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Aus: Ausgabe vom 29.01.2021, Seite 8 / Abgeschrieben

Bejarano: »8. Mai muss ein Feiertag werden«

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Gedenken am 8. Mai 2020, dem Tag der Befreiung (Berlin)

In einem Statement anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, das von der »Tagesschau« veröffentlicht wurde, sagte Esther Bejarano, Musikerin, Antifaschistin und Überlebende des Vernichtungslagers Auschwitz:

Wo stehen wir in diesem Jahr 76 nach der Befreiung des KZ Auschwitz? Was ist aus unseren Hoffnungen geworden? Wir sind nur noch wenige, wir Überlebende der Konzentrationslager. Wir schweigen nicht. Wir berichten über das, was damals geschah. Werden Bücher, Filme und Erzählungen ausreichen, um die nächsten Generationen zu immunisieren gegen die neuen und alten Nazis, gegen Antisemiten, Rassisten und Verschwörungsideologen?

Aus Worten werden Taten. Wir wissen das. Wir wissen um das braune Netz nach ’45, das laute Schweigen, das Versagen des Staates bei der Entnazifizierung. Für uns ist es unerträglich, wenn wieder Naziparolen gebrüllt und Synagogen angegriffen werden, Todeslisten kursieren, Rechtsextreme in den Parlamenten sitzen. Wiederholt sich Geschichte? Primo Levi, auch Häftling in Auschwitz, hat gesagt: »Es ist geschehen, folglich kann es wieder geschehen.« Wir erinnern, um zu verändern, um unsere Demokratie zu bewahren. Der Schlüssel dazu ist für mich die Jugend. Die müssen wir gewinnen. Ihr seid nicht schuldig für das, was damals geschehen ist, sage ich. Aber ihr macht euch schuldig, wenn ihr nichts von dieser Geschichte wissen wollt.

Was in den Gaskammern endete, begann mit Repression, Ausgrenzung, Rassismus. Das kennen viele der Jungen. Oft höre ich dann: »Frau Bejarano, auch wenn Sie einmal nicht mehr da sind, wir werden Ihre Geschichte immer weiter erzählen.« Das ist meine große Hoffnung! Mit einer Veränderung aber können wir sofort beginnen: Der 8. Mai muss ein Feiertag werden, ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann! Und wer Bedenken hat, ob gerade auch Deutsche diesen Tag feierlich begehen sollten, der stelle sich vor: Wie würde die Welt heute aussehen, wenn die Nazis gewonnen hätten?

Das Netzwerk Cuba-Informationsbüro ist wiederholt Opfer der US-Blockadepolitik gegen Kuba geworden, wie der Vereinsvorstand am Donnerstag mitteilte:

(…) Ende letzten Jahres erhielten wir vom Berliner Online- und Web-Hosting-Unternehmen Strato AG eine E-Mail. Wir sind dort langjähriger Kunde und benötigen deren Service für den sicheren Versand unserer Newsletter. In der E-Mail an uns heißt es: »Sehr geehrte XX, (…) das SSL (ein Verschlüsselungsprotokoll für das Internet, jW) kann wegen der Embargobestimmungen gegen das Land Kuba nicht ausgestellt werden. Ich habe das SSL Wildcard daher storniert. Mit freundlichen Grüßen, Strato Customer Care«.

Wir sind bestürzt über diese Blockierung unserer Arbeit hier im eigenen Land! Auch andere Kuba-Solidaritätsgruppen sind von solchen Blockadeeffekten betroffen und geschädigt, sowie zahlreiche KMU (kleine und mittlere Unternehmen, jW), Unternehmen und Banken! Die USA ignorieren die alljährlichen Resolutionen der UN-Vollversammlung, in denen die Beendigung der Blockade und der Sanktionen gefordert wird – auch von Bundesregierung und der EU. Außer dieser symbolischen »Aktion« unternehmen beide aber nichts konkret gegen die Blockade. Dabei muss die Bundesregierung gemäß ihrem Amtseid Schaden von unserem Land abwenden. Die Angst vor dem Freund USA scheint extrem groß zu sein!

Es ist an der Zeit, dass die Bundesregierung endlich ihrer verbalen Ablehnung der US-Blockade Taten folgen lässt! Das hat auch die Petition der Künstler*innen und Intellektuellen von Ihnen gefordert, die derzeit von fast 70.000 Bürger*innen unterstützt wird. Die Verbrechen gegen Kuba und uns müssen gestoppt werden! (…)

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