-Rock, der durch Refrains überzeugt, die man auch nach einem langen Abend mit chemischer Rückendeckung nicht vergisst. Besser konnte Bobby Liebling die Zeit bis zum nächsten Absturz kaum nutzen.

The Limit: »Caveman Logic« (Svar)

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