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Neue Beweise vorgelegt

USA: Mumia Abu-Jamal kämpft mit Covid-19. Seine Anwälte für ein neues Berufungsverfahren
Von Jürgen Heiser
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Lasst Mumia Abu-Jamal frei: Demo in Philadelphia am 28. November 2020

Der Zustand des politischen Gefangenen Mumia Abu-Jamal auf der Krankenstation des US-Staatsgefängnisses SCI Mahanoy in Frackville (Pennsylvania) ist weiterhin unklar. Sein Verteidigungsteam bemüht sich derzeit darum, dass sein Vertrauensarzt Ricardo Alvarez ihn besuchen darf. Nach jüngsten Informationen von Noelle Hanrahan von Prison Radio konnte Abu-Jamal inzwischen mit seiner Familie kurze Telefongespräche führen. Dabei habe er mitgeteilt, es habe weitere Tests gegeben. Schreiben und andere Außenkontakte sind ihm derzeit unmöglich.

Während die internationale Solidaritätsbewegung eine angemessene medizinische Versorgung des Bürgerrechtlers fordert, verlangt sie auch, dass ihm nach fast 40 Jahren unschuldig erlittener Haft endlich Gerechtigkeit vor den US-Gerichten widerfährt. Im Zentrum dieser juristischen Auseinandersetzung steht Philadelphias Bezirksstaatsanwalt Lawrence Krasner, der das Ende 2018 von Richter Leon Tucker vom Kriminalgericht in Philadelphia gewährte Berufungsverfahren Abu-Jamals vor dem Obersten Gerichtshof Pennsylvanias ablehnt. Am 3. Februar 2021 hatte Krasner Empörung ausgelöst mit einer Stellungnahme beim zuständigen Superior Court, dem zweithöchsten Berufungsgericht Pennsylvanias.

Vor der Presse hatte der Bezirksstaatsanwalt erklärt, die Frage von Schuld und Unschuld sei in dem jahrzehntelangen Verfahren »erschöpfend behandelt worden«. Die Solidaritätsbewegung warf dem früheren Bürgerrechtsanwalt Krasner daraufhin vor, er handele nicht anders als seine »korrupten Vorgänger«. Auch er unterdrücke durch die Ablehnung der Berufungsverhandlung Unschuldsbeweise. Damit gebe er seinen Segen dafür, dass Abu-Jamal, der als Radiojournalist bis zu seiner Verhaftung 1981 immer wieder die rassistische Polizeigewalt in Philadelphia entlarvt hatte, weiterhin als »Polizistenmörder« abgestempelt bleibe.

Am Wochenende wurde nun bekannt, dass Abu-Jamals Anwältin Judith Ritter und ihr Kollege Samuel Spital am vergangenen Mittwoch bei Gericht die Erwiderung auf Krasners Schriftsatz vom Februar eingereicht haben. Unter Vorlage umfangreicher entlastender Beweise widerlegten sie die Argumente des Bezirksstaatsanwalts und beantragten, Krasners Blockierung der Berufungsrechte Abu-Jamals zurückzuweisen. Der Superior Court möge »die Verweigerung des vom Kriminalgericht gewährten Berufungsrechts« durch Krasners Behörde »zurückweisen und die Anweisung erteilen, ein neues Verfahren zu gewähren«, so die Verteidigung abschließend.

Die von der US-Solidaritätszeitung Jamal Journal veröffentlichten Schriftsätze belegen, dass grundsätzliche Fragen in dem von Rassismus und Vorverurteilung geprägten Strafverfahren gegen Abu-Jamal bis heute ungeklärt sind. Die in Paris lebende US-Schriftstellerin Julia Wright erinnerte jetzt im Jamal Journal daran, dass bereits 2013 sowohl Erzbischof Desmond Tutu als auch der inzwischen verstorbene südafrikanische Präsident Nelson Mandela mit Tausenden anderen die sofortige Freilassung des Bürgerrechtlers gefordert hatten. Angesichts der Lebensgefahr, in der ihr Kollege schwebe, warnte Wright davor, die letzten »acht Minuten und sechsundvierzig Sekunden« von George Floyds Martyrium könnten für Abu-Jamal »jederzeit mit dem Stiefel beginnen«, den »das korrupte Strafjustizsystem Pennsylvanias ihm ins Genick setzt«, das »heute durch Larry Krasner verkörpert« werde. Deshalb ruft Wright dazu auf, weiter die im Jamal Journal veröffentlichte Petition (https://campaigns.organizefor.org/petitions/to-da-krasner-stop-defending-mumia-abu-jamal-s-conviction) zu unterschreiben und Abu-Jamals sofortige Freilassung zu fordern.

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