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Aus: Ausgabe vom 29.03.2021, Seite 8 / Ansichten

Advokat des Tages: Christoph Schickhardt

Von Oliver Rast
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Wenn er redet, redet er sich bisweilen um Kopf und Kragen (Frankfurt am Main, 4.11.2017)

Er ist eine Art juristischer Flankenschutz, der schwäbisch näselnde Rechtsanwalt Christoph Schickhardt. Prominent für Dietmar Hopp, den mäzenischen Investor des Bundesligakunstprodukts aus Sinsheim, der TSG 1899 Hoffenheim.

Der »Alte Herr« einer Tübinger Studentenverbindung macht sich für seinen Hopp anstandslos grade. Vor einem Jahr krakeelte der Rechtspfleger öffentlich für die tageweise Einknastung rüpelhafter Fußballultras. »Das hat sich schon immer bewährt.« Frische Schickhardtsche Wortbeiträge im Regiolekt gingen am Sonnabend in einer ZDF-Doku des »Aktuellen Sportstudios« zur »Lex Hopp« über den Sender. Gleich.

Zuvor: Der Mehrheitseigner der TSG ist der Prototyp überkommerzialisierter Profikickerei, finden aktive Fans. Banner mit Hopps Konterfei im Fadenkreuz und Schmähgesänge begleiten den SAP-Firmenpatriachen schon lange. Der große Konzernlenker reagierte darauf mimosenhaft – und schickte Schickhardt vor. Das Ziel: Ultras vor den Kadi. Sein Mandant fühle sich »persönlich auf das gröbste verletzt«, so der Advokat. Mehr noch: Auf der »ganzen Welt« sei Hopp »anerkannt«, und dann kämen »da so Jungs, die noch grün hinter den Ohren« seien, »in sein Stadion« und »schreien solche Beleidigungen«. Niederträchtig.

Treppenwitzig indes das, ­Schickhardt: Hopp sei ein Mann des Volkes, »der letzte richtige Fußballfan«. Kaum zu toppen, oder? Doch. »Was ist das Delikt?« fragte der Promianwalt irritiert ob der Szene am TSG-Stadionzaun, für die ein Bayern-Ultra auf sein Geheiß kürzlich zu Tagessätzen plus Stadionverbot verurteilt worden war. Zirkelschlüssig schnorchelte ­Schickhardt in die Kamera­linse: »Wenn der von mir verteidigt worden wär’, kann ich mir nicht vorstellen, dass er verurteilt worden wär’.« Schlusspointe: Hopp honoriert einen Rechtscoach, der den eigenen juristischen Feldzug gegen Ultras ad absurdum führt.

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