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Aus: Ausgabe vom 27.02.2021, Seite 8 / Ansichten

Geschäftsidee des Tages: Impfflieger

Von Reinhard Lauterbach
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Einkaufsbummel in New York? Nein, erst mal geht’s zum Impfen in Russland ...

Onlinemeetings statt Dienstreisen, eingestellter Tourismus – die Lufthansa leidet unter den Pandemiefolgen ebenso wie die ganze Branche. Jetzt sollen schlaue Köpfe im Management eine Idee gehabt haben, wie man wenigstens ein klein bisschen Bewegung in den Shutdown bringen könnte. Wie die britische Wirtschaftsagentur BNE Intellinews am Donnerstag berichtete, verhandelt die Airline mit dem russischen Außenministerium über die Idee, im Transitbereich des Moskauer Flughafens Domodedowo ein Coronaimpfzentrum einzurichten. Für 1.000 Euro könnten Kunden, die von der Warterei auf einen Impftermin hierzulande genervt sind, von Deutschland aus nach Moskau fliegen, sich den Schuss setzen lassen, am selben Tag zurückfliegen, und dasselbe zwei Wochen später für die Auffrischungsimpfung nochmals. Ob aus der Idee etwas wird, ist noch nicht klar.

So teuer ist das entgegen dem ersten Anschein gar nicht. Für einen angenommenen Termin Mitte März gibt es Lufthansa-Flüge von Frankfurt am Main nach Domodedowo und am selben Tag zurück ab etwa 800 Euro pro Person – in der (Medizin)Touristenklasse, hoffentlich mit eingehaltenen Abständen im Flugzeug. Mal zwei wären das dann schon 1.600 Euro. Die reinen Impfkosten mit dem russischen Präparat »Sputnik V« liegen laut BNE pro Dosis bei etwa zehn US-Dollar.

Die wird man am Flughafen mit zwei Bierchen in der Wartezeit ohne Schwierigkeiten auch los. Vielleicht sollte die Lufthansa gleich konsequent sein und ihre »Senator-Lounges« in Frankfurt oder München zu Impfzentren umbauen? Sie stehen doch im Moment ohnehin leer. Das würde den Passagieren auch noch die Reisezeit sparen. Dazu ein Ticket für einen fiktiven Rundflug über das Rhein-Main-Gebiet oder Oberbayern als Vorwand, um in die Lounge reinzukommen.

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Die Bundesregierung sagt: der Tageszeitung junge Welt sei mit geheimdienstlichen Mitteln der »Nährboden zu entziehen«. Wirtschaftlich und wettbewerbsrechtlich negative Folgen durch die Nennung der Zeitung im Verfassungsschutzbericht seien sogar beabsichtigt.

Unsere Antwort darauf kann nur sein, dass sie mit diesem grundgesetzwidrigen Eingriff in die Presse- und Meinungsfreiheit genau das Gegenteil erreichen! Deshalb fordern wir alle Freunde, Leserinnen und Leser, Unterstützer, Autoren und Genossenschaftsmitglieder auf: Tun wir alles, um den »Nährboden« der jungen Welt zu stärken – jetzt erst recht!

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Torsten Andreas S. (27. Februar 2021 um 03:19 Uhr)
    Ich bin dafür!

    Es müssen nur ein paar Millionen Bäume geschlachtet werden. Daraus machen wir Papier für Flugscheine und die Zugangskarten für alle VIP-Lounges. Wir drucken acht Milliarden 1.800-Euronoten für alle – schon ist das Problem der Impfkampagne aus der Welt! ENDLICH!

    Besser geht's nicht.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Hagen R. (26. Februar 2021 um 20:32 Uhr)
    Das klingt zwar irgendwie lustig, ist aber eigentlich eher traurig. Russland hat erst gut zwei Millionen seiner eigenen Bürger geimpft. Das sind noch deutlich weniger als in Deutschland. Wie kommt man da auf die Idee, zuerst aus dem Ausland einfliegenden Geschäftsleuten den Impfstoff anzubieten?

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