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Aus: Ausgabe vom 02.03.2021, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft
Luftverkehr

Absturz aus Traumberuf

Coronakrise bringt Tausende Piloten von Airlines um ihren Job
Von Bernd Müller
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Für viele Piloten, aber auch das Bordpersonal, sieht die berufliche Zukunft trübe aus

Der Beruf des Piloten galt lange Zeit als Garant für hohe Einkommen und gesellschaftliches Ansehen. Nun hat die Coronakrise die Luftfahrtbranche hart getroffen und viele Piloten stehen vor dem beruflichen Aus. Die Bundesregierung tut ihr übriges, um dem Flugpersonal das Leben nicht leichter zu machen.

Die europäische Pilotenvereinigung EPA schätzt, dass von den rund 65.000 Flugkapitänen und Kopiloten etwa 18.000 ihren Beruf dauerhaft an den Nagel hängen müssen. Allein beim EU-Marktriesen Deutsche Lufthansa sollen im kommenden Jahr bis zu 1.200 von ihnen gehen, schätzt die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) laut einer Pressemitteilung vom Montag. Das wären mehr als jeder Fünfte.

Und denen, die noch nicht auf der Straße stehen, wird das Leben durch die Bundesregierung schwergemacht. Ein Beispiel: Malta Air. VC und Malta Air forderten am Montag gemeinsam die Bundesagentur für Arbeit und die Bundesregierung auf, die Mitarbeiter der Airline während der Pandemie genauso zu behandeln wie die Kollegen anderer Fluggesellschaften. Sie fordern konkret, dass den in Deutschland ansässigen Piloten Kurzarbeitergeld gezahlt wird.

In der Pandemie hatte Malta Air mit den Piloten Vereinbarungen getroffen, um den Verlust von Arbeitsplätzen zu vermeiden. Dazu gehörten Kurzarbeit und deutliche Einschnitte bei den Einkommen. Dafür sollten die Arbeitsplätze der Crews mindestens bis zum 31. Dezember 2021 erhalten bleiben. Wie VC mitteilte, hatte die deutsche Regierung – insbesondere die Agentur für Arbeit Köln – entschieden, den in Deutschland angestellten Crews von Malta Air kein Kurzarbeitergeld zu zahlen.

Nun stehen deren Jobs auf der Kippe, obwohl sie »in Deutschland volle Steuern und Sozialabgaben« zahlen, sagte VC-Sprecher Janis Schmitt. Sie hätten vollen Anspruch auf Kurzarbeitergeld und alle anderen Sozialleistungen. Es sei inakzeptabel, wenn die Bundesagentur diesen Anspruch verweigern könnte. »Sowohl Italien, Frankreich, Portugal, Spanien, Großbritannien als auch Belgien haben die Ryanair Group als Arbeitgeber mit allen Rechten und Pflichten anerkannt und entsprechende Leistungen im Zusammenhang mit Kurzarbeit« gezahlt, so Schmitt weiter.

Die Krise der Branche wird nicht schnell vorbei sein. Ein neuer Forschungsbericht des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) geht davon aus, dass die deutsche Wirtschaft noch mindestens bis 2025 die Folgen der Pandemie spüren werde. In der Luftfahrt dauere es sogar noch länger.

Die Lufthansa hofft, dass der Sommer etwas Aufschwung bringt. Von den Drehkreuzen Frankfurt am Main und München aus wolle man dann 33 neue Urlaubsziele anfliegen, teilte der Konzern kürzlich mit. Vorausgesetzt wird dabei, dass bis dahin mehr Menschen gegen das Virus geimpft sein werden und viele Länder ihre Einreiseregeln lockern. »Wir wissen, dass die Nachfrage stark steigt, sobald Reiserestriktionen fallen«, hatte Vorstandsmitglied Harry Hohmeister kürzlich erklärt.

Dabei setzen Luftfahrt und Reisebranche auf eine Kategorisierung ihrer Kunden: »Ein europäischer Impfpass kann dabei helfen, Reisefreiheit wiederherzustellen«, hatte Friedrich Joussen, Chef des Touristkonzerns Tui, kürzlich gesagt. Man sei schon mit mehreren Mittelmeerstaaten in enger Abstimmung für die Sommersaison.

Trotz derartiger »Hoffnungen« werden viele Piloten voraussichtlich auf der Strecke bleiben. Erhard Walther, Chef und Gründer der Hamburger Beratungsgesellschaft Interpersonal, sagte am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur dpa: »Ich fürchte, dass einige Piloten verglühen.« Es sei sehr aufwendig, Lizenz und medizinische Voraussetzungen aufrecht zu erhalten. Für ältere Kollegen würde sich das auch nicht mehr rechnen, und wer jung sei und eine Familie zu ernähren habe, werde wohl in andere Berufe wechseln. Doch auch das dürfte schwer werden, denn auch ein klassisches Betätigungsfeld für Expiloten sei versperrt: »Die Flughäfen und Zulieferer haben im Moment selbst zu große Mannschaften an Bord.«

Wer fürchtet sich eigentlich vor wem?

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