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Aus: Ausgabe vom 08.02.2021, Seite 3 / Schwerpunkt
Indigener Kampf

»Unmengen an Geld und Anwälten«

USA: Um erfolgreich gegen fossile Energieausbeutung zu kämpfen, braucht es einen langen Atem. Ein Gespräch von Amy Goodman mit Jodi Archambault und Alex White Plume
Von Amy Goodman
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Bei Wind und Wetter: »Wasserschützer« protestieren gegen die Dakota-Access-Pipeline in North Dakota (5.12.2016)

Im Folgenden dokumentiert jW ein leicht gekürztes Gespräch, das Amy Goodman im US-Nachrichtenprogramm »Democracy Now!« am 22. Januar mit Jodi Archambault und Alex White Plume führte.

Jodi Archambault, warum wurde nur die Keystone-XL-Pipeline gestoppt und nicht auch die Dakota-Access-Pipeline?

Mir ist nicht klar, welchen Unterschied die Biden-Regierung macht. Die Dakota-Access-Pipeline (DAPL) ist illegal. Das hat das US-Bundesbezirksgericht festgestellt. Sie verstößt gegen das US-Umweltschutzgesetz NEPA. Im Grunde begeht der Konzern Energy Transfer Partners (ETP) mit dem Betreiben der Pipeline also Landfriedensbruch. Präsident Joseph Biden hätte den Ermessensspielraum, das NEPA-Gesetz anzuwenden. Diese Entscheidung kann er ohne weiteres treffen. Sorgen wegen der Rechtmäßigkeit braucht er sich nicht zu machen, denn es gibt ja dazu bereits Gerichtsentscheidungen. Am besten wäre es, er würde die dagegen eingelegten Einsprüche abwehren und den Ölfluss sofort stoppen.

Alex White Plume, ich möchte Sie nach dem Vermächtnis Ihrer Frau fragen, der Lakota Debra White Plume, die im vergangenen November verstorben ist. Sie wuchs in der Pine Ridge Reservation in South Dakota auf und hat den Kampf gegen die Förderung fossiler Brennstoffe und den Bau von Öl- und Gaspipelines angeführt. Wir lernten sie 2016 beim Widerstand gegen die DAPL kennen, als sie sagte, überall auf der Welt sei das Wasser bedroht, und dass es Menschen gebe, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser hätten. Der Verlust, den Sie erlitten haben, tut mir sehr leid, Alex. Können Sie uns erzählen, wie das Engagement Ihrer Frau begann?

Vor vielen Jahren sagte sie zu mir: »White Plume, ich möchte mit dir über etwas Ernstes reden. Du weißt, ich kämpfe gegen den Krebs. Die Bergbauunternehmen vergiften unser Wasser, und ich habe einen Plan entwickelt. Es wird 25 Jahre dauern, es mit dem größten Uranbergbaukonzern der Welt aufzunehmen« – das war die kanadische Cameco Corporation – »und einer Bergbaufirma in Crow Butte, Nebraska, nur 20 Meilen von unserer Grenze entfernt«. Debra bat mich um meine Unterstützung für diesen langen Kampf. Ich stimmte natürlich zu.

Sie recherchierte sehr gründlich und griff die Unternehmen an ihrem schwächsten Punkt an, dem Genehmigungsverfahren. Sie wollte nicht einfach gegen die Bergbaufirmen losschlagen, sondern studierte ihr Vorgehen genau und fand so den Hebel, den sie ansetzen konnte. Es dauerte zwar 25 Jahre, aber schließlich legte Debra die Uranmine still.

Vor 10 Jahren wurde dann das Genehmigungsverfahren für die Keystone XL-Pipeline (KXL) eröffnet. Sie griff auch dieses Projekt an und stoppte KXL das erste Mal. Es ist nicht einfach, es mit diesen millionenschweren Konzernen aufzunehmen. Die haben Unmengen an Geld und Anwälten. Debra hatte aber immer eine klare Strategie und ist nicht einfach so losgezogen.

Jodi, denken Sie, dass die Biden-Regierung jetzt abwägt, was sie mit der DAPL machen soll?

Ja, ich glaube, dass sie das tut. Dem Betreiber ETP war das Risiko bekannt, das er mit dem Bau der Pipeline einging. ETP beziffert seine bisherigen Kosten auf 7,5 Milliarden US-Dollar. Wenn die Biden-Regierung für Gerechtigkeit und Gleichheit der Ethnien steht, wenn sie für Klimaschutz steht, wann wird es dann um unsere Rechte in Standing Rock gehen? Wann wird es um unser Recht auf sauberes Wasser gehen?

Jodi Archambault ist Angehörige der Standing Rock Sioux und war unter Präsident Barack Obama Assistentin für indigene Angelegenheiten. Alex White Plume war früher Vorsitzender der Oglala Sioux in der Pine Ridge Reservation

Übersetzung: Jürgen Heiser

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