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Aus: Ausgabe vom 21.11.2020, Seite 4 (Beilage) / Wochenendbeilage
Puerto Rico

Bomben auf Vieques

Puertoricanische Insel leidet unter jahrzehntelanger Nutzung durch US-Militär
Von Annalisa Natali Murri
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Der 80jährige Aktivist Angel »Tato« Guadalupe war eine zentrale Figur in der Zeit der Widerstandscamps im Bombenabwurfgebiet

Seit den 1940er Jahren wurden die zum US-Außengebiet Puerto Rico gehörende Insel Vieques und die sie umgebenden Gewässer von der US Navy als Übungsgelände genutzt. Der westliche Teil des Eilands wurde als militärisches Munitionslager verwendet, der östliche als Zielbereich für kombinierte See-Luft-Boden-Manöver. Die Zivilbevölkerung musste ihr Leben, nachdem ihre Ländereien und Häuser enteignet worden waren, auf das Zentrum der Insel beschränken, umgeben von ökologischer Zerstörung durch die Bombardements der Navy.

60 Jahre lang (1943–2003) ist die Insel der schweren Kontamination durch die militärischen Aktivitäten, bei denen abgereicherte Uran- und Agent-Orange-basierte Kampfmittel verwendet wurden, ausgesetzt gewesen. Das hat in den vergangenen 30 Jahren zu einer deutlichen Steigerung der Krebsrate geführt, wie auch zu überhöhten Mengen giftiger Stoffe und von Schwermetallen im Blut der Bevölkerung. Darunter Arsen, Kadmium, Blei und Quecksilber, die schwere und auch tödliche Krankheiten verursachen.

Gegen die Präsenz und die Aktivitäten der US Navy formierte sich eine Bürgerbewegung, die 1999 ihren Höhepunkt mit einer Kampagne des zivilen Ungehorsams erreichte, nachdem ein auf der US-Basis angestellter Zivilist bei einem militärischen Zwischenfall zu Tode gekommen war. Nach vier Jahren des Protests dieser pazifistischen Massenbewegung und Tausenden Verhaftungen, war das US-Militär schließlich gezwungen, die Insel zu verlassen.

Die Schließung der Militärbasis war jedoch nicht ausreichend, um die anhaltenden Umwelt- und Gesundheitsprobleme zu lösen: Vieques ist immer noch extrem verunreinigt und wurde im Rahmen des »Superfund«-Programms der US-Umweltbehörde als Giftstandort deklariert. Hinzu kommt, dass die Probleme bei der Rekultivierung des Landes, die der US Navy obliegt, da sie immer noch die Kontrolle über das Territorium hat, größtenteils nicht gelöst sind. Die angewandte Methode der Umweltsanierung – kontrollierte Sprengungen von Bomben oder das offene Abbrennen militärischen Materials an Ort und Stelle –, die die Verschmutzung noch erhöht, ist sehr fragwürdig. Für die Insel Vieques und deren Einwohner stellt dies eine weitere Bedrohung dar.

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    Das Wrack eines aufgegebenen Frachtschiffes nur wenige Meter vor der Küste von Vieques
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    Diane Rivasy (61) zeigt die Narbe, die nach ihrer Brustkrebsoperation zurückblieb. Sie arbeitete 13 Jahre lang beim Wachpersonal der US-Militärbasis »Camp Garcia« und war eine Kollegin von David Sanes. Der junge Mann starb 1999, als eine Bombe bei einem militärischen Übungsflug fälschlicherweise auf seinen Beobachtungsposten abgeworfen wurde. Rivasy bekam infolge der langjährigen Navy-Okkupation Krebs
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    Diese Büste, die in Esperanza ausgestellt ist, erinnert an den 33jährigen Angel Rodriguez Cristobal, Fischer und Vertreter der Sozialistischen Partei Puerto Rico. Weil er während eines Manövers Navy-Land betreten hatte, wurde er zu sechs Monaten Haft verurteilt. Er verstarb im Gefängnis unter ungeklärten Umständen
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    Die Insel Vieques gehört zum US-Außengebiet Puerto Rico
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    Das Grab von David Sanes in dem Ort Isabel II auf Vieques. Sein Tod befeuerte die friedliche Protestbewegung der Insulaner gegen die US-Militärpräsenz
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    Der Hauptort auf der Insel Vieques: Isabel II
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    Auch Vieques’ Nachbarinsel Culebra wurde als militärischer Übungsplatz der US Navy benutzt. Kampfgerät wie dieser Panzer auf dem Strand des Eilands wurde nach dem Abzug zurückgelassen

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