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Aus: Ausgabe vom 16.03.2021, Seite 8 / Ansichten

Maskenmillionäre des Tages: Yuppies von Emix Trading

Von Simon Zeise
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Ach, die schönen alten Zeiten, als man sie sich noch selbst nähen konnte ...

FFP2-Masken: Der Stoff aus dem die Träume sind. Weil die Mund-Nase-Bedeckung bei Ausbruch der Coronapandemie im »Westen« Mangelware war, ließen sich schwindelerregende Preise erzielen. Zwei einfache Burschen aus der Schweiz versuchten ihr Glück. Jascha Rudolphi und Luca Steffen, Gründer der Firma Emix Trading, gingen praktisch zu Werke. Sie mieteten Frachtflugzeuge und importierten das heiß begehrte Tuch aus Hongkong und Festlandchina. Naiv und frohen Mutes schritten sie zur Tat: »Wir wollten in dieser dramatischen und hektischen Zeit, als alle dringend Masken benötigten, mit unternehmerischer Voraussicht einen Beitrag zum Schutz der Gesundheit leisten, und das ist uns über alles gesehen auch gelungen«, erzählten sie der NZZ Mitte Februar. Voller Freude, Gutes bringen zu dürfen, hatten sie sich ins Geschäft gestürzt. Für 2,80 Franken das Stück kauften die beiden ein und wurden die Masken für zehn Franken pro Stück wieder los. Da sie das Geschäft im großen Stil, u. a. für die Schweizer Armee abwickelten, wurden sie durch die Coronakrise zu Millionären. »Zwei dicke Bentleys und ein Ferrari mit Flügeltüren« zieren seither die Firmeneinfahrt, berichtete die FAZ am Wochenende.

Am Montag stand die Causa auf der Tagesordnung im Nationalrat. Die nun einsetzende Empörung finden die beiden ungerecht. »Es ist nicht einfach, wenn man in den Medien liest, man sei ein Schnösel und Betrüger«, klagte Steffen. Und sein Kumpel Rudolphi räumte ein wenig verlegen ein, dass es vielleicht etwas »unsensibel« gewesen sei, von steuerfinanzierten Maskengewinnen Luxusautos zu kaufen. Zumal die beiden Zürcher Buben ihren Firmensitz in den Steueroasenkanton Zug verlegt haben. Dass sie von Anwälten mit Klagen wegen der Wucherpreise überzogen werden, finden sie dann aber doch gemein. Schließlich hätten sie die Masken zu Marktpreisen weiterverkauft.

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Debatte

  • Beitrag von Michael M. aus B. (16. März 2021 um 03:48 Uhr)
    Es ist schlicht bescheuert, sich über Kapitalisten zu echauffieren, die wie Kapitalisten handeln.

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