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Aus: Ausgabe vom 27.11.2020, Seite 15 / Feminismus
75 Jahre IDFF

Aus dem Widerstand geboren

Vor 75 Jahren: Internationale Demokratische Frauenföderation IDFF gegründet
Von Florence Hervé
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Wissenschaftlerin und erste IDFF-Vorsitzende Eugénie Cotton (Prag, 21.2.1947)

Wenige Monate nach der Befreiung vom Faschismus, vom 26. November bis zum 1. Dezember 1945, wurde im Pariser Konferenzzentrum Maison de la Mutualité die Internationale Demokratische Frauenföderation (IDFF) gegründet. Anwesend waren 850 Frauen aus Europa, Asien, Afrika, Australien und aus Nord- und Südafrika. Unter ihnen antifaschistische Widerstandskämpferinnen wie die italienische Partisanenpädagogin Ada Gobetti, die Französinnen Eugénie Cotton (Wissenschaftlerin und erste Vorsitzende der IDFF) und Marie-Claude Vaillant-Couturier (Zeugin bei den Nürnberger Prozessen), die Russin Nina Popowa, die an der Verteidigung Moskaus beteiligt gewesen war, die spanische Revolutionärin »La Pasionaria« Dolores Ibárruri, und die jugoslawische Präsidentin der Antifaschistischen Frauenfront Kata Pejnovic. Initiatorinnen waren unter anderen Organisationen von Frauen aus der Sowjetunion, Frankreich und Polen, die besonders unter dem Faschismus gelitten hatten.

Zur Vorgeschichte der IDFF gehörten der Pariser Weltfrauenkongress gegen Krieg und Faschismus 1934, das daraus entstandene antifaschistische Weltkomitee und die Frauenkomitees, die sich in besetzten Ländern organisiert hatten. Zur Vorgeschichte der IDFF gehörte auch die Erfahrung von zwei furchtbaren Weltkriegen und die Entstehung eines neuen Frauenbewusstseins – der Widerstand erwies sich als identitätsstiftend.

Bei der IDFF-Gründung mit Vertreterinnen aus 41 Ländern ging es aber nicht nur um die Vernichtung des Faschismus, die Sicherung von Demokratie und Frieden sowie eine bessere Zukunft für Kinder. Im Mittelpunkt stand die Verbesserung der Lage der Frauen. Neu war ebenfalls die Beteiligung von Frauen aus Organisationen wie dem Weltbund für Frauenstimmrecht und dem Internationalen Frauenrat, über die Weltanschauungen hinaus und auf der Grundlage von Solidarität. Die Gründungspräsidentin Eugénie Cotton selbst war Mitglied der französischen Sektion der International Federation of University Women. In ihrer Rede auf dem IDFF-Kongress 1945 betonte die ehemalige Résistance-Kämpferin: »In einer Welt, die entschlossen ist, den Stand der Dinge zu ändern, der die Männer innerhalb von 25 Jahren in zwei schreckliche Kriege geführt hat«, ist »die Aktion der Frauenmassen im öffentlichen Leben« von besonderer Bedeutung. Es war Hoffnung da, die unter anderem auf der Zusammenarbeit der Alliierten bei der Niederschlagung des deutschen Faschismus und einem neuen internationalen Kräfteverhältnis beruhte.

Die Vorsitzende des Weltbunds für Frauenstimmrecht, Margery Corbett Ashby, zeigte sich beeindruckt von den »neuen und mächtigen Strömungen« unter Europäerinnen und von deren »scharfem Gespür für persönliche Verantwortung und bürgerschaftliches Engagement«. Bereits auf dem Gründungskongress wurde eine Resolution zur Unterstützung von Frauen im antikolonialen Kampf verabschiedet.

Drei Jahre nach ihrer Gründung nahm die IDFF 1948 den Demokratischen Frauenbund Deutschlands (DFD) aus der DDR auf. Der Kalte Krieg hatte alsbald gravierende Auswirkungen auf die Arbeit der IDFF. Die größte US-amerikanische feministische Organisation »Congress of American Women« wurde während der Hexenjagd auf Kommunistinnen enorm behindert und die feministische Vernetzungsarbeit gebremst. Vor dem Hintergrund des Kolonialkriegs in Indochina wurde die IDFF aus Paris verdrängt und übersiedelte 1951 mit Hauptsitz nach Berlin, Hauptstadt der DDR. Wenige Jahre nach deren Ende – 1994 – kehrte die IDFF nach Paris zurück. Seit 2002 in Brasilien verortet, ist es still um die Organisation geworden, die in den 75 Jahren ihrer Existenz Höhen und Tiefen erlebte – geprägt von internationaler Frauensolidarität.

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