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Aus: Ausgabe vom 31.03.2021, Seite 8 / Ansichten

Inflationsangsthasen des Tages Goldman-Sachs-Banker

Von Simon Zeise
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Warten auf den nächsten Crash ...

Der deutsche Sparer fürchtet steigende Preise wie der Teufel das Weihwasser. Auf die Geldflut von »Graf Draghila« (Bild) folgt die »kalte Enteignung« (Welt) des Mittelstands. Die AfD hortet bereits Goldbarren für schlechte Zeiten. Die jüngste These vom pekuniären Armageddon lautet: Die ­Aberbillionen, die in der Finanz­sphäre vor sich hin wabern, stürzen nach der Pandemie wie eine Heuschreckenplage über das Land herein.

Auch die Investmentbanker von Goldman Sachs bekommen kalte Füße. Nicht zu unrecht, denn in der Welt der Superreichen ist die Preistreiberei real. Immobilien, Aktien, Gemälde: alles maßlos überteuert. Um doch noch eine Marktnische zu erheischen, muss eine Langzeitstudie her. Aus der Geschichte lernen, heißt siegen lernen, wusste schon Karl Marx, und der verstand schließlich was vom Kapital. Die Goldmänner haben jeweils die verlustreichsten zwölf Kriege und Seuchen seit dem Jahr 1300 zusammengestellt und errechnet, wie sie sich auf die Preise auswirkten. Dabei haben sie die Opferzahlen auf die heutige Weltbevölkerung hochgerechnet: Der Pest im 13. Jahrhundert fielen demnach beispielsweise zwei bis drei Milliarden Menschen zum Opfer.

Unterm Strich sind Kriege das deutlich bessere Geschäft: Sie befeuern Rüstungsausgaben und erfordern ein Konjunkturprogramm, um Ruinen wieder zu errichten – physisches Kapital wird zuhauf vernichtet. In Pandemien wird durch höhere staatliche Ausgaben nur aufgefangen, was an privater Nachfrage wegfällt. Die Infrastruktur nimmt keinen Schaden.

Doch messen die Banker mit zweierlei Maß: Die Kämmerer am Hofe verfügten nicht über eine gigantische Notenpresse wie Graf ­Draghila, um in der Krise die Konjunktur anzuwerfen. Die geldpolitischen Lösungsvorschläge für die Coronapandemie von rechts sind bislang wenig kreativ. Vielleicht sitzt Ex-Goldman-Sachs-Girlie Alice Weidel demnächst im AfD-Bundesvorstand und reibt Kurantmünzen, bis sie an Wert verlieren, wie ihre geistigen Väter aus dem Mittelalter.

Wer fürchtet sich eigentlich vor wem?

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