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Aus: Ausgabe vom 24.02.2021, Seite 10 / Feuilleton

Schrader, Koch, Stecher, Seifert

Von Jegor Jublimov
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Kompromisslos und dialektfrei: Martin Seifert auf der Bühne des Berliner Ensembles (2015)

»Ich glaube, die Leute wollen heute von ernsten Dingen ernsthaft reden hören, sie wollen den Eindruck haben, dass der, der etwas sagt, die Verantwortung übernimmt für das, was er sagt.« Trifft diese Aussage nicht meist für den Schauspielerberuf zu? Zitiert wurde der Autor Slawomir Mrozek vom Schauspieler Mathis Schrader in der freien Produktion »Tango« in den 80er Jahren. Er studierte an der heutigen Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« in Berlin, spielte an Theatern in Thüringen und Sachsen und war daneben in etlichen großen Fernsehrollen neben Partnerinnen wie Madeleine Lierck und Renate Blume zu sehen. Später gaben ihm Defa-Regisseure wie Frank Beyer, Roland Gräf und Herrmann Zschoche interessante Charakterrollen. Am Montag ist er 75 Jahre alt geworden.

Am selben Tag beging Hannelore Koch ihren 70. Geburtstag. Ihr künstlerisches Zuhause ist bis heute das Staatstheater Dresden. Hier feierte sie als Eva 1973 ihr spektakuläres Debüt in der Uraufführung von Peter Hacks’ »Adam und Eva« und wurde gleich zu den Berliner Festtagen eingeladen. Andere Aufführungen mit ihr kamen gelegentlich ins Fernsehen, etwa »Nathan der Weise« und »Emilia Galotti«. Auch im »Polizeiruf 110« war sie mehrmals dabei. 2017 machte sie einen Abstecher ans Theater Konstanz, wo sie gemeinsam mit ihrer Schwiegermutter Irma Münch in dem Stück »Gestern ist auch noch ein Tag« auftrat.

Der dritte Theaterjubilar vom Montag ist Thomas Stecher. Er kam 1961 als Kind der Schauspieler Kati Szekely und Hans-Edgar Stecher zur Welt. Schon mit zehn spielte er seine erste Rolle an der Berliner Volksbühne, trat bald im Fernsehen auf und bekam in den 80er Jahren große Filmrollen (»Romanze mit Amelie«, »Jorinde und Joringel«). Am Dresdner Staatstheater war er für einige Jahre auch Hannelore Kochs Kollege. Nach Zwischenstationen am Berliner Ensemble und in Senftenberg ist er jetzt wieder in Dresden zu Hause, wo er auch Regie führt. Seine Fernsehkarriere hat in den letzten Jahren u. a. mit Auftritten bei »Tatort« und »Polizeiruf 110« erneut Fahrt aufgenommen.

»Wenn es um die Arbeit geht, kennt er keine Kompromisse«, schrieb der Filmspiegel 1983 über Martin Seifert. Tatsächlich wollte der in Jena aufgewachsene Schauspieler immer wieder Kritik hören. »War ich dialektfrei?« fragte er Kollegen nach Vorstellungen im Berliner Ensemble, dabei hatte er zuvor schon am Staatstheater Schwerin sein Thüringisch abgelegt. Als junger Schauspieler konnte er sich in Filmen wie »Bis dass der Tod euch scheidet« neben Katrin Sass und »Mathilde Möhring« neben Renate Krößner beweisen. Mit zunehmendem Alter setzte er sich in oft skurrilen Nebenrollen durch und ist dem jungen Publikum als Butler Dagobert in der Spielfilmserie »Bibi und Tina« ein gern gesehener Begleiter. Am heutigen Mittwoch ist sein 70. Geburtstag!

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