Gegründet 1947 Montag, 30. November 2020, Nr. 280
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Aus: Ausgabe vom 21.11.2020, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Steinpilztagliatelle in Rotweinsauce

Von Maxi Wunder

Keine Party ohne Reste, vor allem halbvolle Flaschen Château Mi­graine stellen den Gastgeber post festum vor Verwertungsfragen, zumindest den wehleidigen und geizigen. Denn der kann weder am nächsten Tag mit dickem Kopf weitersaufen noch bringt er es fertig, etwas »umkommen zu lassen«. Genau dieses doppelte Handicap qualifiziert ihn für die gehobene mediterrane Herbstküche, womit mal wieder bewiesen ist: Es gibt nichts Schlechtes ohne was Gutes:

Steinpilztagliatelle in Rotweinsauce

50 g getrocknete Steinpilze ganz kurz in einem Sieb abspülen und in eine Schüssel geben. 500 ml Cabernet Sauvignon dazugeben, und die Pilze für ca. 1 Stunde darin aufquellen lassen. Nach der Einweichzeit die Steinpilze abgießen und dabei den Wein wieder auffangen. Er wird noch für die Pastasauce benötigt. ½ Bund glatte Petersilie waschen, Blätter von den Stielen abzupfen, hacken und beiseite stellen. Eine Zwiebel schälen und fein hacken. In einer großen Pfanne 3 Esslöffel Butter erhitzen, und die Zwiebel darin glasig dünsten, sie sollte möglichst nicht braun werden. Die abgetropften Steinpilze etwa 5 Minuten mit anbraten. Die Zwiebel-Pilze-Mischung mit etwa der Hälfte des Einweichweins ablöschen und umrühren. Die Sauce jetzt 5–10 Minuten köcheln lassen. Dann 100 ml Sahne dazugeben und nochmals 5–10 Minuten köcheln lassen. Mit Salz und Pfeffer würzen. In der Zwischenzeit 500 g Tagliatelle sehr al dente kochen, da sie noch etwas nachgaren, wenn man sie zur heißen Steinpilz-Rotwein-Sauce gibt und alles gut durchmischt. Am Schluss die Petersilie dazugeben. Sollte man partout nichts schmecken, hat man sehr wahrscheinlich … Sie wissen schon.

Wichtig ist in Coronazeiten, dass alle versuchen, gesund zu bleiben, und zwar »gemeinsam«. Gemeinsam: Das Zauberwort der Regierungspolitiker. 1.000mal gehört, und 1.000mal hat’s schon gestört, diese Beschwörung von etwas, das es nicht gibt. Worin soll die Gemeinsamkeit in einer Klassengesellschaft denn bestehen? Ach ja, im Stubenarrest. Der gilt für Villenbewohner genauso wie für Obdachlose. Gemeinsam einsam. Durch Kontaktverringerung können wir »viel erreichen«, meint der Regierende Bürgermeister von Berlin in seiner Postwurfsendung.

Wie klug waren dagegen noch die Ansagen im Februar dieses Jahres, als ich etwas besorgt aus Asien zurückkehrte, mit trockenem Husten. Die Frau in der Corona-Hotline fragte mich: »Hatten Sie Kontakt mit Infizierten?« »Weiß ich nicht«, antwortete ich, »die Herrschaften, die mich im Flieger angeniest haben, erklärten sich nicht dazu …« – »Dann besteht kein Grund für einen Test. Trinken Sie Lindenblütentee!«

Einen Teelöffel getrocknete Lindenblüten mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und abgedeckt zehn Minuten ziehen lassen. Abseihen und möglichst heiß trinken. Alternativ oder ergänzend einen gehäuften Teelöffel frischen oder getrockneten Salbei in eine Schüssel geben, kochendes Wasser darübergießen und den Dampf mit Handtuch über dem Kopf inhalieren. Nach zehn Minuten abseihen und als Tee trinken. Sollten Sie die Kräuter partout nicht riechen, haben Sie eventuell … die Nase voll.

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