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Aus: Ausgabe vom 23.11.2020, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Preisverleihung

Klatsche für Amazon-Gründer

»Stiftung Ethik und Ökonomie« verleiht diesjährige »Positiv- und Negativpreise«. Proteste an mehreren Standorten des Onlineriesen
Von Markus Bernhardt
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Ausgezeichnet für seine arbeiterfeindliche Geschäftspolitik: Amazon-Boss Jeffrey Bezos

Es war wieder soweit: Am Sonnabend verlieh »Ethecon – Stiftung Ethik und Ökonomie« ihre diesjährigen »Positiv- und Negativ-Preise«. Ursprünglich sollte die Verleihung wie in den Vorjahren im Rahmen eines Festaktes in der Berliner Kulturbrauerei stattfinden. Dies war jedoch aufgrund der Coronapandemie nicht möglich. Die Veranstalter wichen ins Virtuelle aus, entwickelten ein Onlineformat. Dem »Event« tat dies keinen Abbruch.

Für ihr Engagement für Gerechtigkeit, Gesundheit, Umweltschutz und die Stärkung demokratischer Prinzipien ehrte die Stiftung die kenianische Menschenrechts- und Umweltaktivistin Phyllis Omido mit dem Internationalen »Blue Planet Award 2020«. Omido, die per Livestream zu der Preisverleihung zugeschaltet wurde, engagiere sich »mutig und selbstlos« gegen das in Kenia verbreitete, hochgiftige Einschmelzen von Altbatterien zur Bleigewinnung, lautete eine Begründung für die Ehrung der mutigen Frau. Außerdem stelle sie sich »verbrecherischen Unternehmern und Politikern in den Weg« und habe sich selbst von Mordanschlägen nicht einschüchtern lassen. So habe sie erfolgreich die Schließung der Bleischmelzanlage und die Durchführung Umweltschutzmaßnahmen erkämpft, erläuterte die Stiftung. Ebenfalls mitausschlaggebend für die Wahl Omidos sei die von ihr gegründete und geförderte Organisation CJGEA gewesen, die »sich konsequent für den Zugang zu sauberem Trinkwasser, die Reinigung der vergifteten Böden und sichere Arbeitsbedingungen« einsetze.

Mit dem Negativpreis der Stiftung, dem »Dead Planet Award 2020« wurde hingegen Jeffrey Bezos, Gründer des Onlineriesen Amazon an den Pranger gestellt. Als leitender Vorstand und größter Aktionär des Megamonopols trage Bezos die Verantwortung für »den weltweiten Abbau von Arbeitsrechten, die Verschlechterung von Arbeitsverhältnissen, die Zerstörung der Existenzen von Millionen Einzelhändlern, umfassende Überwachung, unabsehbare Schädigungen menschlicher Gesundheit, der Natur und des Erdklimas mit irreparablen Folgen für die Menschheit und den Planeten«, hieß es zur Begründung.

Als »trotz der pandemiebedingten Einschränkungen sehr erfolgreich« bezeichnete Niklas Hoves, Geschäftsführer der Stiftung, die virtuelle Preisverleihung am Sonntag auf jW-Anfrage. Diese war durch ein Grußwort des Liedermachers Konstantin Wecker und eine Reihe weiterer Statements und Filmsequenzen ergänzt worden. Parallel dazu fanden an den Amazon-Sandorten in Berlin, Rheinsberg und Aachen von der Stiftung organisierte Mahnwachen statt, um gegen die Geschäftspraxis des Internetgiganten und seinen Umgang mit Beschäftigtenrechten zu protestieren. Daran beteiligten sich insgesamt mehrere Dutzend Menschen.

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