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Aus: Ausgabe vom 23.03.2021, Seite 7 / Ausland
Unter dschihadistischer Kontrolle

Mosambiks vergessene Provinz

Terror in Cabo Delgado: Söldner und Militär verschlimmern die Lage nur
Von Gerrit Hoekman
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Das mosambikanische Militär soll beim Kampf gegen die Terrormiliz »Ahlu Sunna« selbst Kriegsverbrechen begehen (30.7.2010)

Die militärische Lage in Mosambiks nördlicher Provinz Cabo Delgado wird immer unübersichtlicher: Neben privaten Sicherheitsfirmen mischen nun auch die USA im Kampf gegen die radikalislamische Miliz »Ahlu Sunna« mit. Die Regierung in Maputo bat Washington vor einer Woche um Hilfe bei der Ausbildung der eigenen Truppen, die zunehmend überfordert sind.

»US-Spezialeinheiten werden Mosambiks Bemühungen unterstützen, die Ausbreitung von Terrorismus und gewalttätigem Extremismus zu verhindern«, teilte die US-Botschaft in Maputo am 15. März laut BBC vom Sonntag mit. Es handelt sich dabei um die Eliteeinheit Green Berets, die zunächst für zwei Monate die mosambikanischen Soldaten trainieren soll, berichtete die US-Nachrichtenseite Business Insider am Sonnabend. Auch die ehemalige Kolonialmacht Portugal kündigte an, 60 Ausbilder nach Mosambik zu schicken. Abgesehen von seiner eigenen Armee, baute das Land im Südosten Afrikas bis jetzt auf Söldner der südafrikanischen Dyck Advisory Group, die von dem pensionierten Oberst Lionel Dyck aus Simbabwe kommandiert wird.

Für Washington sind »Ahlu Sunna« nichts weiter als eine Terrorgruppe und Filiale des »Islamischen Staats«. Die Vereinfachung eines komplexen, lokalen Konflikts, wie man sie von den USA auch andernorts gewohnt ist. Zweifellos gehen die Salafisten seit 2017 mit äußerster Brutalität gegen Zivilisten vor. Wer ihnen nicht folgen will, läuft Gefahr, enthauptet zu werden. Bereits Elfjährige sind nach Informationen der britischen Organisation »Save the Children« von den Dschihadisten hingerichtet worden, meldete AFP am vergangenen Dienstag.

Aber Menschenrechtsgruppen werfen auch den ausländischen Söldnern und der mosambikanischen Armee schwere Kriegsverbrechen vor. Die Dyck Advisory Group soll nach Informationen von Amnesty International mit Maschinengewehren aus Hubschraubern wahllos in Menschenmengen sowie auf Schulen und Krankenhäuser gefeuert haben. Wer mehr wütet, ist kaum auszumachen. Die Folge: Fast 700.000 Menschen sind geflohen und leben unter extrem schlechten Bedingungen in Lagern. »Was im Norden Mosambiks geschieht, ist eine humanitäre Tragödie«, twitterte am Freitag Gillian Triggs, die für das Flüchtlingshilfswerk UNHCR die Region besuchte.

Sicher ist aber auch, dass »Ahlu Sunna« in der Bevölkerung der Provinz einigen Rückhalt genießen. Die Mehrheit der 2,3 Millionen Einwohner sind Muslime. Die salafistischen Kämpfer werden von den Einheimischen »Schabab«, Jugendliche, gerufen, was aber nicht bedeutet, dass sie eine Verbindung mit der gleichnamigen Gruppe in Somalia hätten, welche von Al-Qaida unterstützt wird. »Die Geschwindigkeit, mit der sie sich verbreiten, spricht für eine enorme Zunahme der Rekrutierung«, zitiert BBC Emilia Columbo vom Center for Strategic and International Studies mit Sitz in Washington.

Die Region fühlt sich von der Regierung schwer vernachlässigt. Die Armut ist mit Händen greifbar, die Arbeitslosigkeit immens hoch, Analphabetismus weitverbreitet. »Cabo Esquecido«, das »vergessene Kap«, nennen die Menschen mittlerweile ihre Provinz. Die Salafisten greifen die soziale Ungleichheit auf und machen sich zum Anwalt der Benachteiligten. Ein verheerender Wirbelsturm und Überschwemmungen haben die humanitäre Lage noch verschlimmert.

Dabei ist Cabo Delgado im Prinzip keine arme Provinz. Sie verfügt über riesige Offshore-Erdgasvorkommen, an deren Ausbeutung multinationale Konzerne wie das französische Unternehmen Total großes Interesse haben. Im Moment stockt das Projekt aber, weil die Dschihadisten im vergangenen Sommer den wichtigen Hafen von Mocímboa da Praia im Handstreich eingenommen haben und bis heute halten.

Der blutige Konflikt dürfte noch einige Zeit andauern. »Es gibt keine Anzeichen für eine Wende. Für die nächsten fünf bis zehn Jahre sehe ich keine Lösung für Cabo Delgado«, prognostizierte die südafrikanische Sicherheitsexpertin Jasmine Opperman im Februar bei einer Veranstaltung in Johannesburg.

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