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Aus: Ausgabe vom 13.03.2021, Seite 8 / Ansichten

Zweite Front

Bundesmarine im Südchinesischen Meer
Von Jörg Kronauer
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Das deutsche U-Boot »U33« kehrt von einer Aufklärungsfahrt nach Eckernförde zurück (25.5.2020)

Hat er »Kampfbereitschaft« gesagt? Da kreuzen seit Jahr und Tag US-Kriegsschiffe vor der chinesischen Küste, zuletzt in steigender Frequenz. Da schicken immer mehr westliche Staaten Zerstörer, Atom-U-Boote zu Patrouillen ins Südchinesische Meer, jüngst Frankreich, bald Großbritannien, das einen Flugzeugträger in das Gewässer entsenden will. Da halten die USA dort inzwischen Kriegsübungen mit Flugzeugträgerkampfgruppen im Doppelpack ab, planen die Stationierung von Mittelstreckenraketen auf der »ersten Inselkette« östlich und südöstlich Chinas, während US-Militärstrategen öffentlich darüber spekulieren, ob es zehn oder vielleicht eher 15 Jahre dauern werde, bis man Krieg gegen die Volksrepublik führe – und da fordert Staatspräsident Xi Jinping, um »nationale Souveränität, Sicherheit und Entwicklungsinteressen« des Landes zu verteidigen, müsse man notfalls »Kampfbereitschaft« demonstrieren? »Irritierend martialisch«, befand am Freitag Annegret Kramp-Karrenbauer, Ministerin für – na? Für den Streichelzoo?

Getreu der Maxime, dass man sich im Westen aufgeklärt-humanistisch gibt und Militarismus in schönen Reden verdammt, bevor man die Waffen sprechen lässt, verband die Militärministerin ihre geheuchelte Empörung über Xi mit der Bestätigung, Anfang August werde die Fregatte »Bayern« in Richtung Südchinesisches Meer entsandt: Deutschland beteiligt sich am Aufmarsch der westlichen Flotten vor der chinesischen Küste – wie gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als die Kaiserliche Marine im Südchinesischen Meer kreuzte. Der Unterschied: Damals befand sich China im Abstieg, wurde von den Kolonialmächten, darunter das Deutsche Reich, immer weiter in den Abgrund getrieben. Heute ist es der Westen, der schwächer wird, dessen herrschende Kreise die Volksrepublik niederhalten müssen, wollen sie die Herren der Welt bleiben, zu denen sie einst auch mit ihren Siegen über das zuvor mächtige China wurden. Gelingt das nicht per Wirtschaftskrieg, dann bliebe nur physische Gewalt.

Risikofrei ist der Versuch, Deutschlands Wohlstand vor den chinesischen Küsten zu verteidigen, freilich nicht. Spitzenkonzerne der Auto-, der Halbleiter- und anderer Branchen erzielen inzwischen ein Drittel ihres Umsatzes oder mehr in China. Das bremst die martialische Kanonenbootpolitik, was Berlin anbelangt, noch ein wenig. Die Fregatte »Bayern« wird bestimmte, in den USA populäre Provokationen – Durchfahrten durch Zwölfmeilenzonen umstrittener Inseln –, wohl unterlassen. Das ändert nichts daran: Deutschland beginnt mit dem Aufbau einer zweiten östlichen Front.

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