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Aus: Ausgabe vom 06.04.2021, Seite 4 / Inland
Ostermärsche in der Pandemie

Erfolg für Friedensbewegte

Bundesweite Ostermärsche bringen Zehntausende gegen Krieg und Aufrüstung auf die Straße. Organisatoren ziehen positive Bilanz
Von Markus Bernhardt
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Mit Maske und auf Abstand versammeln sich am Montag in Frankfurt am Main viele Teilnehmende des dortigen Ostermarsches

Mit einem vehementen Aufruf für Abrüstung und Frieden sind die diesjährigen Ostermärsche zu Ende gegangen. Die traditionellen Proteste der Friedensbewegung standen zum zweiten Mal in Folge unter dem Eindruck der Coronapandemie. Trotz der Beschränkungen des Versammlungsrechtes, zu dem es mancherorts aufgrund steigender Infektionszahlen mit dem gefährlichen Virus gekommen war, zog das »Netzwerk Friedenskooperative« in einer am Montag veröffentlichten ersten Stellungnahme »eine positive Bilanz« der Ostermärsche. In mehr als 100 Städten hätten über Ostern Aktionen für Frieden, Abrüstung und Gerechtigkeit stattgefunden. Inhaltlich dominiert worden seien die Proteste in diesem Jahr von Forderungen nach der Senkung der Rüstungsausgaben, dem Beitritt zum UN-Atomwaffenverbot, dem Stopp von Rüstungsexporten sowie einer Umverteilung staatlicher Mittel in zivile Bereiche, für bessere medizinische Versorgung, Bildung und soziale Gerechtigkeit.

Viele der bei den Ostermärschen artikulierten Forderungen würden »im Hinblick auf die bevorstehende Bundestagswahl einen grundlegenden Politikwechsel« verlangen, konstatierte Kristian Golla vom »Netzwerk Friedenskooperative« am Montag. Explizit unterstrich er dabei die Forderung nach nuklearer Abrüstung. Die Friedensbewegung sehe sich durch das Inkrafttreten des Atomwaffenverbotsvertrags (AVV) der Vereinten Nationen zu Beginn des Jahres in ihrem Engagement bestärkt. Der Abzug der Atomwaffen aus Deutschland sowie der Beitritt zum Atomwaffenverbot seien schon lange überfällig, so Golla. Tatsächlich sprechen sich vier Fünftel der Menschen in der BRD sowohl für das Atomwaffenverbot wie auch für den Abzug der Atomwaffen aus Büchel aus. Das zeige eine erst kürzlich von Greenpeace Deutschland veröffentlichte repräsentative Umfrage, erinnerte Golla. »Es darf nicht länger Politik gemacht werden gegen so weite Teile der Bevölkerung«, betonte der Friedensaktivist am Montag.

In einer eigens zum Ostermarsch erstellten Grußbotschaft wandte sich der prominente Liedermacher Konstantin Wecker an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Darin erinnerte er an das Leid Tausender Kinder, die täglich stürben, weil sie in Kriegsgebieten lebten, keine Bildung bekämen und nichts zu essen hätten. »Und wir verwöhnten Westler – 75 Jahre von Kriegen verschont; Kriege, die wir aus reiner Geldgier in die Welt hinausgetragen haben – wir drehen durch, wenn wir mal nicht so feiern können, wie wir es Jahrzehnte lang gewohnt waren«, monierte er und sprach sich für einen »Lockdown für Rüstung und Militär« aus.

Auch die vielen regionalen und lokalen Veranstalter der Ostermärsche berichten von überraschend hohen Teilnehmerzahlen. So zeigte sich Jutta Kausch-Henken von der Berliner Friedenskoordination (Friko) am Montag auf jW-Anfrage »sehr zufrieden«, dass sich trotz der Pandemie am Sonnabend mehr als 1.000 Menschen dem Berliner Ostermarsch angeschlossen und »vielfältige Forderungen« erhoben hatten. Kausch-Henken selbst hatte sich in ihrem Redebeitrag für Frieden mit Russland, ordentliche Löhne für Pflegepersonal und ein Ende der weiteren Aufrüstung von NATO und Bundeswehr ausgesprochen. »Statt endlich die Forderung zu erheben, die Kommandozentralen und Stützpunkte der USA, die Relaisstation für Drohnenangriffe sind, zu schließen und die stationierten Atomwaffen der USA abzuziehen, werden diese erneuert und 45 neue Fliegerbomber für die Bundeswehr angeschafft, die diese Atombomben ins Ziel tragen sollen, damit Deutschland weiterhin nuklearer Teilhaber ist«, kritisierte sie.

»Sehr zufrieden« mit dem Verlauf der Proteste zeigte sich auch Felix Oekentorp, Sprecher des Ostermarsches Ruhr, der in den vergangenen Jahren stets der bundesweit teilnehmerstärkste war. Trotz schwieriger Bedingungen sei es gelungen, bei allen Etappen des Marsches, der durch verschiedene Großstädte zwischen Rhein und Ruhr führte, viele Menschen mit den Forderungen der Friedensbewegung zu erreichen, bilanzierte Oekentorp am Montag auf jW-Anfrage. Der Ostermarsch Ruhr war an diesem Tag mit einer Abschlussveranstaltung auf dem Dortmunder Hansaplatz zu Ende gegangen.

Das Gros der Redebeiträge, Berichte aus verschiedenen Städten und das Grußwort von Konstantin Wecker sind auf der Internetseite des »Netzwerk Friedenskooperative« (friedenskooperative.de) dokumentiert.

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