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Aus: Ausgabe vom 01.12.2020, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Wirtschaft in Pandemiezeit

Klientelpolitik auf polnisch

Warschau gestaltet Coronaauflagen in Bergen zugunsten der Skiindustrie um
Von Reinhard Lauterbach
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In den polnischen Bergen wurden die Coronaauflagen so gestaltet, dass sie leicht zu umgehen sind. Der Grund: Die Gegend ist eine PiS-Hochburg

Die polnischen Wintersportgebiete haben trotz Coronapandemie die Saison eröffnet. Bilder vom Wochenende zeigen Massen von Skifahrern, die sich vor den Liften drängen, als hätte es nie Distanzregeln gegeben. Das Beherbergungsgewerbe in den Bergen meldet ausgebuchte Hotels. Dabei sind organisierte Vergnügungs- und Erholungsreisen eigentlich verboten.

Die Lösung dieses Rätsels: die löchrige Form, in der die Regierung ihre Maßnahmen verkündet hat. Auf dem Index stehen nur rein touristische Reisen. Erlaubt hingegen sind Aufenthalte »im Zusammenhang mit der geschäftlichen oder beruflichen Tätigkeit«. Das ließen sich die Hoteliers der Region nicht zweimal sagen und werben seitdem mit der Möglichkeit, von ihnen aus der Telearbeit nachzugehen – schließlich habe nicht jeder die Option, sich in der heimischen Wohnung ein Homeoffice einzurichten, schrieb das Internetportal Nocowanie. pl treuherzig. Und die Gemeindeverwaltung des Wintersportortes Szczyrk propagiert das Modell unverhohlen: »Wir bieten ideale Bedingungen für den neuen Trend des ›­Bleisure‹ (aus business und leisure, Geschäft und Freizeit, jW), um in Ruhe neue Geschäftsstrategien zu überdenken und sich auf neue Herausforderungen vorzubereiten. Saubere Bergluft und schöne Aussicht beflügeln das kreative Denken bei der Telearbeit.« Und so kommen die Urlauber massenhaft, den Laptop im Kofferraum und die Skier auf dem Dach.

Noch am 21. November hatte die Regierung angekündigt, wegen der Pandemie alle Wintersporteinrichtungen bis auf weiteres geschlossen zu halten. Auch die traditionell zur Auslastung der heimischen Skigebiete auf die Monate Januar und Februar verteilten 14tägigen Winterschulferien der 16 Wojewodschaften werden 2021 auf die ersten zwei Wochen des Jahres konzentriert, um die Schulen möglichst lange geschlossen halten zu können. Was der Pandemiebekämpfung – vielleicht – hilft, ist aber Gift für die Tourismusbranche, und dies in einer Region, die zu den Hochburgen der Regierungspartei PiS zählt. Die eigene Klientel verärgern – das wollte sich die Regierung angesichts des gleichzeitigen Ärgers mit Bauern, Frauen und der EU nicht auch noch leisten. Und so kam zwei Tage später die Präzisierung: Ja, die Hotels blieben geschlossen, aber Skilifte und Pisten dürften öffnen.

Dass diese für Polen typische Lösung gefunden wurde, hat wohl auch viel mit der Tatsache zu tun, dass der für die Ausarbeitung der Vorschriften zuständige stellvertretende Wirtschaftsminister Andrzej Gut-Mostowy die Situation der Branche von innen kennt: Er ist Besitzer eines Hotels mit Kneipe und einer Skiarena. Beziehungsweise er war es bis vor kurzem. Dass er seine Anteile an den Betreibergesellschaften kurz vor seinem Einstieg in die Politik Anfang 2019 seiner Frau überschrieben hat, hilft ihm in den Augen der Opposition wenig. Hat er doch »vergessen«, gleichzeitig Gütertrennung zu vereinbaren. Jetzt wirft sie ihm einen Interessenkonflikt und falsche Angaben in der Vermögenserklärung vor.

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