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Aus: Ausgabe vom 19.03.2021, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Profit mit dem Tod

Rheinmetall rüstet auf

Steigende Militärausgaben bescheren Konzern Gewinne in Milliardenhöhe
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Schon fast ein Oldtimer: Ein Bundeswehr-Schützenpanzer des Typs »Marder« bei einer Übung (Münster, 11.10.2019)

Die Waffenschmiede Rheinmetall sieht sich beim Verkauf von Panzern auf starkem Wachstumskurs. Das Militärgeschäft werde von 3,7 Milliarden Euro Umsatz im vergangenen Jahr auf voraussichtlich 5,5 Milliarden Euro im Jahr 2025 steigen, sagte Vorstandschef Armin Papperger am Donnerstag in Düsseldorf.

Gewinnbringend seien insbesondere die Panzer. Als Beispiel nannte der Manager einen Auftrag im Wert von 750 Millionen Euro aus Großbritannien, mit dem er fest rechne und der in Kürze kommen soll. Bereits vorhandene »Challenger 2«-Panzer sollen einen neuen Turm samt 120-Millimeter-Kanone von Rheinmetall erhalten. Mit Blick auf das Geschäft mit Panzern und Militärlastwagen sagte Papperger: »Wir sehen in den nächsten zehn Jahren ein Auftragspotential, das zwischen 30 und 60 Milliarden Euro groß ist.« Militärfahrzeuge seien 40 bis 50 Jahre lang im Dienst – mit Wartungsarbeiten und Munitionslieferungen werde Rheinmetall also auch langfristig »ein sehr gutes Geschäft« machen. Das Unternehmen ist in Deutschland besonders für den »Leopard 2«-Panzer bekannt, den es zusammen mit Krauss-Maffei Wegmann aus München herstellt.

Als Grund für die wirtschaftlich positive Perspektive verwies der Konzernchef auf weltweit steigende Rüstungsausgaben. 2020 sicherte sich Rheinmetall zum Beispiel eine 3,1 Milliarden Euro schwere Bestellung aus Ungarn, die unter anderem 218 Schützenpanzer umfasste. Aus Australien könnte dieses Jahr die nächste Milliardenorder kommen. Hoffnungen setzt man zudem auf die USA, wo Rheinmetall und seine Wettbewerber in diesem Jahr Aufträge für eine Konzeptstudie bekommen könnten. In zwei Jahren könnte die sogenannte Prototypenphase folgen. »Anschließend wird dann eine Entscheidung getroffen über die Serie – 4.000 Fahrzeuge werden in den USA gebraucht, und es sind über 40 Milliarden Euro, die hier zur Ausschreibung kommen.«

Der Düsseldorfer Konzern hat weltweit rund 23.300 Vollzeitstellen, von denen die Hälfte in Deutschland angesiedelt ist. Dazu kommen noch etwa 9.000 Stellen von Leiharbeitern sowie von Mitarbeitern in chinesischen Gemeinschaftsunternehmen.

Rheinmetall hat neben der boomenden Rüstungssparte auch ein Standbein als Kfz-Zulieferer. Dieser Geschäftszweig ist allerdings schon seit längerem ein Sorgenkind. Ein Teil davon – das Kolbengeschäft mit rund 4.000 Mitarbeitern – steht nun zum Verkauf. 2020 brach der Umsatz in der »Automotive«-Sparte um 21 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro ein – ein Grund war der in der Coronapandemie kriselnde Automarkt. Die »Defence«-Sparte konnte hingegen um sechs Prozent auf 3,7 Milliarden Euro zulegen. (dpa/jW)

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