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Aus: Ausgabe vom 21.12.2020, Seite 2 / Inland
Coronapandemie

Berlin bestellt mehr Impfstoff

Deutschland sichert sich im Alleingang 30 Millionen Extradosen. Länder prüfen Umgang mit Virusmutation
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In einer Sporthalle in Eschwege wird ein Impfzentrum eingerichtet (1.12.2020)

Vor dem geplanten Start von Impfungen gegen das Coronavirus in Deutschland direkt nach Weihnachten hat sich die Bundesregierung mittlerweile eine ausreichende Zahl an Impfdosen gesichert, um die sogenannte Herdenimmunität der Bevölkerung zu erreichen. Insgesamt erhalte Deutschland vom Mainzer Hersteller Biontech 85,8 Millionen und vom US-Konzern Moderna 50,5 Millionen Dosen, bestätigte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Sonntag. Die Bundesregierung habe über die durch die Europäische Union zur Verfügung gestellten 55,8 Millionen Impfdosen hinaus im Alleingang zusätzliche 30 Millionen Dosen bei Biontech bestellt. Für das Präparat wird an diesem Montag die Zulassung durch die EU-Arzneimittelbehörde EMA erwartet.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erklärte am Sonnabend auf Twitter, es solle jedem, der 2021 geimpft werden wolle, auch so bald wie möglich ein Impfangebot gemacht werden. »Dazu haben wir schon mit den beiden in Zulassung befindlichen Impfstoffen ausreichend Dosen.« Von den beiden Präparaten von Biontech sowie des US-Herstellers Moderna sind dem Ministerium zufolge nun insgesamt 136,3 Millionen Dosen gesichert, die nahezu alle 2021 geliefert werden könnten. Mit je zwei nötigen Dosen ließen sich damit rechnerisch fast 68,2 Millionen Bürger impfen.

Unterdessen sorgten am Wochenende Nachrichten über eine neue Variante des Coronavirus für Aufregung. Die Mutation breitet sich derzeit vor allem in Südostengland rasant aus und ist nach Behördenangaben bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form. »Sie ist außer Kontrolle, und wir müssen sie wieder unter Kontrolle bekommen«, sagte der britische Gesundheitsminister Matthew Hancock am Sonntag der BBC. Premierminister Boris Johnson erklärte, es gebe keine Hinweise darauf, dass die Mutation schwerere Krankheitsverläufe auslöse oder dass Impfstoffe weniger effektiv seien.

Die Weltgesundheitsorganisation betonte, sie stehe in Kontakt mit den britischen Behörden. Mehrere Länder reagierten am Sonntag: Die Niederlande sagten Flüge von und nach Großbritannien ab, auch Belgien schließt für mindestens 24 Stunden seine Grenzen zu Großbritannien. Aus Berlin hieß es am Sonntag, solche Einschränkungen seien »eine ernsthafte Option«. Ähnliche Signale kamen aus Wien. (AFP/dpa/jW)

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Debatte

  • Beitrag von Matthias M. aus H. (21. Dezember 2020 um 00:39 Uhr)
    Man bestellt mehr Impfstoff, erklärt das Impfen zur Bürgerpflicht aus Solidarität. »Wir« sind gerettet, wer noch? Von der Solidarität mit den Ländern, denen »wir«, der Wertewesten, die Impfstoffproduktion des nächsten halben Jahres mal so eben vor der Nase wegkaufen, hört man nahezu nichts. Solidarität gibt es noch nicht mal mehr innerhalb Europas, wie Jörg Kronauer in »Germany first« kommentiert. Das alles erinnert mich irgendwie an die Prügeleien um die Plätze auf den zu wenigen Rettungsbooten beim Untergang der Titanic.

    Nur noch abstoßend. Unter den Bedingungen verzichte ich dankend auf die Impfung.

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