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Aus: Ausgabe vom 25.02.2021, Seite 2 / Inland
Prozess gegen Abu Walaa

Lange Haft für »IS«-Prediger

Abu Walaa zu zehneinhalb Jahren verurteilt, »V-Mann« des NRW-Landeskriminalamts spielte Schlüsselrolle im Prozess
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Der nun verurteilte Salafistenprediger Abu Walaa im Oberlandesgericht Celle hinter einer Glasscheibe (28.1.2020)

Das Oberlandesgericht Celle hat den mutmaßlichen Deutschland-Chef der Dschihadistenmiliz »Islamischer Staat« (IS) zu zehneinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Gericht erklärte den 37jährigen Iraker Ahmed Abdulasis Abdullah A. alias Abu Walaa am Mittwoch wegen Unterstützung und Mitgliedschaft in der Organisation für schuldig. Er und sein Netzwerk haben nach Überzeugung der Richter junge Leute vor allem im Ruhrgebiet und in Niedersachsen radikalisiert und in die »IS«-Kampfgebiete geschickt. Der Salafistenprediger war Imam der Moschee des inzwischen verbotenen Vereins »Deutschsprachiger Islamkreis Hildesheim«.

Drei Mitangeklagte erhielten Haftstrafen zwischen gut vier und acht Jahren. Für Abu Walaa hatte die Bundesanwaltschaft elfeinhalb Jahre Haft gefordert, für die übrigen Angeklagten zwischen viereinhalb und zehn Jahren. Die Verteidigung hatte dagegen auf Freispruch plädiert beziehungsweise deutlich mildere Strafen gefordert.

Eine Schlüsselrolle in dem Verfahren spielte – neben einem Kronzeugen – der ehemals wichtigste »V-Mann« des Landeskriminalamtes (LKA) Nordrhein-Westfalen in Islamistenkreisen, »Murat Cem«. Auf dessen Angaben stützte sich die Anklage. Er wird behördenintern auch als »VP-01« geführt. Für den Prozess gegen Abu Walaa erhielt »Murat Cem« jedoch keine Aussagegenehmigung.

Ein mitangeklagter Deutsch-Serbe, der am Mittwoch acht Jahre Haft erhielt, soll übrigens den später als Lkw-Attentäter vom Breitscheidplatz in Berlin identifizierten Tunesier Anis Amri zeitweise in Dortmund beherbergt haben. Für Abu Walaa sei Amri allerdings keine wichtige Person gewesen, hatte eine Exbeamtin des Verfassungsschutzes im September 2020 vor dem Untersuchungsausschuss im Bundestag zum Anschlag behauptet (siehe jW vom 19.9.2020). Von einer laut LKA NRW 30 Minuten andauernden »Privataudienz« bei Abu Walaa hatte die Zeugin angeblich nichts gewusst. »Murat Cem« wechselte einst in die Islamistenszene, nachdem er gegen Geld wertvolle Informationen aus anderen Kriminalitätsbereichen geliefert hatte. Er hatte Zugang zum Zirkel um Abu Walaa erlangt, wo er auch Amri kennenlernte. Vor ihm hatte »Murat Cem« gegenüber den Behörden mehrfach gewarnt. (dpa/jW)

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