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Aus: Ausgabe vom 08.01.2021, Seite 8 / Ansichten

Philanthrop des Tages: Max Otte

Von Jan Greve
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Guckt gerne über den Tellerrand hinaus: Max Otte

Mit Absetzbewegungen kennt sich die AfD aus. Das Drehbuch ist dabei meist identisch: Mensch mit Karriereambition und reaktionärem Weltbild verlässt die Partei, weil die noch Reaktionäreren dort ihren Aufstieg zielstrebiger organisieren. Blöd gelaufen – wobei das eine oder andere Abgeordnetenmandat samt monatlicher Aufwandsentschädigung für Parlamentspöbeleien den Sturz abfedert.

Bei Max Otte ist die Sache anders. Parteizugehörigkeit ist für den Unternehmer Nebensache: Als CDU-Mitglied erklärte er 2017 stolz, der AfD bei der Bundestagswahl seine Stimme zu geben. Ein Jahr später wurde Otte Kuratoriumsvorsitzender der AfD-nahen und von Vertriebenenpäbstin Erika Steinbach geführten Desiderius-Erasmus-Stiftung. Am Donnerstag dann das Paukenschläglein: »Mit sofortiger Wirkung« trat Otte – Selbstbeschreibung: »Philanthrop. Publizist. Patriot.« – von besagtem Posten zurück. Ihn treibt der parteiinterne Konflikt zwischen den neoliberalen Nationalisten um Jörg Meuthen und den »Flügel«-Faschos um Björn Höcke um. Dass letztere auf dem Parteitag in Kalkar nicht durchmarschieren konnten, auch weil Meuthen kräftig austeilte, hat Otte missfallen. Die AfD müsse »soziale Belange und Bürgerbewegungen« ernst nehmen und dürfe nicht auf ein »Projekt FDP 2.0« und »Rentenprivatisierung« setzen. Richtig gehört: Der Unternehmer hat ein Herz fürs Volk. Oder in Ottes Worten: »Wer mich kennt, weiß, dass mir auch als Fondsmanager die sozialen Belange der Menschen in Deutschland sehr wichtig sind.« So sind sie bekanntlich, unsere Fondsmanager.

Eine Marotte von Otte sind übrigens reißerische Buchtitel. Bei gefühlt jedem zweiten seiner Werke taucht der »Crash« im Titel auf. Die lose Reihe wird der findige Selbstvermarkter vermutlich bald mit einem AfD-Enthüllungsroman fortsetzen.

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Debatte

  • Beitrag von Torsten Andreas S. aus B. ( 8. Januar 2021 um 10:19 Uhr)
    Manchmal fehlt es Ihnen an Mitgefühl, Herr Greve? Stellen Sie sich vor, Sie hätten daheim einen Spiegel und müssten Ihren Augenschein tagtäglich ertragen – welch eine Herausforderung erlebt Herr Otte damit an jedem Morgen!

    Würden Sie sich dann nicht auch für die AfD stark machen? Da ist man unter sich, unter Gleichen. Denn die Wirklichkeit bleibt hegelianisch: Das Wesen muss erscheinen.

    Vor drei Jahren sagte mir ein früherer Freund aus Studienzeiten, dass er felsenfest davon überzeugt gewesen war, ich würde als erster unter den vielen zum Millionär werden. Weil ich damit schon durch war und die zweite, dritte, fünfte Million längst überstanden hatte, war mir eher nach Schweigen. Nach dem ersten Tumor wird man nachdenklich. Der zweite Tumor ändert alles: Mal sehen, was kommt ... Nach Macht und großem Geld steht der Sinn dann nicht mehr, denn spätestens dann ändert sich die Weltsicht. Die Einsicht in die Endlichkeit macht sich breit.

    Was man Herrn Otte nicht unterstellen muss. Warum sollte er Gutes tun wollen, anstatt sich darzustellen?

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