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Aus: Ausgabe vom 08.03.2021, Seite 8 / Ansichten

Bedrohtes Monopol

Macht des Westens schwindet
Von Jörg Kronauer
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China ist längst zum Rettungsanker für viele deutsche Unternehmen geworden: Verladung von Containern in Erenhot im Norden der Volksrepublik

Im Machtkampf des Westens gegen China zeichnen sich die nächsten Turbulenzen ab. Gerade erst hat die Volksrepublik neue Erfolge vermelden können: Während der Nationale Volkskongress in Beijing seine Jahrestagung abhält, haben die Zollbehörden am Sonntag bekanntgegeben, dass die chinesischen Exporte in den ersten zwei Monaten 2021 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 60,6 Prozent in die Höhe geschnellt sind. Zwar führt die Zahl, die prompt auch in Deutschland Schlagzeilen machte, isoliert betrachtet in die Irre: Die Vergleichsmonate waren genau diejenigen, in denen die chinesische Wirtschaft Anfang 2020 wegen der Pandemie teilweise zum Stillstand kam. Trotz dieser Einschränkung übertraf das Wachstum der Exporte wie auch der Importe alle Vorhersagen der politischen Auguren. Nicht nur China, auch andere profitieren davon: Während etwa die deutschen Ausfuhren in die meisten Länder 2020 schwer einbrachen, blieben sie in die Volksrepublik in der Jahressumme stabil und nehmen inzwischen wieder deutlich zu. China ist längst zum Rettungsanker für viele deutsche Unternehmen geworden.

Nur: Wirtschaftliche Stärke ist letztlich die Grundlage für politische und auch militärische Macht. China übertreffe Russland »zunehmend im Rahmen weltweiter Einflussnahme«, heißt es in einem internen Papier des Bundesverteidigungsministeriums, das am Sonntag in Auszügen bekannt wurde. Dabei habe Beijing vor allem die »Absicherung der wirtschaftlichen Entwicklung und Gestaltung internationaler Ordnung entlang eigener Interessen« im Blick. Nun, das ist nichts anderes als das, was im gegenwärtigen Weltsystem ausnahmslos alle Staaten anstreben, sofern sie ausreichend Machtpotential haben. Doch Chinas schnell wachsender Einfluss, der sich auch in den neuen Exporterfolgen zeigt, bedroht das westliche Gewaltmonopol. Man darf sicher sein, dass der Westen versuchen wird, dies mit aller Kraft zu verhindern.

Und in der Tat: Gerade erst hat Frankreich ein Kriegsschiff im Südchinesischen Meer patrouillieren lassen und gemeinsame Manöver mit Indien, Australien und Japan angekündigt; gerade erst ist bestätigt worden, dass die deutsche Fregatte »Bayern« im Sommer gleichfalls im Südchinesischen Meer kreuzen wird. Da kündigt Australiens Premierminister Scott Morrison auch noch an, dass in Kürze ein erstes Gipfeltreffen des gegen China gerichteten »Quad«-Pakts stattfinden könnte, in dem die USA sich mit Japan, Australien und Indien zusammengetan haben. Mit Blick auf diese und andere Turbulenzen hat Chinas Außenminister Wang Yi die USA am Sonntag zu Zurückhaltung aufgefordert und mit Blick auf die immer offenere US-Kooperation mit Taiwan klargestellt, dass es für Beijing »rote Linien« gibt – etwa das Ein-China-Prinzip. Rote Linien kann man überschreiten; allerdings löst man damit wissentlich eine unkontrollierbare Konflikteskalation aus.

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Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Istvan Hidy: Logische Kontraposition Zitat: »Wirtschaftliche Stärke ist letztlich die Grundlage für politische und auch militärische Macht.« Daraus folgt im Umkehrschluss, dass statt Drohungen, Provokationen oder Sanktionen mit offenem W...

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