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Aus: Ausgabe vom 22.02.2021, Seite 8 / Ansichten

Bill Gates des Tages: Conni

Von Michael Merz
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Conni mit Kater Mau

Es ist nicht neu, dass »Querdenker« gern mal Kinder für ihre Zwecke einspannen. Die Kleinen werden entweder auf die Bühnen der Möchtegernrebellen gestellt und sollen vorbereitete Redebeiträge vom Zettel ablesen, oder sie finden sich in den Demonstrationsreihen wieder, um die eh schon an Harmlosigkeit schwer zu unterbietenden Reaktionen der Polizei noch mehr zu marginalisieren. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hat das eine oder andere schon mal ein Pixi-Buch von Conni in der Hand gehabt.

Das wird sich nun ändern. Denn Conni, die Heldin der seit den 90ern erscheinenden Kinderbuchreihe, hat es sich mit denen verscherzt, die Corona für eine Grippe halten. Dabei lässt sich mit ihr wahrlich keine Revolution machen. Conni ist so bieder, dass es Menschen, die mit Alfons Zitterbacke, dem braven Schüler Ottokar oder Pippi Langstrumpf aufgewachsen sind, kalt den Buckel runterläuft: Bei ihr ist die Rollenverteilung von Mama und Papa gesetzt, sie macht stets, was die Eltern vorgeben, und in der Schule gibt’s eine Eins nach der anderen. Nur 2015, während der Kitaarbeitskämpfe, muckte Conni gemäßigt auf: »Carla, Fabio und Mama streiken«, hieß es damals. Auf den letzten Seiten war wieder alles gut, Mama durfte später zur Arbeit kommen, und es blieb Zeit fürs Familienfrühstück.

Jetzt ist ein neues Conni-Buch herausgekommen, das Mädchen gibt darin den Kindern Tipps, wie sie durch die für die meisten nicht leichte Zeit der Coronakrise kommen. Da platzt dem Pandemieleugner natürlich der Herzchenluftballon. Auf Youtube und in Amazon-Rezensionen gibt’s Saures: »Jetzt werden schon die Jüngsten manipuliert. Was tut ihr den armen, unschuldigen Kindern an! (…) Das müsste bestraft werden!«, steht da. Schockiert, entsetzt, fassungslos seien sie. Klingt nicht so, als hätten die Großen etwas über den Umgang mit dem Virus hinzugelernt. Aber man kann ja klein anfangen.

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Debatte

  • Beitrag von Martin B. aus R. (21. Februar 2021 um 22:57 Uhr)
    Danke für die Aufklärung!

    Mein Kumpel ging doch tatsächlich vor ein paar Tagen auf eine Querdenker-Demo!

    Ich muss jetzt unbedingt mal mit ihm reden. Er glaubt doch wirklich, er sei links, er hält sich für kritisch.

    Ich werde ihm erklären, dass es jetzt so wichtig ist, immer eine FFP2-Maske zu tragen. Wegen der Mutanten. Wir stehen vor einer dritten Welle, sagt Karl Lauterbach. Wer wirklich links ist, marschiert stramm auf Regierungskurs! Wir müssen Merkel, Drosten und Spahn dankbar sein. Sie sind die Kämpfer für die wahre, virenfreie, saubere Welt. Die anderen sind rechts. Wir werden euch alle impfen, ihr Coronaleugner!

    Und dem freundlichen älteren Ehepaar mit ihren Qualitätsmasken in ihrem putzigen Renault Zoe werde ich auch morgen wieder zuwinken.

    M.

    Ein echter Linker aus dem Südwesten
  • Beitrag von Marco O. aus B. (21. Februar 2021 um 23:17 Uhr)
    Dem gibt es NICHTS hinzuzufügen ...
  • Beitrag von Holger W. aus K. (22. Februar 2021 um 07:04 Uhr)
    Schafft ihr es irgendwann einmal wieder, auch eine Ausgabe ohne Regierungspropaganda zu erstellen?
  • Beitrag von Raphael B. aus C. (22. Februar 2021 um 09:50 Uhr)
    Ausschließeritis ist als linke Krankheit zu akzeptieren und mit Toleranz zu behandeln!

