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Aus: Ausgabe vom 11.01.2021, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Rechnung folgt

Zu jW vom 8.1.: »Prozess der Verrohung«

»Das Herz« oder sogar »der Olymp« der Demokratie sei in Gefahr gewesen, so überschlugen sich hierzulande Medien und Politik nach der Besetzung des Kapitols in Washington durch Trump-Anhänger. Stellt sich die Frage: Welche Demokratie meinen die? Das vorsintflutliche Wahlsystem, das ganze Bevölkerungsgruppen einfach ausschließt, das lächerliche Zweiparteiensystem, das weder im Land noch in der Welt entscheidend abweichende Positionen zu bieten hat, die systematische und flächendeckende Diskriminierung von Minderheiten? Zu befürchten ist jedenfalls, dass uns die nun von unseren staatstragenden Kräften so heftig beschworene atlantische Solidarität noch teuer zu stehen kommen wird, und zwar politisch, wirtschaftlich und militärisch.

Dieter Reindl, Nürnberg (Onlinekommentar)

Maidan in Washington

Zu jW vom 8.1.: »Prozess der Verrohung«

Das alles kennen wir doch bereits: Maidan in Kiew, Tbilissi. Der Parlamentsbesetzer Juan Guaidó wurde sofort von den USA und der Bundesregierung als »Präsident« Venezuelas anerkannt. Die USA unterstützten wiederholt Parlamentsbesetzungen in anderen Ländern. Anfang der 1990er Jahre ließ der bis zum Schluss vom Westen tatkräftig geförderte russische Präsident Boris Jelzin nach persönlicher Anwesenheit und Absprache in der US-amerikanischen Botschaft das russische Parlament mit Panzern beschießen, weil es nicht so abstimmte, wie er und die USA es wollten. Die Fassade des »Weißen Hauses« in Moskau wurde nahezu völlig zerstört. Ein Teil der Abgeordneten flüchtete, ein anderer Teil wurde verhaftet. Es gab 187 Tote sowie 437 Verletzte. Die US-amerikanische Presse jubelte. Jelzin blieb nicht nur im Amt. Es wurde im Eilverfahren eine neue Verfassung speziell auf ihn zugeschnitten. Der Wahlkampf 1996 wurde unter massiver Einmischung des Westens (Finanzierung durch die USA) knapp für Jelzin entschieden. Ein Präsident, der die russische Verfassung brach, wurde also viele Jahre vom Westen hofiert. Wenn Trump jetzt (theoretisch) unter Finanzierung durch Russland noch mit Gewalt einige Jahre im Amt bliebe und sich selbst eine neue amerikanische Verfassung schreiben würde, täte er ja selbst nur das, was die USA und auch die Mainstreampresse in Deutschland schon immer für gut hielten. Wegen dieser doppelten Standards hat der Westen moralisch vollkommen abgewirtschaftet.

Fred Buttkewitz, Ulan-Ude, Russland

Nächste Enttäuschung

Zu jW vom 8.1.: »Blechen für Klimaschutz«

Mitten in der Coronakrise der Bevölkerung die CO2-Steuer aufzudrücken ist unsolidarisch, verlogen und passt zum System. Ein denkender Mensch weiß, dass mit dieser Steuer kein Gramm Kohlendioxid weniger in die Atmosphäre gelangen wird. Niemand fragt, wieviel Regenwald abgeholzt wird oder durch Brandrodung zerstört wird. Keiner stellt die Formel-1-Rennfahrerei in Frage, erst recht fragt keiner, wieviel Liter Diesel ein Panzer in irgendwelchen kleinen oder großen Konflikten verbrennt. Den Damen und Herren Regierenden ist das doch piepegal, wie viele Kilometer die Landbevölkerung zum Einkauf, Arzt etc. zurücklegen muss und wie sie sich das leisten kann. Wer glaubt, dass E-Mobilität der große Wurf wird, wird die nächste Enttäuschung erleben. Wo und wie wollen wir die notwendige Energie erzeugen, wohin mit dem Elektroschrott, der früher oder später die Umwelt belastet? Solange das Kapital das Sagen hat, ist Umweltschutz ein feiner Deckmantel für jegliche Steuererhöhungen. Zahlen wir nicht schon eine Ökosteuer?

Günther Seehafer (Onlinekommentar)

Verantwortung für Krieg

Zu jW vom 7.1.: »›Deal‹ gegen Völkerrecht«

In Ergänzung zum Artikel über die Reaktionen auf die Anerkennung von Marokkos Besatzung der Westsahara durch den scheidenden US-Präsidenten Donald Trump als Gegenleistung für die »Normalisierung« der Beziehungen zwischen Marokko und Israel möchte ich daran erinnern, dass Israels Regierung seit 1975 den damaligen marokkanischen König Hassan II. in seinem Krieg gegen die sahrauische Befreiungsfront Polisario unterstützte. Hassan II. bezog Panzer und Panzerfahrzeuge (…) aus Israel, und nach einem Empfang des israelischen Premierministers Shimon Peres in Rabat im Jahr 1986 flogen elf israelische Offiziere und Abwehrspezialisten in die Westsahara, um die marokkanischen Befestigungsmauern zu inspizieren. Der Journalist Karl Rössel berichtet in seinem 1991 erschienenen Buch »Wind, Sand und (Mercedes-)Sterne. Westsahara: Der vergessene Kampf für die Freiheit«, wie er in einer Ausstellung von Waffen, die die sahrauische Befreiungsarmee von den marokkanischen Truppen erbeutet hatte, »Kisten voller Uniformen aus Israel, daneben gestapelte Minen und Bomben aus den USA, Frankreich und Großbritannien und Hunderte von Maschinengewehren aus Brasilien, Belgien und auch ›made in Germany‹« gesehen hat. Letzteres zeigt, dass neben Israel auch die BRD eine Mitverantwortung am Krieg in der Westsahara trägt. (…)

Thomas Tews, per E-Mail

Abbitte leisten

Zu jW vom 31.12./1.1.: »Chancenwucher«

Ich lese junge Welt seit nahezu 50 Jahren ununterbrochen. Treue zählt für mich viel, und daran wird sich auch nichts ändern. Was mir Sorge macht, ist inzwischen die Sportseite. Ich lese in der Regel täglich aufmerksam die komplette Zeitung, fange aber stets hinten an (Angewohnheit). Es sind gute Beiträge dabei, aber was interessiert es mich, was die Tennismillionäre treiben oder wie es dem »südamerikanischen Fußball« geht. Auch Darts reißt mich nicht vom Hocker. Alles gut und schön und meinetwegen. Als Ihr jedoch vor der beginnenden Fußballsaison Union Berlin hoffnungslos auf dem letzten Abstiegsplatz (»Glaskugel«) gesehen habt, dachte ich, es würde mal Zeit, sich dieser Entwicklung journalistisch anzunehmen und damit gleichzeitig Abbitte zu leisten …

Stephan Barsien, Birkenwerder

Die USA unterstützten wiederholt Parlamentsbesetzungen in anderen Ländern. Wegen dieser doppelten Standards hat der Westen moralisch vollkommen abgewirtschaftet.

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