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Aus: Ausgabe vom 20.01.2021, Seite 10 / Feuilleton
USA

Sie lacht sehr viel

Sehr lustig, USA: Wir freuen uns auf Vizepräsidentin Kamala Harris
Von Peer Schmitt
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Knast für alle! Ein typischer Kamala-Harris-Schenkelklopfer

Jetzt ist sie zumindest die Nummer zwei im Staat. Am Mittwoch wird Kamala Harris vereidigt. Ihre Ambitionen, die erste US-Präsidentin der Geschichte zu werden, wurden im Vorwahlkampf der Demokraten recht schnell begraben. In den Umfragen kam sie selten über eine Zustimmung von einem Prozent hinaus. Im Dezember 2019 schließlich zog sie ihre Kandidatur offiziell zurück. Ihrer Kampagne ging das Geld aus.

Die traurige Wahrheit ließ sich nicht länger ignorieren: Praktisch niemand an der Basis der demokratischen Partei schätzte, wollte, mochte Harris. Insbesondere die afroamerikanischen Wähler verabscheuten sie. Was manchen hierzulande vielleicht überrascht: Ist Kamela Harris nicht selbst … irgendwie … schwarz? Die Ursache findet sich nicht zuletzt in der bestürzenden Bilanz ihrer Amtszeit (2011–17) als Generaltstaatsanwältin des Staates Kalifornien: Harris hatte eine nicht zu leugnende Vorliebe dafür, möglichst viele Leute so lange wie möglich in den Knast zu sperren. Und die Leute haben manchmal eben doch ein gutes Gedächtnis.

Während der zweiten TV-Debatte der demokratischen Präsidentschaftskandidaten im August 2019 war es Tulsi Gabbard, die Harris den symbolischen Todesstoß versetzte: »Sie ließ über 1.500 Leute wegen Marihuanavergehen ins Gefängnis stecken und lachte, als sie danach gefragt wurde, ob sie jemals selbst Marihuana geraucht habe.«

In der Tat lacht Harris oft und gern. So lachte sie beispielsweise in einem TV-Interview über die Frage, ob es sie nicht störe, die Vizepräsidentschaftskandidatin an der Seite eines Mannes (Biden) zu sein, den sie zuvor öffentlich immerhin mehr oder weniger als Rassisten bezeichnet hatte. Ihre Antwort: »It was a debate. Hahaha. It was a debate.«

Darin folgt sie dem Vorbild ihrer politischen Patin Hillary Clinton. Es war dann auch kein Zufall, dass diese persönlich Harris’ politische Feindin Gabbard – zu jenem Zeitpunkt Kongressabgeordnete und aktives Mitglied der US-Streitkräfte – beschuldigte, eine russische Spionin zu sein. Harris’ eigene Position ist in diesem Zusammenhang klar auf der kriegs- und verschwörungslüsternen Parteilinie. »Trust me, I’m a Russia hawk« (etwa: Glauben Sie mir, ich bin ein Russenfresser), verlautbarte sie unmissverständlich. Vielleicht war das auch nur so ein Scherz, wie die Behauptung, sie habe in ihrer Studienzeit Marihuana geraucht und dazu Snoop-Dogg-Platten gehört. Harris machte ihren Collegeabschluss 1986, die ersten Platten des Rappers erschienen 1992.

Warum aber ist das überhaupt wichtig? »Im US-Wahlkampf ist nichts unpolitisch, auch der Musikgeschmack nicht«, schrieb die SZ am 12.8.2020. Dazu hilft vielleicht eine alte Binsenwahrheit von Pierre Bourdieu: »Die politische Macht hat die Eigenheit, dem literarischen Kapital zu gleichen. Sie ist ein Prestigekapital, das an den Bekanntheitsgrad gebunden ist, daran, notabel zu sein« (1999). Aus dem »literarischen Kapital« ist heute längst ein analoges popkulturelles geworden.

Das realistische Bild von Kamala Harris wäre das einer autoritären, korrupten, heuchlerischen Karrierejuristin mit einer »komplizierten Beziehung zur Wall Street« (CNBC, 26.1.2019), wie es im euphemistischen Nachrichtenjargon heißt, die auch durchaus enge Verbindungen z. B. zum Beförderungskonzern Uber pflegte – ihr Schwager ist dessen Chefanwalt –, während in Kalifornien parallel zur Präsidentschaftswahl über einen Gesetzentwurf abgestimmt wurde, der die gewerkschaftliche Organisation von dessen Fahrern unterbinden sollte.

Statt des realistischen Bildes bekommt man in den Medien allerdings eine Lifestylefigur serviert, die ihre Kindheitsanekdoten schamlos direkt bei Martin Luther King Jr. abkupfert und mit Chucks-Turnschuhen auf dem aktuellen Cover der US-Vogue posiert. In der deutschen Ausgabe des Modemagazins heißt es dazu: »Anstatt sich bei der Kandidatur für ein Amt unter Druck gesetzt zu fühlen, eine ›angemessene‹ Garderobe zu tragen, könnten künftige Politikerinnen dies als eine Lektion betrachten: Man kann nie etwas falsch machen, wenn man sich selbst treu ist.« Kamala Harris »sich selber treu«? Noch so ein Scherz.

Der neueste »Dresscode«: Harris votiert bei Gelegenheit sicherheitshalber für »double masking«. Gleich mit zwei Masken schützt sie sich und andere solidarisch. Die erste Maske verbirgt das Grinsen, die zweite schützt die Gesundheit. Kamala Harris ist die maskierte Maske. Sich selber treu.

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Debatte

  • Beitrag von Torsten Andreas S. aus B. (20. Januar 2021 um 13:10 Uhr)
    Welch ein Schock! Hatten nicht alle wohlmeinenden Menschen gehofft, dass Herr Biden aus Altersgründen bald nach seiner Ernennung abtreten wird und der ersten Schwarzen zur Präsidentschaft verhilft?

    Frau Harris steht wofür?

    Bisher war sie zwar bedeutungslos, aber passte sich an. Sie hatte seit Jahren den Ruf, eine strenge Staatsanwältin zu sein. Innerhalb von wenigen Jahren gelang ihr der Aufstieg. Warum Herr Biden sich für sie entschieden hatte, ist bisher unklar.

    Ich schlage vor, ganz in Ruhe zu prüfen, ob diese Leute an der Regierung der USA gesprächsbereit sind. Erinnern wir uns daran, dass wir schlechte Erfahrungen mit der Trump-Regierung gemacht haben. Diese Handlungsweisen werden wohl fortgesetzt.

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