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Aus: Ausgabe vom 05.03.2021, Seite 5 / Inland
Autokonzern zerschlagen

Opel-Chefs kürzen sich zum Erfolg

Geplante Absenkung der Betriebsrenten soll Gewinne garantieren
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Opel-Boss Carlos Tavares will die Betriebsrenten abschaffen

Der neue Autogigant Stellantis mit Marken wie Opel, Peugeot und Fiat hat nach eigener Einschätzung »einen fliegenden Start« hingelegt. »Wir beginnen Stellantis mit einer soliden Basis«, sagte Konzernchef Carlos Tavares am Mittwoch bei einer Onlinepressekonferenz.

Opel-Chef Michael Lohscheller sieht sein Unternehmen als einzige deutsche Marke im Konzern als gut aufgestellt an. Fiat Chrysler (FCA) und der Peugeot-Hersteller PSA hatten vor eineinhalb Monaten ihre Fusion zum viertgrößten Autobauer der Welt abgeschlossen. Der Konzern führt 14 Marken, dazu gehören auch Citroën, Jeep, Maserati und Alfa Romeo. Die Gruppe beschäftigt rund 400.000 Arbeiter und setzte im vergangenen Jahr gemeinsam knapp sechs Millionen Fahrzeuge ab. Für das laufende Jahr gab Tavares eine operative Rendite in der Spanne von 5,5 bis 7,5 Prozent vor – im vergangenen Jahr hatte der bereinigte Wert zusammengerechnet nur 5,3 Prozent betragen. Bei der Ansage wird aber vorausgesetzt, dass es im Jahresverlauf nicht zu längeren Shutdowns kommen wird.

Der als knallharter Kostenmanager bekannte Tavares hatte bereits zu Jahresbeginn deutlich gemacht, dass Fabriken von Fiat Chrysler (FCA) in Italien leistungsfähiger werden sollen. Es sollen fusionsbedingt keine Werke geschlossen werden. Die deutsch-britische Tochter Opel-Vauxhall, die bisher zu PSA gehörte, erzielte einen operativen Gewinn von 527 Millionen Euro, das war etwa die Hälfte weniger als zuvor (1,1 Milliarden Euro). Das reiche auch unter Berücksichtigung der gesunkenen Restrukturierungskosten unter dem Strich zu einem Gewinn, versicherte ein Opel-Sprecher. Der Opel-Absatz brach mit minus 35 Prozent stärker ein als bei den anderen PSA-Konzernmarken. In einer Mitarbeiterbotschaft verkündete der Opel-Chef zudem eine erneute Erfolgsprämie von 500 Euro pro Kopf, die im April ausgezahlt werde.

Der Personalabbau müsse hingegen weiter zügig umgesetzt und die betriebliche Altersversorgung »angepasst« werden. In beiden Punkten hatte es zuletzt Konflikte mit den Betriebsrat und der IG Metall gegeben. Nachdem das Unternehmen in Verhandlungen seine Vorstellungen für die rund 15.000 Mitarbeiter konkretisiert hatte, sprach der Betriebsrat am 23. Februar in einer Pressemitteilung von einem »Skandal«. Die Betriebsrenten sollten um 80 Prozent gesenkt werden, schrieben die Beschäftigtenvertreter in einem intern veröffentlichten Newsletter. Für jeden Arbeiter solle nur noch ein monatlicher Betrag von rund 80 Euro oder weniger zur Verfügung stehen, erklärte der Betriebsrat. Zinserträge würden nicht mehr garantiert und erstmals werde eine Eigenbeteiligung der Beschäftigten von einem Drittel vorausgesetzt. In »trügerischen« Beispielrechnungen gehe Opel von jährlichen Einkommenssteigerungen von drei Prozent und einer Verzinsung des Kapitals von vier Prozent aus, wolle dies aber nicht garantieren. Das Unternehmen des Stellantis-Konzerns wies die Darstellung zurück. (dpa/jW)

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