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Aus: Ausgabe vom 24.03.2021, Seite 8 / Ansichten

Scheinheiliges Angebot

Saudische Initiative für Jemen
Von Wiebke Diehl
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Sein Plan, die Ansarollah im Jemen schnell zu besiegen, ist nicht aufgegangen: Prinz Faisal bin Farhan Al Saud (Al-Ula, 5.1.2021)

Ein landesweiter Waffenstillstand, Öffnung des Flughafens Sanaa und die Einfuhr von Treibstoff und Lebensmitteln über den Hafen von Hodeida: Dieses »Friedensangebot« unterbreitete am Montag Prinz Faisal bin Farhan Al Saud, Außenminister Saudi-Arabiens, das durch Kriegs- und Blockadepolitik sowie die regelmäßige Bombardierung von Schulen und Krankenhäusern im Jemen die größte humanitäre Krise unserer Zeit verursacht hat, via Pressekonferenz den Ansarollah.

Völlig zu Recht konterte Mohammed Abdulsalam, Sprecher und Chefunterhändler der Ansarollah, die Öffnung von Häfen und Flughäfen sei ein Menschenrecht, das nicht als Druckmittel missbraucht werden dürfe. Obwohl es den Vorschlägen Riads an »neuen Aspekten« fehle, sei man zu weiteren Gesprächen bereit.

Aber Riad, das einen einseitig ausgerufenen Waffenstillstand im vergangenen Frühjahr bereits am ersten Tag brach, geht es genausowenig um Frieden oder das Leben von Millionen Jemeniten wie Washington, das den Krieg von Anbeginn aktiv unterstützt hat. Wären ihre scheinheiligen Angebote ernst gemeint, würde die gesamte Blockade sofort aufgehoben und den 14 Schiffen mit Treibstoff vor der jemenitischen Küste freies Geleit gewährt, damit Hunderte Medikamenten- und Lebensmitteltransporte für die Weiterfahrt betankt werden können.

Allerdings sucht man einen gesichtswahrenden Ausweg aus dem jemenitischen Kriegsdesaster, ohne die Kontrolle komplett zu verlieren. Denn nicht nur die regelmäßigen Drohnenangriffe der Ansarollah auf Ölanlagen im Herzen des wahhabitischen Königreichs zeigen: Riad und seine westlichen Verbündeten sind verwundbar – jederzeit und überall. Sechs Jahre sind vergangen, seit der heutige Kronprinz Mohammed bin Salman erklärte, die Luftangriffe würden nur wenige Monate andauern und den Vormarsch der von breiten Teilen der Bevölkerung unterstützten Ansarollah stoppen. Statt dessen kontrollieren die »Huthis« heute strategisch wichtige Punkte um Marib, die letzte Regierungshochburg im Norden, darunter die von saudiarabischen Truppen genutzte Kofal-Militärbasis, der Marib-Staudamm und die strategisch bedeutenden Berge Hilan und Al-Balak.

Ziel der Initiativen der US-Administration, der UNO und jetzt der saudischen Regierung ist ein Ende der Kämpfe um das öl- und gasreiche Marib, dessen Einnahme durch die Ansarollah gleichbedeutend mit dem Ende der Marionettenregierung Abed Rabbo Mansur Hadis wäre und auch die saudisch-westliche Kontrolle über die strategisch wichtige Bab-Al-Mandab-Meerenge in Gefahr brächte.

Wer fürchtet sich eigentlich vor wem?

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