    (Frei nach einem Zitat vom Regimekritiker Dracula)
  • Beitrag von Hagen R. aus R. (22. Februar 2021 um 09:51 Uhr)
    Der Redaktion der jW hier »Regierungspropaganda« vorzuwerfen ist Teil einer Hybris. Man selbst ist so schlau, weil man sich auf bestimmten Internetseiten »informiert« hat, viel schlauer als Journalisten, deren Job es ist, Fakten zu recherchieren. Darum hat man selbst die Wahrheit erkannt, aber das Team der jW ist so dumm und lässt sich blenden.

    Heute im Digitalzeitalter kann man sich zum Glück selbst eine Meinung bilden und ist nicht darauf angewiesen, einer bestimmten Zeitung oder einem bestimmten Webportal zu glauben. Hier gibt es zum Beispiel die amtlichen Gesamttotenzahlen nach Woche und Bundesland aufgeschlüsselt:

    https://ec.europa.eu/eurostat/de/data/database?node_code=demomwk

    Und da kann man einfach nachschauen, wer recht hat:

    – Ist es so, wie RT Deutsch behauptet, dass die Übersterblichkeit daher kommt, dass es einfach mehr alte Menschen gibt als früher? Nein, ist es nicht, denn dann müssten ja das ganze Jahr über mehr Menschen sterben als in den Vorjahren. Tun sie aber nicht, sondern nur in den Monaten, in denen es viele offizielle Coronatote gibt.

    – Ist es so, dass die Toten die Folge des Lockdowns sind (Vereinsamung von Alten etc.)? Nein, ist es nicht. Denn dann müssten ja bundesweit in den entsprechenden Monaten mehr Menschen sterben, denn der Lockdown betrifft ganz Deutschland. Komischerweise gibt es die vielen Toten aber nur in den Bundesländern mit hoher Inzidenz.

    Es ist also ziemlich simpel, selbst auf die Wahrheit zu kommen. Außer, man will sie nicht wahrhaben, weil man dazu sein Weltbild zu sehr umbauen und sicher geglaubte Gewissheiten in Frage stellen muss, wie dass man selbst immer der schlauste ist.
    • Beitrag von Olaf M. aus M. (22. Februar 2021 um 10:45 Uhr)
      Ich finde, der Begriff »Regierungspropaganda« trifft’s sehr gut, Hagen. Leider!

      Um einen Punkt herauszugreifen: Deine Ausführungen zu RT Deutsch spielen vermutlich auf den Artikel von jW-Autorin Susan Bonath auf RT Deutsch vom 2.2.21 an. Darin hat sie überzeugend dargelegt, dass die Sterberate der über 80jährigen im Jahr 2020 mit etwa 10,15 Prozent das Mittel der Jahre 2016 bis 2019 von 10,3 Prozent nicht übersteigt. Somit lässt sich die höhere Sterblichkeit im Jahre 2020 sehr wohl durch die demographische Entwicklung erklären.

      Wie wäre es, wenn Hagen und Susan sich in die Ladengalerie einmal zusammensetzen und das Thema diskutieren und die interessierte Leserschaft das live am Bildschirm verfolgen kann? Das wäre dem Erkenntnisgewinn auf jeden Fall zuträglicher als die regierungsfromme Einseitigkeit, die die Coronaberichterstattung der jW bisher auszeichnet.
      • Beitrag von Hagen R. aus R. (22. Februar 2021 um 11:19 Uhr)
        Ein 80jähriger hat nicht die gleiche Sterblichkeit wie ein 90jähriger, man muss also innerhalb der Gruppe der über 80jährigen differenzieren. Wenn diese Gruppe stark wächst, weil (aufgrund eines starken Geburtsjahrgangs) viele Leute ihren 80. Geburtstag feiern, dann darf man erwarten, dass die relative Sterblichkeit dadurch sinkt: Diese neuen 80jährigen haben ja eine geringere Sterbewahrscheinlichkeit als die bisher schon in der Gruppe vorhandenen 85- oder 90jährigen. Aber die Rate blieb konstant, d. h. die Menschen starben in jüngerem Alter. Und das liegt eben leider an einem tödlichen Virus, das sie dahinrafft.

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