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Aus: Ausgabe vom 30.03.2021, Seite 1 / Inland
»Schlüsseltechnologien«

Bund wehrt »unfreundliche Mächte« ab

Staat übernimmt Aktiensperrminorität am Rüstungskonzern Hensoldt
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Ist ohne Technik von Hensoldt nicht kriegstauglich: Kampfflugzeug »Eurofighter« der Bundesluftwaffe

Der deutsche Staat investiert in einen heimischen Rüstungskonzern. Zu dessen Schutz, wie es heißt. Wie die Nachrichtenagentur dpa am Montag meldete, hat der Bund 25,1 Prozent der stimmberechtigten Aktien des auf Elektronik spezialisierten Militärausrüsters Hensoldt AG gekauft – einer ehemaligen Sparte des Rüstungsmultis Airbus. Damit besitzt der Staat bei dem börsennotierten Unternehmen eine sogenannte Sperrminorität, mit deren Hilfe er Einfluss auf strategische Entscheidungen nehmen kann. Begründet wird der seit dem vergangenen Jahr geplante Einstieg mit sicherheitspolitischen Erwägungen.

Als Mittler bei diesem Deal fungierte die staatliche KfW-Bankengruppe. Diese hatte am Montag mitgeteilt, die Beteiligung im Auftrag der Bundesregierung erworben zu haben. Die ehemalige Airbus-Sparte war im September 2020 an die Börse gebracht worden. Im Dezember 2020 beschloss das Bundeskabinett den Erwerb einer Sperrminorität, um den Zugriff »unfreundlicher Mächte« auf sogenannte Schlüsseltechnologien wie Sensorik und Verschlüsselungstechnik für den militärischen Einsatz zu verhindern. Hensoldt liefert Bauteile unter anderem für das Kampfflugzeug Eurofighter und dessen geplanten Nachfolger und für das EU-Projekt Future Combat Air System (FCAS) mit bemannten und unbemannten Flugzeugen.

Doch auch eine andere »Kompetenz« fällt dem Bund mit Hensoldt inzwischen auf den Aktentisch: Am 20. Januar hatte welt.de berichtet, dass Hensoldt die österreichische Firma Sail Labs Technology erwerben werde. Die gelte als eine der weltweit führenden Anbieterinnen von Software, die mit »künstlicher Intelligenz« die Flut digitaler Angebote samt Sprache im Netz verstehen und analysieren können – ein Überwachungseldorado.

Das Unternehmen mit Stammsitz in Taufkirchen bei München beschäftigt 4.000 seiner 5.500 Mitarbeiter in Deutschland. Industrielle Standorte sind Ulm, Oberkochen, Immenstaad und Pforzheim sowie Wetzlar, Köln und Kiel. Hensoldt ist im S-Dax gelistet, hat einen Börsenwert von rund 1,3 Milliarden Euro und setzte im vergangenen Jahr 1,2 Milliarden Euro um. (dpa/jW)

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