Die junge Welt drei Wochen gratis testen
Gegründet 1947 Sa. / So., 23. / 24. Januar 2021, Nr. 19
Die junge Welt wird von 2464 GenossInnen herausgegeben
Die junge Welt drei Wochen gratis testen Die junge Welt drei Wochen gratis testen
Die junge Welt drei Wochen gratis testen
Aus: Ausgabe vom 14.01.2021, Seite 11 / Feuilleton
Pop

Neue Liebe Popmusik

Endlich Mitsingen: Das neue Album des Post-Punk-Trios Palberta
Von Christina Mohr
imago0109231824h.jpg
Das ist doch mal ein Lied wert!

Als Palberta im Herbst die Single »Before I Got Here« veröffentlichten, traute man den eigenen Ohren kaum: Das (wirklich tolle) Stück dauert immerhin drei Minuten und neununddreißig Sekunden! Dieses eher banale Faktum wird zur »Hottest news«, berücksichtigt man, dass Ani Ivry-Block, Lily Konigsberg und Nina Ryser aus Brooklyn, NYC auf ihren ersten Platten mit Vorliebe Songskizzen mit ungefähr 70 Sekunden Länge anrissen. In jenen Minuten-Tracks passierte allerdings mehr als auf so manchem Doppelalbum: von Raincoats-inspiriertem Postpunk über Cowbell-Disco­house zu HipHop und zurück, mit abrupten Breaks und abenteuerlichen Instrumententauschs mitten im Track. Aber keine Sorge, »Palberta 5.000« ist trotz Songs mit »Überlänge« natürlich kein verschnarchtes Mainstreamprodukt geworden.

Eher das Gegenteil. Nach ihrer ersten großen Liebe Punkrock seien sie nun von Popmusik besessen, so Palberta, die mit den längeren Stücken ihren Hörern endlich die ­Chance zum Mitsingen geben. Über Frühstückszutaten zum Beispiel (»Eggs n’ Bac’«), Kühe und andere Tiere (»The Cow«), und Freundschaftspflege in Zeiten der Pandemie (»Fragile ­«). Oder die reizvolle Möglichkeit eröffnen, in den Songs verlorenzugehen: So besteht das zackig-punkige »Big Bad Want« im Grunde aus einem dreiminütigen Outro, in dem mantraartig eine einzige Zeile wiederholt wird (»Yeah, I can’t pretend what I want«), der Beat variiert zwischendurch unmerklich, so dass man zwischen Euphorie und Verwirrung schwankt – und durchaus aus dem Tritt gerät.

Das Trio hat schon lange mit Repetition experimentiert, mit »Palberta 5.000« finden die Musikerinnen zu ihrem inneren Groove, verknüpfen Lyrics und Rhythmus zu hypnotischen Exzessen wie »All Over My Face«, das mit seinen perlenden Bassläufen an Vorreiterinnen wie ESG und Out Hud erinnert und schon jetzt Anwärter für den coolsten Dancetrack des Jahres 2021 ist. Mit dem langsamen Walzer »The Way That You Do« und dem träumerischen »Red Antz« drosseln die Musikerinnen das Tempo für ausgiebige Slow Jams, die sie auf früheren Werken (z. B. »Why Didn’t I« vom Album »Bye Bye Berta«) nur andeuteten. Tracks wie diese bringen Abwechslung in »Palberta 5.000«, das beweist, dass es nicht lang­weilig werden muss, nur weil man mal einen Song ausspielt.

Palberta: »Palberta 5.000« (Wharf Cat Records /Cargo)

Teste die beste linke, überregionale Tageszeitung.

Kann ja jeder behaupten, der oder die Beste zu sein! Deshalb wollen wir Sie einladen zu testen, wie gut wir sind: Drei Wochen lang (im europ. Ausland zwei Wochen) liefern wir Ihnen die Tageszeitung junge Welt montags bis samstags in Ihren Briefkasten – gratis und völlig unverbindlich! Sie müssen das Probeabo nicht abbestellen, denn es endet nach dieser Zeit automatisch.

Ähnliche:

  • 29.06.2012

    Das letzte Riff

    Punk, Metal, Techno. Und Pop. Alle tot. Außer einer
  • Manipulierte Magnettonbänder als Grundlage der
Arbeit
    14.01.2011

    Falsch herum

    Musikalische Entfremdung als Chance – ein Porträt des Musikers David Cunningham

Mehr aus: Feuilleton