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Aus: Ausgabe vom 30.12.2020, Seite 2 / Inland
Pflegenotstand

Heldin gefeuert

Hamburg: Klinikkonzern Asklepios kündigt Whistleblowerin
Von Steve Hollasky
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Unter welchen Bedingungen unsere »Helden« Tag für Tag arbeiten, darf auf keinen Fall nach außen dringen ...

Während in den letzten Monaten Pflegekräfte als »Helden« gefeiert wurden, scheint die Chefetage des Krankenhauskonzerns Asklepios mit ihren Mitarbeitenden ganz anders umzugehen – besonders dann, wenn sie sich kritisch äußern. Romana Knezevic, Pflegefachkraft in der Hamburger Asklepios-Klinik St. Georg, hatte am 17. Dezember im NDR über die Zustände an ihrer Arbeitsstätte berichtet. Die Betriebsrätin betonte, dass man auf den Intensivstationen »am Limit angelangt« sei. Es müsse »teilweise« mit »einem Betreuungsschlüssel von eins zu fünf« gearbeitet werden, normal wären eins zu zwei oder eins zu eins. Knezevic, die auch Sprecherin der Hamburger Krankenhausbewegung, eines Zusammenschlusses von Pflegekräften, ist, kritisierte in dem Interview zudem den Mangel an Reinigungspersonal. Auch dieser Bereich sei »kaputtgespart« worden. Pflegekräfte müssten daher auch diese Aufgaben übernehmen. Selbst eine angemessene Sterbebegleitung sei nicht immer gesichert, so Knezevic. Am darauffolgenden Tag widersprach Berthold Bein, Leiter der Intensivabteilung, im NDR diesen Darstellungen. Man halte die Personaluntergrenzen ein, so Bein. Eine Pflegefachkraft versorge nur zwei bis drei Patientinnen und Patienten. Würden Patienten ihrer Coronaerkrankung erliegen, sei »immer jemand dabei«.

Im Ergebnis der Auseinandersetzung sprach Asklepios nun die Kündigung gegen Knezevic aus, wie die Hamburger Regionalseite von Focus online am Montag berichtete. Dem Portal gegenüber hatte ein Sprecher des Unternehmens erklärt, Knezevic habe aus »ideologisch-politisch motivierten Gründen« in den Medien »Falschinformationen« verbreitet.

Der Personalmangel auf den Intensivstationen sei bereits vor Corona »kritisch« gewesen, äußerte Kathrin Restorff am Dienstag gegenüber jW. Die Situation verschärfe sich jetzt aufgrund der Pandemie, wie die zuständige Verdi-Sekretärin im Gespräch darstellt. Die von Bein im NDR-Interview ins Feld geführten Personaluntergrenzen sieht man bei Verdi zwar als »ersten guten Schritt« in die richtige Richtung, allerdings »als noch nicht ausreichend« an, so Restorff. Man kämpfe »für ein Pflegepersonalbemessungsinstrument, um hier eine bedarfsgerechte Personalausstattung in der Krankenpflege zu erzielen«. Man sei mit der Kollegin Knezevic »im engen Kontakt« und werde, falls nötig, »auch vor Gericht unterstützend tätig werden«.

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