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Aus: Ausgabe vom 22.03.2021, Seite 7 / Ausland
Israel vor den Wahlen

Zwischen Gerüchten und Vermutungen

Israels Verhältnis zu Jordanien und seinen neuen arabischen Partnern in der Krise
Von Knut Mellenthin
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Sind wirklich alle mit ihm, wie es hier auf arabisch auf einem Wahlplakat der Likud-Partei steht? (13.3.2021)

Der Ärger um die Verschiebung des Besuchs von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) hält an. Am Donnerstag meldete die meistverkaufte israelische Tageszeitung Jediot Acharonot, dass die Emirate die Vorbereitung eines geplanten Gipfeltreffens im April in Abu Dhabi eingestellt hätten. Teilnehmen sollten dem Blatt zufolge Politiker, Diplomaten und Funktionäre aus den USA, Israel, den Emiraten selbst, dem Sudan und vermutlich auch aus weiteren arabischen Staaten. Die USA sollten durch ihren Außenminister Antony Blinken vertreten werden, Israel durch seinen Regierungschef. Die VAE hätten durch die Absage des internationalen Treffens ihren Ärger darüber ausdrücken wollen, dass Netanjahu versucht habe, die Beziehungen zwischen den beiden Staaten im Wahlkampf auszunutzen. In Israel wird an diesem Dienstag zum vierten Mal in knapp zwei Jahren ein neues Parlament gewählt.

Die Geschichte klingt zwar spannend und sogar plausibel, bleibt aber in Gänze unbestätigt. Bis zur Exklusivmeldung der Jediot Acharonot war nicht einmal bekannt, dass – angeblich – ein solches Treffen in Abu Dhabi stattfinden sollte. Quellen für ihre Darstellung nannte die Tageszeitung nicht.

Das ist keine Ausnahme, sondern kennzeichnet die Nachrichtenlage in diesem Zusammenhang. Wenige Informationen und Zitate sind überprüfbar bestimmten Personen zuzuordnen. Das meiste, was zum Streit zwischen Israel und den Emiraten, an dem auch Jordanien beteiligt ist, berichtet wird, sind Gerüchte, Vermutungen und Interpretationen.

Die aktuellen Auseinandersetzungen haben eine längere Vorgeschichte. Im engeren Sinn begannen sie damit, dass Netanjahus Büro am 11. März überraschend einen Flug des Premiers nach Abu Dhabi ankündigte und kurz darauf mitteilte, der Besuch sei verschoben worden. Zur offiziellen Begründung hieß es bald darauf, dass Jordanien dem Flugzeug Netanjahus den Start in Amman verweigert habe. Vorausgegangen war die Absage eines Besuchs des jordanischen Kronprinzen in der Ostjerusalemer Al-Aksa-Moschee. Laut Israel wollte er zu viele Leibwächter mitbringen. Auf die Frage, warum er nicht über Saudi-Arabien statt über Jordanien geflogen sei, antwortete Netanjahu später, der saudische Luftraum sei – wegen der Raketenangriffe aus dem Jemen – nicht sicher.

Gewiss ist, dass Jordaniens Außenminister sich aus diesem Anlass »unglücklich und verärgert« über das Verhalten der israelischen Regierung gegenüber dem Kronprinzen äußerte. Darüber hinaus sprach er auch insgesamt seine Unzufriedenheit mit der Entwicklung des Verhältnisses zwischen den Nachbarländern an, die seit 1994 diplomatische Beziehungen unterhalten. Nicht ganz so sicher ist, dass Netanjahu am 11. März als Vergeltung wirklich den israelischen Luftraum für jordanische Flüge sperren lassen wollte. Die Quellen sind allerdings so zahlreich, dass diese Geschichte »dicht« zu sein scheint.

Wahrscheinlich trifft auch die Meldung des israelischen Fernsehsenders Kanal 12 zu, dass der Premier seinem Außenminister Gabriel Aschkenasi verboten habe, am Montag vor einer Woche nach Abu Dhabi zu fliegen. Der Politiker, der Netanjahus wichtigstem Koalitionspartner, der Partei Blau-Weiß, angehört, hätte in der Hauptstadt der VAE an der Eröffnung der israelischen Botschaft teilnehmen sollen. Die Informationen der Medien über den Zwischenfall stammten angeblich aus dem Außenministerium.

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